"Das Politische anders denken"

Frühling der Bürgerlichkeit?

Archiv für die Kategorie ‘Tiefenpsychologie

Eugen Drewermann zu den Folgen der Angst

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Eugen Drewermann 1982 in “Psychoanalyse und Moraltheologie”:
“Nur die Angst zwingt den Menschen dazu, sein Maß zu verlieren und mehr sein zu wollen, als er ist: aus Angst Tier zu sein, muß er ein Engel werden, aus Angst, ein Nichts zu sein – ein Gott. Ein bloßer Mensch zu sein erlaubt die Angst niemals.”

Geschrieben von edomblog

1. Oktober 2011 um 22:47

Rückblick: FBWE “Monatsspiegel” 11-2010 zum Thema Sozialkompetenz

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Teil 1

Teil 2

Kommentar: Zur Sommerpressekonferenz (2010) von Bundeskanzlerin Angela Merkel

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Audienz zum Kaffeeklatsch bei Angela?

Diese informelle Atmosphäre, dieser Hauch vom Duft der Kumpanei, die plötzlich durch diese Intimität aufkam, sie stört. Auf “Spiegel Online” hieß es zu Recht, Merkel wirke entrückt.

Merkel versucht immer eine Aura von holistischem Sinnzauber, einer Sinngebung dessen, was “immer schon” ist und war, um alles zu hüllen, um alles Unvertraute wieder vertraut erscheinen und wirken zu lassen. Niklas Luhmann machte am an diesem Verhältnis von Unvertrauten, das im Vertrauten erscheint, eine maßgebliche Eigenschaft der Religion fest, die es seit Urzeiten geben würde.

Angela Merkel spricht sehr viel über sich selbst: “Wir”. Das meint die Regierung und die Kanzlerin. Damit sagt Merkel, dass ihr Selbstverständnis mehr zähle als das Verständnis der Bevölkerung und ihrer Bürger.

Auch die Terroristen haben Angst vor uns

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Die Institution des islamistischen Selbstmordattentäters trägt dazu bei, dass wir dazu neigen, Terroristen hätten keine Angst. Zudem scheinen wir enorme Angst vor Terror zu haben; viel mehr, als die Terroristen vor uns. Zudem muss Terrorismus eine sehr sehr ernste Gefahr sein, bei dem, was der Staat alles so für nötig erachtet. Terror und Terrorismus sind zweierlei. Terror über verbrecherische Staaten aus, während Terroristen private Kräfte sind.

Tatsächlich jedoch sollten wir davon ausgehen, dass Terroristen gewaltige Angst vor unseren Sicherheitsorganen haben. Insofern können Terroristen nicht alles. Terrorismus und Terror wirkt über die Angst der Massen. Die Angst ist ihre eigentliche Hauptwaffe. Wenn wir selbst denken, wir hätten vor denen weit mehr Angst als die vor uns Angst haben, dann funktionert die Logik der Abschreckung nicht. Auf das “gute Leben” kommt es an. Verliert man das durch Angst und Schrecken, tröstet einen das Überleben auch nicht.

Geschrieben von edomblog

3. Mai 2011 um 13:21

Auch in der Integrationsdebatte scheitert viel an Phrasenhaftigkeit und lieblosen Formeln

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Mit Formeln wie “Bereicherung” kommen wir in der Integrationsdebatte nicht voran. Für die viele einfache Menschen ist sowas eine Herausforderung, geradezu eine Zumutung. Sie ackern nach den ganzen deutschen Tugenden ihr Leben lang, was bekanntlich das Leben nicht unbedingt bereichert, und dann kommen dynamische kinderreiche Südländer und machen es sich gemütlich.

Unsere deutsche Mentalität und die Reaktionen, es passt alles nicht so gut. Es geht nicht mehr um Fremdenhass als eine Art Unfall, den man per Korrektur auf die richte Ansicht behabt. Der Imperativ, Du darfst kein Fremdhass haben, verbietet Angst und Angression tendenziell gleich mit und droht über den Link zum Nazitum mit dem Tod. Den Deutschland erfuhr einen Untergang.

Was ich meine, ist, dass da auch ein deutscher Neid auf eine andere Lebensart und Lebenskultur ist. Bei einem gehobenen Einkommen und selbst verfeinerten Lebenstil lässt und regelmäßigen Urlauben lässt sich das sicher alles besser ertragen.

Das neue Tätervolk: Wenn alle Schuld haben, dann ist niemand schuldig: Über Gier & Begehren

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Wenn alle Schuld haben, dann ist niemand schuldig: Über Gier & Begehren

Der Unterschied zwischen Gier und Begehren liegt darin, dass Gier Intensivität oder Intensität eines Verlangens meint. Es geht es um die quantiative Dimension: möglichst viel bekommen. Begehren meint ein soziales Gut. Man will etwas Bestimmtes zu erlangen oder erreichen. Aufstieg und Status werden angepeilt, verteidigt, Selbstbehauptung. Gier ist eine allgemeine und elementare Emotionen. Begehren ist ein spezifischer Wesenszug. Bei Gier geht es um das Überleben, beim Begehren geht es darum, sich fortzupflanzen, sich (ästhetisch) zu vervollständigen. Begehren steht oft in Zusammenhang mit Ästhetik, mit Schönheit. Hier ist allerdings zwischen Reinheit und Schönheit streng zu unterscheiden. Reinheit ist kein Versprechen von Schönheit.

Wegen einfacher und normaler Gier darf niemand Schuldgefühle haben, weil Gier zum Überleben gehört.

Geschrieben von edomblog

28. September 2010 um 18:36

Geknechtete Gymnasiastenherrlichkeit: “Bildungbürger” und zitierte Lyrik von Goethe

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Der säkulare Nationalist und Sozialist Sarrazin (SPD) Goethe sei Dank ein Bildungsbürger?
In einem “Debattenbeitrag” auf Spiegel Online schreibt Matthias Matussek mit doch deutlich weniger Distanz als es gekonnt Frank Schirrmacher tut über den sozialistischen Volkswirt Thilo Sarrazin (laut DVA: “Fachökonom”; jahrzehntelang SPD Mitglied): “Hier auf dem Podium saß ein Bildungsbürger, der in seinem Buch immer wieder auf die glücklichen Lektüre-Erlebnisse seiner Kindheit zu sprechen kommt.”

Ein toller Verdienst der Medien? Kein “Tabu” mehr? Das Beispiel Leitkultur
Matussek vertritt die These, es habe “vor vier Wochen” noch “als Tabu” gegolten, geläufig vom Leitkultur zu sprechen, wie Sigmar Gabriel es jetzt tat. Nun hat aber Sigmar Gabriel nicht von Kultur gesprochen, sondern der SPD Bundesvorsitzende Gabriel hat lediglich die Grundrechte-Artikel unserer bundesdeutschen Verfassung, d.h. das, was Gesetzeskraft hat, was Paragraphen und Artikel sind, mustergültig.

Selbstgenügsame Kontemplation der versammelten Bildungsbürger
Auf die Frage, ob er sein Talent (zur Provokation) geerbt habe, habe Sarrazin geantwortet “Ach, Sie wