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Plagieren ist verweigerte Bürgerlichkeit
Das exzessive Plagieren zeigt, wie sehr eine Mentalität der Selbstbedienung, der Bereicherung und damit des Raubes fortgeschritten ist, zur (Un)Sitte geworden ist. Plagieren ist verweigerte Bürgerlichkeit.
Zur “Großstadtkompetenz”: Verschenkte Jahre? Prof. Dr. Paul Nolte 2003 im Gespräch mit “Civis mit Sonde”
In meinem Gespräch mit Prof. Dr. Paul Nolte für die Vierteljahrszeitschrift „Civis mit Sonde“ (im September 2003 in Bremen), heisst es, Zitat:
“Mein Ziel war einerseits, auf diese Verluste dieses Teils des Bürgertums hinzuweisen, die nicht mehr so stark durch die Union repräsentiert sind, also Teile der akademischen oder alternativen Bürgerlichkeit. Andererseits war mein Plädoyer darauf bezogen, dass die CDU wieder stärker zu bürgerlichen Werte finden und von einer Beliebigkeit des politischen Pragmatismus wegkommen muss.”
Aus dem Archiv: Fragment “Emanzipation in der Moderne jenseits der postmarxistischen Zivilgesellschaft” (Oktober 2006)
Für eine bürgerliche Zivilgesellschaft
Die Zivilität von Zivilgesellschaft im Deutschen zieht ihren Esprit aus der Opposition zum Militärischen. Die Transformation der deutschen neokorporatistischen Ökonomie mit ihrem produktiven Dualismus antagonistischer Verbände transformiert sich heute in die heuristische Denkfigur, in der eine Ökonomie von Chaos und Komplexität durch die „good guys“ der Gesellschaft zivilisiert wird. Dabei steht das Militärische, welches zivilisiert werden soll, in einem Verwandtschaftsbeziehung zum Wettkämpferischen in der Ökonomie, welche kaum ohne das Konzept des Kampfes adäquat verstanden werden kann.
Gegenpol der Ökonomie ist die Welt des Hauses, des altgriechischen Oikos. Ihr dient die Ökonomie. Als Schnittmenge zwischen den Welten von Oikos und Ökonomie besteht das Feld der Freundschaft, die mit beiden Welten verwandt wie vernetzt ist.
Regeln des Spiels können sich nicht an Maßstäben vorstaatlicher Ursprünglichkeit messen noch an evolutionären Prozessen im Sinne hayekscher Selektion, die naturalistischen, anti-christlichen Weltbildern entstammen. Vielmehr bedürfen sie der konservativen Evaluation, d.h. der Verbesserung ihrer Ergebnisse im Blick auf Maßstäbe der Humanität und Gerechtigkeit.
Die Humanisierung der bürgerlichen Gesellschaft aus einem christlichen Humanismus heraus bildet ein wichtiges Antriebsmoment des Handelns. Da war so, das ist noch so und das wird auch so bleiben. Daran wird sich nichts ändern, auch wenn sich bundesdeutsche Konservative noch so innig nach Amerika sehen, das Paradies, wo Leistung noch zählen soll und Menschen brav in die Kirche gehen sollen. Diese „Konservativen“ kennen Amerika nur aus dem Fernsehen oder sehen nur, was sie sehen wollen.
Während bürgerliche Konzepte wie der Ordoliberalismus von einer starken Interdependenztheorie ausgehen, was das Verhältnis zwischen Markt und Demokratie betrifft, findet unter den Vorzeichen Theoretikern der Zivilgesellschaft nur noch selten eine Auseinandersetzung mit dem Kapitalismus statt. Nachdem der Marxismus nicht funktionierte, wird der Markt als etwas Materialistisches fast ontologischen Formats hingenommen.
Rot-Grüner Industriepolitik waren Konzentrationstendenzen in der Wirtschaft egal. Gegen „nationale Champions“ wurde gerade von den Grünen nichts gesagt, wenn Mittel für erneuerbare Energien flossen.
Heute haben sich weite Teile der Postmarxistischen Linken längst zu ihren bürgerlich-protestantischen romantischen Wurzeln zurückgewandt. Reformierte Bürgerlichkeit wird in den Himmel gelobt, so als stecke der Weltgeist dahinter. Globalisierung wird mit der Schaffung globaler Mittelschichten optimistisch in Verbindung gebracht, so als Grenze es an eine Heilswahrheit aus Marx Schriften.
Heute können sich deutsche Proto-Arbeiter nicht mal mehr den Mehrwert stehlen lassen und der Knecht bekommt gar keine Chance, den Herrn zu schlagen. Ob man die in der Unterschicht abgehängten Menschen mit einem Grundeinkommen wieder aufrichten kann, ist fraglich. Vielleicht ist dies lediglich eine Prämie, damit sie weder beim Szene-Italiener noch vor dem Reformhaus stören, während die Kreditkarte lässig beim Bio-Supermarkt gezückt wird, von wo es schnell in die wohl renovierte Altbauwohnung geht.
Wie kann Emanzipation heute konservativ gedacht werden? Positiv meint Emanzipation konservativ Selbstbestimmung im Sinne eines Votums für den Wert von Tradition für das gute Leben und seinen erfolgreichen (Selbst)Vollzug. Negativ ist damit die Abwehr aller Potenzen gemeint,
Konservativ ist heute christlich-universalistisch, anti-paganistisch, anti-nationalistisch, anti-nietzeanisch und gegen weite Teile des Denkens der griechischen Antike gerichtet. Zugleich richtet sich konservatives Denken gegen naturalistische und rein materialistische Weltbilder. Besonderen Wert legt der Konservative der Gegenwart auf ein anti-utopistisches Denken. Zugleich begreift er aber den Stellenwert motivierender Glaubenserfahrung für eine gerechte Welt und die Wirksamkeit werden von irdischer Gerechtigkeit als Vorstufe unendlicher Liebe Gottes seinen Menschenkindern gegenüber. Im Streben für Gerechtigkeit darf der Christ ahnen, wie groß erst die Liebe Gottes sein muss. Die motivierende Kraft der biblischen Erfahrung der Befreiung als auch die Zuwendung zum ubiquitären Nächsten in seine ganzen Existenz bildet die Quelle progressiven christlich motivierenden Handelns aller Konservativer. Gott handelt nicht willkürlich, sondern aus vernünftiger Gerechtigkeit. Deshalb muss sich staatliches Handeln am Maßstab des Willkürverbots messen lassen.
Die Antike als imaginierter Erfahrungsraum des Bürgertums im 18. und 19. Jahrhundert war ein – vorsichtig ausgedrückt – äußerst ambivalentes Erbe für die deutsche Demokratie. Das emanzipatorische Momente der Renaissance lag darin, den Menschen als Kern Gottes Schöpfung wieder in den Mittelpunkt zu rücken gegen eine entartete Institution Kirche, die schuldig geworden war aller möglichen irdischen Sünden.
Wer konservativ ist, bekennt sich zu einer gemäßigten industriellen Moderne, einer Moderne, der mit liebevoller Vorsicht, der mit „care“ begegnet wird. Vorsichtigkeit und Behutsamkeit, so wie man mit etwas lieb gewonnenen, aber äußerst Zerbrechlichem, umgeht, so gilt es mit der Moderne umzugehen. Das Leben in ihr ist nicht besonders „riskant“, aber es ist weniger berechenbar, als vielen lieb ist. Dagegen hilft nicht, goldene Zeitalter der Vergangenheit heraufzubeschwören, sondern überlegtes Urteilen und Handeln ist gefragt. Vernunft statt Populismus und Panik ist gefragt, aber auch „common sense“ statt elitärer Diskurse, die zu häufig keines falls auf die Lebenswelt zurück bezogen sind, außer der Universität.
Zweifeln ist nicht nur Beweis für die Existenz rationaler Erkenntnis, sondern auch für das Ringen um Erkenntnis in der Sphäre des Religiösen.
Für eine realistische Diskurstheorie
Konservativ sein, bedeutet bescheiden zu sein, was die absolute Geltung von Normen bedeutet.
Der Konservative weiß um das Grundrecht auf religiöse Erfahrung des Menschen. Deshalb ist Religion großzügig am Maßstab weiter Toleranz zu messen, weil kein Mensch grundlos unverhältnismäßig in das Heilsgeschehen des Anderen eingreifen darf. Dabei wird aber aus christlicher Perspektive hermeneutisch vorausgesetzt, dass sich dieses Heilsgeschehen stark auf eine Sphäre jenseits dieser Welt bezieht. Deshalb kann Toleranz weniger großzügig für jene Gelten, die religiöses Heilsgeschehen in erster Linie irdisch begreifen und durch Taten unmittelbar punktuell verwirklichen wollen, wie etwa Selbstmordanschläge. Wer dieses „Beamen mit Bombe“ in Paradies nicht eindeutig verurteilt und als jenseits aller religiösen Maximen versteht, kann kein Recht auf Toleranz beanspruchen, weil das Recht auf Leben dem Recht auf religiöse Erfahrung und Toleranz dieser vorangeht, da das Recht auf Leben ursprünglicher und Vorraussetzung aller religiöser Erfahrung ist. Der Tod als Teil religiöser Erfahrung steht immer am Ende des Heilsgeschehens und nicht an seinem Anfang. Deshalb können Konservative für eine Revision klassischer und codifizierter Toleranzvorstellungen eintreten und die Akzeptanz religiöser Argumente in der Öffentlichkeit ablehnen und verbieten, die auf den Tod als Teil des Heilsgeschehens zielen, der ursprünglicher als das von Gott geschenkte Leben sei. Dieses verstößt gegen den ungeschriebenen zivilreligiösen Minimalkonsens.
Marktwirtschaft
Ist Kapitalismus identisch mit „Entdeckungsverfahren“? Märkte schickt nicht der Himmeln, sondern Menschen bilden und formen sie und nutzen sie für Handlungen. Märkte entdecken nichts, sondern schöpferische tätige Menschen machen Entdeckungen. Märkte vermitteln nur und setzen durch. Zu den Durchsetzungsinstrumenten gehört auch Macht, viel Macht häufig. Zu fast jedem Produkt gehört eine Markteinführungsstrategien, ein Plan, also Planung.
Leben und Sterben
Weil der Konservative um die Grenzen menschlicher Selbstbestimmungsfähigkeit weiß, steht er dem Streben nach unbegrenzter Selbstbestimmung kritisch gegenüber, weil es in einer endlichen Welt keine unendliche Selbstbestimmung geben kann. Für den Konservativen gehören Leben und Tod quasi als natürliche Teile Gottes Plans zusammen. Weil der Konservative auch um die Schwäche des Menschens, auch seiner religiösen Erfahrung und Standfestigkeit im Glauben weiß, um die immerwährenden Zweifel um Gottes Wirken, versteht er den menschlichen Wunsch nach der Linderung von Schmerzen ebenso, wie er um die Utopie einer Welt ohne Schmerz weiß. Deshalb ist für den Konservativen die Begleitung Sterbender ebenso wichtig wie das Gedenken an die Toten.
Bürgerlichkeit als Maßstab richtigen Handelns
Bürgerlichkeit ist der aufrechte Gang in der endlichen Welt im Wissen um die Demut vor Gottes unendlicher Größe.
Weil die Sphäre der Wirtschaft, der Gesellschaft und des Staates nicht Gott gemacht sind, können sie nur nach irdischen Gesetzen geregelt werden.
Aus dem Archiv: Weimar im politischen und intellektuellen Feld der Bundesrepublik bis in die 90er
Politikwissenschaft ist ein politisch aufgeladenes Feld. Um einige Spannungen zu verstehen, werden historisch knapp einige Pfade aufgezeigt, die für die Beurteilung eine Rolle spielen.
Wesentliche intellektuelle Bewegungen nach 1945 in Deutschland lassen sich einordnen wie sie sich jeweils zum Nationalsozialismus, zum Sozialismus bzw. zum Kommunismus, zum Holocaust und zum Scheitern der „Weimarer Republik“ stellen.[1]
Traditionelle Bürgerlichkeit bzw. das “bürgerliche Lager”
Traditionelle bürgerliche Bewegungen definieren sich zuerst über Abgrenzung vom Kommunismus und Aufarbeitung der institutionellen Krise in Weimar. Hier wird Weimar als traumatisches Scheitern und Ende der Bürgerlichkeit verstanden, gegen dessen Scheitern starke institutionelle Barrieren aufzubauen sind. In diesem Feld bewegen sich konservative und liberale Politikwissenschaftler und Zeithistoriker wie z.B. Karl Dietrich Bracher. Manche in diesem Umfeld scheinen zu meinen, mehr Autorität sei die Lösung, um so eine Diktatur zu verhindern. Fokus ist bis zu Beginn der 90er Jahre der Konflikt mit dem Totalitarismus, der die bürgerliche Lebenswelt bedroht. Die Vereinigten Staaten sind unerlässlicher Verbündeter, melancholische Kulturkritik bleibt präsent. Industriegesellschaft und Arbeiterschaft werden zwar nicht geliebt, aber akzeptiert. Insbesondere Hermann Lübbe betont offensiv die Affirmation der Industrie, indem er die konservative Ablehnung der Technik wie vor ihm die weit stärker rechtslastigen Ernst Forsthoff, Hans Freyer und Arnold Gehlen austreibt. Im liberal-konservativen Denken ist nach 1968 kein komplexes ökonomisches oder neues staatswissenschaftliches Denken mehr entstanden, das an Eucken oder Müller-Armack anschließen würde. Luhmann kategorisiert offensiv, versteht aber nicht Ökonomie, noch kalkuliert er, um Hypothese oder Prognosen aufzustellen.
Die teilweise Entwertung ihres Verständnisses von bürgerlicher Kultur im Zuge von 1968 und Transformation der Medienlandschaft werden ständiges Ärgernis. Teile der nächsten Generation orientieren sich an den Grünen und verlassen für 25 Jahre das Lager der bürgerlichen Parteien.
Insgesamt scheint Kultur im humanistischen Sinne für diese Traditionslinien etwas an Bedeutung verloren zu haben. Jedenfalls gibt es im konservativen Teil der „Generation Golf“ keinen humanistischen Begriff von Kultur, auch wenn stärker liberale Florian Illies Affinitäten zum Großbürgertum zeigt und führende Kunstzeitung für ein junges Publikum gestaltet. Das Einsickern Nietzsches verhindert, Humanität mit Sittlichkeit und Freiheit als Autonomie untrennbar mit der „Pflicht zur Sittlichkeit“ verbunden zu sehen.[2]
Positive Visionen zur gesellschaftlichen Entwicklung sind selten. Ansatzweise findet sich in unscharfen Konzepten einer „aktiven Bürgergesellschaft“ eine Vermischung traditioneller regionaler Lebensvorstellungen mit Impulsen aus der Zivilgesellschaft.[3] Die potentiell jüngste Generation dieser Linie ist überwiegend mit Karriere und Etablierung beschäftigt, weil die Reproduktion des sozialen Status schwerer geworden ist. Differenzen zwischen Katholizismus und Protestantismus scheinen in den jüngsten Kohorten der obersten Dienstleistungsklasse nicht äußerlich sichtbar zu sein. Das latente Konzept einer stets amüsierbereiten Netzwerkgesellschaft, die keinem weh tut, vermittelt eine Irrelevanz von Hierarchie, Ordnung und Autorität. Ob es eine tiefere Haltung – Haltung in einem emphatischen Sinne wie bei Helmut Plessner (vgl. Lepenies 2006) oder (Hans Herbert Soeffner) – zum Sozialstaat gibt, ist vollkommen unklar. Der Sozialstaat evoziert bei kaum noch einem liberal-konservativen Publizisten außer Alexander Gauland ein „passionate attachment“ noch eine höhere Einsicht noch eine Verwirklichung von Sittlichkeit auf Ebene des Staates.[4]
Periodisch geht grob etwa von 1996 bis Herbst 2006 ein anti-liberaler Krisen und Niedergangsdiskurs in Gang von Rechts- und aus der linken Mitte, um Reformen zu legitimieren. Dabei wird eine substanzielle Analyse unterlassen. Größte Gefahr ist dabei die Abwertung inkrementeller Reformen und die implizites liberalistische Utopie, die fast mit autoritären Tendenzen nach dem charismatischen starken Mann einhergeht. Sozialreformen, die mit naher Apokalypse intoniert werden, ersetzen positive Utopien. Viel Wohlstand führt zu großen Verlustängsten. Das liberal-konservative Denken predigt gegen den deterministischen Materialismus, hängt aber selber im Sein sehr wohl an Besitz. Dies verstärkt sich in der „Generation Golf“ (Markus Klein 2005). An das Arbeiten selbst werden charismatische Erwartungen gestellt. Daraus folgt, dass Starrheit und Routine, wie sie staatliches Handeln, dass auf Regelmäßigkeit als Kennzeichen der Moderne zielt (Richard Münch), abgewertet werden muss. Bürokratie ist negativ, obwohl Subventionen willkommen bleiben.
Linke Bürgerlichkeit
Links stehende Bewegungen „bürgerlichen Zuschnitts“ definieren zuerst über die Aufarbeitung des Nationalsozialismus und Verhinderung des Holocaust. Kapitalismus wird tendenziell durchaus als etwas betrachtet, was sowohl Nationalsozialismus als auch Holocaust begünstig. Die Vereinigten Staaten werden teils kritisch, teils euphorisch beurteilt. Das Profil der „Frankfurter Schule“ und das Wirken von Adorno legt einen Maßstab vor. Heute arbeitet noch am ehesten das Hamburger Institut für Sozialforschung hier weiter. In ihm verbbindet sich Großbürgertum mit Linksliberalismus. Autorität wird hier sehr kritisch gesehen, weit reichende Reform des pädagogischen Handelns. Für die älteste Generation bleibt Platon, wie auch für Dewey und Nietzsche ein Prüfpunkt. Romantik und Natur haben Erlösungspotential, New Age und Spiritualität finden Anklang über weite Kohorten. Kultur behält einen sehr emphatischen und fast religiösen Stellenwert. Im Milieu der Humandienstleister verliert es humanistischen Gehalt und jeglichen Kanon, unterliegt dem Primat der Selbstverwirklichung und Toleranz. Bildung hat hohen Stellenwert, darf aber nicht autoritär sein. Insofern Leistung und Mühe offensiv subtil implizit negativ konnotiert werden, verhindert die Klasse der gut verdienen Linksliberalen den Aufstieg von Personen aus bildungsfernen Schichten und der neuen kulturellen Unterschicht, der sie mit das Ideal von mühelosen Luststreben nach Emanzipation durch ihr eigenes Luststreben teilweise zurechenbar aufgezwungen hat.
Freie Selbstentfaltung und Selbstentdeckung, nicht zuletzt der Sexualität hat für bestimmte Kohorten höchste Bedeutung. Popkultur ist Befreiung und Bedrohung zugleich.
Analytisch ist niemand in der Lage, postmoderne Ambivalenzen konzeptionell einzufangen und normativ mit entschiedener Diktion zu urteilen.[5] Poststrukturalistische Analysen von Subjektentwürfen kommen erst 20 Jahre später auf, die die Konvergenz von Ästhetik und Ökonomie zeigen (Andreas Reckwitz 2006). Postmoderne und Indifferenz verbreiten sich, in den späten 90ern kommt zu ausgeprägten Phänomenen von etwas, was meist als „Spaßgesellschaft“ bezeichnet wird. In der Technokultur ist Hierarchie im Publikum aufgehoben und der DJ hat eine Art von religiöser Funktion.
Habermas legitimiert zu Beginn der 80er im Schlusskapital seiner „Theorie kommunikativen Handelns“, die Entregulierung von Schulen, welche auch fortschrittliche katholische CDU Minister wie Werner Remmers fordern, d.h. „Entkolonalisierung der Lebenswelt“ und „erlassfreie Schule“ gehen Hand in Hand.[6] Asymmetrien in der Lebenswelt werden analytisch ignoriert und durch universelle formale Gleichberechtigung der Betroffenheit abgebaut. Interne akademische Professionalisierung der Sozialwissenschaften wird durch Schärfung des normativen Profils mittels Konflikte mit Strauss, Kohl und der CDU kompensiert. Fachinterne Innovation besteht in den Sozialwissenschaften in der Übernahme von Ideen und Konzepten aus dem anglo-amerikanischem Ausland ["French Theory" (Yale Department) wird erst sehr sehr spät rezipiert].
Intern werden Hierarchie, Autorität und Ordnung durch kommunikative Strategien, insbesondere im pädagogischen Milieu, oft invisibilisiert. Interne Konflikte würden die Homogentität und Selbstverständnis bedrohen, die viele Konzepte geradezu Fiktion werden lassen. Offene oder stille Generationenkonflikte sind der Regelfall. Zivilgesellschaft wird zu Beginn der 90er zum „leeren Signifikanten“ einer mit sich selbst durch Kommunikation versöhnten Gesellschaft. Kommunitarische Ideen erfahren Sympathien im ehemaligen alternativ ausgerichteten Milieu.
Die „Toskana Fraktion“ übernimmt 1998 die Steuerung des Bundesrepublik und ist systematisch überfordert, bringt aber gute Laune und Genugtuung als Lebensgefühl mit. Politik bedeutet nicht nur Organisation, sondern vor allem für die Grünen ästhetische Normen zu etablieren, die das Dunkel der Ära Kohl vertreiben. Bewahrung traditioneller Energieoligopole von Versorgern und Förderung alternativer Energien gehen Hand in Hand.
Fazit: Indifferenz gegenüber Steuerung durch Institutionen und Kultur
Diskurse über Sozialstaat und Wohlfahrtsstaat hängen mit den einschlägigen Diskursen über Steuerung und Korporatismus zusammen. Auf der andern Seite spielen kulturelle vermittelte Leitbilder eine Rolle, die aber bisher wissenschaftlich nur unspezifisch belegt ist. Der Neo-Institutionalismus benutzt den Ausdruck „cognitive maps“, Scott (2001) sieht Normen der Angemessenheit auch durch eine „culturel-cogntive pillar“ geprägt. Ob dies analytisch mehr bringt, als die älteste deutsche Tradition der geisteswissenschaftlichen Kultursoziologie sei dahingestellt. Das Reflektionsniveau bei Müller-Armack, der auf sehr hohem Niveau soziologisch an Weber, Troeltsch und Max Scheler nicht zuletzt auch wissenssoziologisch in kritischer Auseinandersetzung mit Mannheim anschießt, oder bei Alexander Rüstow, dessen philologische Perspektive und kultursoziologische Orientierung an Alfred Weber ein hochgradig historisch informiertes Spätwerk hinterlassen hat,[7] übertrifft jedenfalls vergleichbare Entwürfe wie von Daniel Bell und wird erst durch Arbeiten von Shmuel Eisenstadt wieder erreicht oder neuste poststrukturalistisch informierte Arbeiten von Wissenschaftler aus der jüngsten Generation, wie die Analyse „Das hybride Subjekt“ von Reckwitz (2006) zeigt. Dennoch gibt es in Deutschland keine Wissenschaftler, die analytisch Poststrukturalismus und Dekonstruktion einschließen würden, ohne deren normative Prämissen zu folgen. Der Traditionsstrang der „Frankfurter Schule“ kann sich insgesamt nie entscheiden, wie Universalismus und Partikularismus, wie Allgemeines und Besonderes zueinander ins Verhältnis gesetzt werden (vgl. auch Peter V. Zima).
Das liberal-konservative Denken privilegiert zwar eigenen Lebensentwurf und Milieus, teilt aber den gleichen Universalismus wie die Arbeiterbewegung, weil Partikularismus zu Gunsten von Solidarität zurücktritt. Der Linksliberalismus reagiert in Metropolen mit Apathie und Teilnahmslosigkeit, mithin stoisch und insofern identisch mit Ideologie des neostoischen Souveränitätsdenkens des neuzeitlichen Adels, welches heute die Kaste der Manager auszeichnet. Der Linksliberalismus pflegt ein postmodernen Streben bzw. Begehren einer Kultur der inneren Erbauhung durch Konsum im karitativen, Hybrides gegenüber dem Eigenen, d.h. Ausländer und Migranten gegenüber Mitgliedern der eigenen Arbeiterschaft zu bevorzugen. Zusätzlich entstehen soziale Probleme, weil Männer und Jungen aus dem generell von den starken Frauen im Milieu der Humandienstleiter weder adäquat gefördert werden, was sich bei Herkunft aus dem Arbeitermilieu noch verschärft. Männer aus niedriger Herkunft werden als bedrohliche Negativschablone eines Subjektentwurfes dargestellt.[8] Dies macht sich in der Rechtssprechung bei Sorgerechtsentscheidungen signifikant bemerkbar.
Soziale Probleme sind eine Frage von Rechten und des Preises. Der neue „Postneokonservatismus“, wie ihn Paul Nolte in Ansätzen populär formuliert, widmet sich zwar wieder der Lebensführung, hypostatisiert diese jedoch analytisch ohne empirische Daten und Kausalitätsanalysen, also typisch geisteswissenschaftlich auf der Ebene des Verstehens, um soziale Differenz zu markieren. Die Ausdifferenzierung der Wissenschaften verhindert einen holistischen sozialwissenschaftlichen Zugriff auf krass gewachsen soziale Probleme, da es dafür an Bildung wie Ausbildung sowie Methodenpluralismus und interdisziplinärem Arbeiten mangelt.
Notwendigkeit von bürgerlicher kritischer Theorie
Der aktuelle Diskurs in Deutschland ist nicht geeignet, den Faktor Kultur und Religion auf dem Niveau einzufangen, wie es in der Generation von Müller-Armack und Eucken durchaus der Fall war. Der Neo-Institutionalismus bietet die vielleicht am viel versprechenste Perspektive, kann aber große gesellschaftliche Konflikte soziologisch nicht einfangen.
Die in Deutschland bekannten Entwürfe führender amerikanischer Linksliberaler wie Rawls, Dworkin und Sunstein sind nicht geeignet, Kultur angemessen zu berücksichtigen, weil sie zwischen latent dekadenten Autismus gegenüber nicht amerikanischen Verhältnissen bzw. traditionellen ausgerichteten Lebenswelten einerseits schwanken und jenseits des noch aufgeklärten Linksliberalismus bis hin zur postmodernen Indifferenz als Resultat der Rezeption von Foucault und Derrida tendieren mit denen die marxistisch-religiöse Perspektive des Entlarvens fortsetzt wird. Nun mag Heimat eine spezifisch deutsche Utopie sein, die Differenz zwischen amerikanischem Zukunftsvertrauen als Teil eines Gottvertrauens, das dem Abrahams gleicht, und deutschem Traditionalismus als Variante altgriechischen Ursprungsdenkens stellt sich als eine klassische Entzweiung von Herkunft und Zukunft (Lübbe) dar, die auf konkrete Freiheit hin angelegt ist.
Das große Interesse an Kultur und Medien in Deutschland speist sich direkt aus der Wertschätzung aus dem Protestantismus heraus. Der Wert von Kommunikation ist als Resultat religiöser Quellen zu verstehen. Analytisch verbleiben Kultur- und Medienwissenschaften überwiegend auf dem Level von Einzelfallstudien. Sowohl Metatheorien als auch generalisierende empirische Untermauerungen sind meistens schwach ausgeprägt, obwohl die deutschen Medienwissenschaften weltweit mit führend sind.
Die politischen Eliten sind vielfach von Juristen und Lehrern mitgeprägt oder dominiert, die von Ökonomie und quantitativer Sozialwissenschaft nichts verstehen. Sie können deshalb auch Studien nicht kritisch auslegen.
Rechte und Linke bilden ein Kartell der respektvollen Anerkennung und reden in eigenen Soziolekten systematisch aneinander vorbei. Neue Stellen in den neuen Bundesländern entspannen kurzeitig den akademischen Arbeitsmarkt. Habermas erreicht international höchste Anerkennung, ersetzt substanzielle Explikation politischer Konzepte aber immer wieder durch elaborierte feuilletonistische Interventionen.
Politischwissenschaftlich ist festzuhalten, dass die meisten großen Debatten oft für beide politische Strömungen aus den USA oder allgemein dem Ausland gekommen sind. In beiden Strömungen wirkt nach, dass Politik in der „protestantischen Kultur“ Orientierung am richtigen Wissen bedeutet (vgl. Richard Münch 1986). Die Verkehrung von Respekt und Toleranz gegenüber sozial Schwachen und wenig gebildeten Menschen zu Indifferenz gegenüber Schicksal stellt die größte Hypothek der 90er dar, die Fragen der Integration und Förderung im Bildungssystem nicht wissenschaftlich bearbeiten kann, sondern in alten ideologischen Pfaden verbleibt. Bildung und Wissenschaft sind zu Anfang des neuen Jahrtausends noch nicht in avancierten Analyserastern für Sozialmodelle unter dem Gesichtspunkt der Reproduktion von Ungleichheit etabliert (s. z.B. Lessenich 2003). Auf der stärker äußeren Linke prägen u.a. Kultur und Postmoderne einschließlich Carl Schmitt die Debatten, zumal außerhalb von Deutschland. Die Rückkehr „des Politischen“ ist teilweise Gegenstand von Diskussionen. Linksliberale Kultureliten in den USA sind teilweise indifferent gegenüber lebensweltlichen Implikationen von Armut, da Armut fast einen schützenswerten kreativen Lifestyle bedeutet, sofern kulturelle Ursprünge, die konserviert werden sollen, mit ursächlich sind. Formale Rechte sollen alles lösen, auch global. Alternativ wird kosmopolitisch und universalistisch durch die Hintertür tatsächlich ein Paternalismus beschworen. Avancierte konservative Mittelwege sind nicht in Diskursen etabliert. Mehrgenerationenhäuser stellen ein institutionalisiertes Surrogat der Großfamilie dar.
Publizistische Kritik am Phänomen der Unterschicht aus der Mitte der Gesellschaft (Paul Nolte 2002, 2006) führt bisher kaum zu systematischen und institutionellen Reformen. Institutionelle Steuerung und Machtprobleme der Wissensgesellschaft werden akademisch und in der Politik wenig reflektiert. Darstellungspolitik und Primat der Kommunikation präjudiziert zunehmend Inhalte von Entscheidungen. Parlamentarismus wird geschwächt, Lobbyismus gewinnt an Bedeutung und professionalisiert sich in Berlin und Brüssel kraftvoll. Die Schwächung kollektiver Repräsentation gegenüber partikularen Kräften stellt eine parallele Entwicklung zu Weimar dar. Das Innenleben der Parteien verliert massiv an Dynamik und Energie. Sie verlieren signifikanten Einfluss zu Gunsten der Massenmedien (Thomas Meyer 2001). Diese beiden Entwicklungen bedrohen die Demokratie. Netzwerke und Governance transformieren Machstrukturen in Regelungszusammenhänge, die nur bedingt transparent und nachvollziehbar sind, da Entscheidungen nicht mehr zurechenbar sind. Konturen eines Primats der Ästhetik und Kommunikation zeichnen sich ab. Diskussionen um „neue Bürgerlichkeit“ verbleiben oft auf einer unpolitischen Ebene, die sich auch um Fragen der Ästhetik und schöngeistigen Bildung dreht. Fragen der Herzensbildung und Empathie für Benachteiligte, Perspektive der „Optionen für die Armen“ bleiben zurück. Das Unpolitische hat immer eine politische Qualität. Deutlich wird, dass die Konzentration von Macht – insbesondere im Sektor der Massenmedien – ein problematisches Feld und prekären Faktor für die Stabilität der Demokratie bleibt. Dazu zählen vor allem lokale Monopole.
[1] Nietzsche und die Romantik wären zwei weitere wichtige Punkte, die Linke und Rechte betreffen.
[2] Schachtschneider (2007) unterstreicht die „Pflicht zur Sittlichkeit“ als Kehrseite der Autonomie.
[3] Kommunitarische Versionen sind vorherrschend im liberal-konservativen Denken
[4] Michael Opielka [?]
[5] Leistungsfähigkeit von z.B. Heitmeyer, Leggewie, Beck, Giddens reicht nicht für das Ganze.
[6] Dies ermöglicht in Schulen später, weiterhin Selektion statt Förderung betreiben zu können und bereitet zum Teil PISA vor. Fehlende akademische Professionalität, nicht zuletzt mangelnde pädagogische, sozialwissenschaftliche und ökonomische Qualifikation bzw. Bildung in der Lehramtsausbildung, stellen Ursachen dafür dar. Debatten über Schulstruktur ersetzen sozialwissenschaftliche Auseinandersetzung von den 80ern bis in die 90er.
[7] Rüstow wurde von Giddens besprochen. Parsons leistet noch Beiträge zu Alfred Webers Festschrift.
[8] Diese Exklusion ist analog zum Ausschluss von Barbaren, Heiden (vgl. Koselleck) sowie
Aus dem Archiv: “Perspektiven auf die Stellung des ordoliberalen Denkens in der Bundesrepublik”
Es bedarf stets der gestaltenden Tat zur Entfaltung dieser Potentiale, wie Müller-Armack 1932 bereits andeutete. Dieses Denken ist in Zeiten der Globalisierung, der Liberale teilweise säkulare Erlösungspotentiale zuschreiben und in Zeiten, in denen Marxisten auf den großen eschachtologischen Crash warten, aktueller denn je. Ordoliberalismus und Soziale Marktwirtschaft sind bürgerliche, kritische Theorien des Industriezeitalters. Ihre negativen Erfahrungen mit dem missglückten Weimarer Korporatismus hat sie teilweise zu Gegnern elitärer sozialdemokratischer Ideen der Hochmoderne gemacht, die zu Recht von den Neuen Sozialen Bewegungen kritisiert wurden. Diese Gegnerschaft mündete im Alter bei Röpke in missglückte Positionen.
Ihre Verteidigung der Bürgerlichkeit ging denen der Schüler Joachims Ritter weit voraus, die teilweise Carl Schmitt näher standen als Ordoliberale. Ordoliberales Denken steht wegen anderer Perspektiven auf die Steuerungsmöglichkeiten des Rechts konträr zu Luhmann. Der Ordoliberalismus war ein bürgerlicher liberal-konservativer Weg in die Moderne als Erfahrung unbürgerlicher Zeiten, der sich keineswegs in ästhetische Kunstwelten geflüchtet hat. Eucken, Röpke und Rüstow schätzen „common man“, aber standen in Distanz zum modernen Angestellten als „common man“. Ordoliberales Denken und Ludwig Erhard standen gegen reaktionäre im Bund der deutschen Industrie, die Marktpreise als „soziologisch falsch“ ablehnten. Hier ist eine „Verwestlichung“ unübersehbar.
Müller-Armack war der Vordenker und Verwirklicher eines liberalen Neokorporatismus und einer europäischen Ordnung. Dies scheint von Wissenschaflter in Köln und Florenz vergessen und ignoriert worden zu sein, obwohl Müller-Armack nicht nur sich für das Europäische Hochschulinstut einsetzen, sondern auf engste mit der Kölner Tradition der Sozialwissenschaften verbunden war.
Ein durch Kojeve inspiriertes posthistorie Denken, wie man es bei Bell, Fukuyama und Gehlen treffen kann, wird man bei Müller-Armack nicht finden. Seine religionssoziologischen Perspektiven und die umfassende Kultursoziologie Rüstows werden heute wieder aktueller und sind anschlussfähig an neoinstitutionalistische Ansätze. Röpke schloss mit seinen Ansätzen an Intentionen Karl Löwith an. Beide schlossen sich Jacob Burckhardt im Plädoyer für Maß und Mitte an, dessen Denken aber bürgerlich-aristokratische Elemente enthielt.
Bei Müller-Armack werden die Einflüsse von Ernst Troeltsch, Max Scheler, Max Weber und Helmut Plessner deutlich, also bürgerlich-demokratischer Denker. In dieser Tradition, vor allem von Troeltsch und Scheler, insgesamt der Modernisten plädierte Müller-Armack für sozialen Ausgleich.
Müller-Armack steht in Tradition des Historismus und greift damit dessen Verteidigung Hermann Lübbes gegen Habermas Spätkapitalismus vor. Gleichzeitig war das ökonomische Denken der Ordoliberalen fortschrittlicher als bei maßgeblichen bürgerlichen Intellektuellen der Nachkriegszeit wie z.B. Dolf Sternberger, ohnehin gegenüber schmittianischen Juristen und erst recht postneomarxistischen Apologeten & Freunden der mitunter reichlich idyllischen & idealistischen Zivilgesellschaft. Aus der religionssoziologischen Tradition heraus war Müller-Armacks Horizont jenseits eines strickten Denkens der Einheit des Westens. Vorwiegend publizistischer Kampf oder Unkenntnis kann den habermschen Vorwurf gegen Neukonservative auf die Ordoliberalen münzen, sie hingen in der Tradition des lutherischen Staatskirchentums, was sich verkehrt, da zumindest sie präzise dessen negative Einflüsse geradezu seziert haben.
Wie bewohnbar ist Deutschland für den politischen Bürger?
Aus dem Archiv:
Zwischen Irrfahrten und Aufbruch ins gelobte Land: Wohnen als Bürger in Deutschland
Deutschland: Das gelobte Land für den Citoyen?
Wie wird Deutschland für eine politische Bürgerlichkeit wohnlich?
Wie wohnlich ist Deutschland für politische Bürger?
Deutschland für eine Bürgerlichkeit wohnlich gestalten
Wohnen als Bürger in Deutschland – auch Denken mit Christlichkeit gegen toten Geist und tötender Geister
Auferwecken eines Geistes
Belebende Gedanken auferblühender Bürgerlichkeit?
Wie lebendig ist die aufblühende Bürgerlichkeit
Bürgerblues – Abschied vom Denken?
“Frühling der Bürgerlichkeit?”
belebende gedanken zum politischen denken
Belebende Gedanken auferblühender Bürgerlichkeit?
oder flüssige Gedanken gegen verflüchtigtes Denken?
Gedanken zur Belebung aufblühender Bürgerlichkeit?
Abzug bzw. Entzug der Bürgerlichkeit (Abziehbilder)
Anders denken
anders denken statt andere denken lassen
Das Politische anders denken
Volksfront & Volksgruppen: Eine Erbfreundschaft der Sozialdemokratie aus den 70ern. Ein Lebensbund von Sarrazin?
Jetzt weiß ich, wo (Frau?) Sarrazin das in Deutschland endgeile Wort “Volksgruppen” her hat:
In den 70ern gab es “VolksfFRONTbündnisse” [sic!, Großbuchstaben C.E.] zwischen der JUSOS HG & LHG. (50 Jahre RCDS Seite 121, ISBN-3-921713-30-7). Bisher dachte ich trotzem alle immer noch, für die deutsche Sozialdemokratie sei die (Fach)Arbeiterschaft oder Angestellte DAS Subjekt schlechthin oder wenigstens mal gewesen. Der (pseudo)wissenschaftliche Sozialismus und die Volksfront … “giving story”, damn contemporary
Ein Bund fürs Leben? Lebensbund gibt es doch nur bei den Konservativen oder so echt richtig Rechten.
Kein Bund für die Bundesrepublik. Wer ist mit diesem Zauberlehrling im Bunde?
Von Politik fühlen sich die Bürger abgefertigt. Darum kommt Sarrazin an. Denn der sagt was. Was, das ist ganz egal!
Von Politik fühlen sich Bürger abgefertigt
Wenn Politik, Verwaltung, Bundespolitiker und Kommunalpolitiker, nicht ordentlich zuhören und hinhören (ein hermeneutisches Ohr ist gefragt), dann bemühen die Menschen um jeden Preis trotzig die Meinungsfreiheit ansich, weil ihre Meinungen gar nicht mehr gehört werden und nichts gelten. Darum kommt Sarrazin an. Denn der sagt. Was gesagt wird, das ist ganz egal! Nicht nur die Situation, auch die Struktur ist Teil des Problems.
Bürger sind mehr als Konsumenten
Wenn die Leute nur noch als Konsumenten etwas gelten, d.h. wenn sie über Zahlungsmittel und Werte, die flüssig gemacht werden können, verfügen, aber nicht mehr als Rechtspersonen im sozialen Rechtsstaat mit fraglos geltender Würde, dann driftet die Republik.
These: Kulturell flüchtet sich die Mitte mit neuerlicher Bürgerlichkeit nach oben, sozial rutscht die Mitte nach unten
Die Mitte verschiebt sich sozial (“neue Unterschicht”) nach unten und kulturell (“neue Bürgerlichkeit”) nach oben. Paul Nolte hat offenbar seinerzeit, als er beide Begriffe mit prägte, diese Problem wohl nicht gesehen, dass die kulturelle Bürgerlichkeit als Lösung für die sozialen Entbürgerlichung begierig begriffen werden würde. Und somit kann sich auch diese Bürgerlichkeit in sozialer Distinktion und Konsum zwecks Prestige erledigen. Das ist nicht viel anders als in der Unterschicht, die aus Prestige den Flachbildfernseher benötigt.
Was ist zu tun?
Integration ist nicht nur Sache des Verwaltungshandeln, von diversen Pädagogen und allerei Beauftragten, sondern Integration Aufgabe für die ganze Bürgergesellschaft und die gesamte Zivilgesellschaft.
Professor Wolffsohn schreibt in der WELT die deutsche Parteienlandschaft um
Erst Sarrazin, jetzt Michael Wolffsohn: Darf jetzt jeder bei “Springer” seine Träume abdrucken? Die Untiefen dieses ästhetisch-schwärmerischen Konservatismus nerven!
Es ist alles ziemlicher Unsinn was Wolffsohn schreibt. Gealterte deutsch-jüdische Intellektuelle sind auch nicht mehr das was sie mal waren. Eine sozialdarwinistisch wirtschaftsliberale Partei gewinnt keine konservativen katholischen Nichtwähler oder soziale Schwache für die CDU zurück. Gerade Wirtschaftsliberale sind gegen die Wehrpflicht.
Und Deutschland hat auch nicht die Identitätsmakel von Belgien, das völlig am Ende ist, oder die der Niederlande. Roland Koch ist kein Wirtschaftsliberaler, sondern gesundheitlich am Limit, ein Etatist und Staatskonservativer. Koch passt bestens zu Merkel.
Wolffsohn tut so, als wäre seine eigene nationaliberale Position mit der von Sarrazin und Norbert Bolz irgendwie gewichtig in Deutschland. Wo soll das sein: “Es ist ein pragmatischer, freisinniger, überwiegend großstädtischer Konservativismus.”? In Berlin Zehlendorf, in Hamburg, Düsseldorf, in Bad Homburg, Baden-Baden und am Starnberger See? Die GRÜNEN sind das jedenfalls nicht, bei denen zählt strenge Gesinnung.
Der “power bloc” des deutschen Konservatismus und der Union sitzt in der Provinz, in Städten zwischen 20 000 und 60 000 Einwohner. Dort ruht der common sense. Der professorale Feinsinn bzw. phantasievolle Schöngeistigkeit von Wolffsohn führt nirgendwohin.
“Eine neue bürgerliche Gesellschaft” fragte 2003 das Blatt der jungen CDU Intelligenzija
“Eine neue bürgerliche Gesellschaft”?
Auf dieses Konzept bezog sich Merkel offensiv auf einem Parteitag (sie habe “angerührt” (Zitat) das Plädoyer vernommen). In Erinnerung sei das wichtige Buch “Generation Reform” von Prof. Dr. Paul Nolte (FU Berlin, Zeithistoriker, Schüler von Hans-Ulrich Wehler) gerufen.
Ich war seinerzeit in Berlin bei der Buchvorstellung präsent. Gleich neben dem Domizil von Merkel war es. Mit Nolte habe ich im September 2003 als eben 23 Jahre Alter junger RCDSler ein nachhaltiges Gespräch für ein Interview im intellektuellen Publikationsorgan der CDU, dem Traditionsmagazin “CIVIS mit SONDE” (3-4 2003, S. 29-34, begründet von Rüdiger Altmann und Johannes Gross, später vereinigt mit SONDE von den damaligen CDU Reformern u.a. um Wulff Schönbohm und Warnfried Dettling, der Truppe von Heiner Geißler, aber z.B. auch Hans Reckers geführt.
Albrecht von Lucke war damals auch bei der Buchvorstellung von “Generation Reform” von Prof. Dr. Paul Nolte. Mit dabei waren unter den illustren Gästen der Szene u.a. Tobias Dürr (SPD “Netzwerker” / Organ “Berliner Republik”) mit Partnerin, Jan Ross (ZEIT), auf dem Podum Kathrin Göring Eckhardt (Grüne, jetzt Bundestagsvize).

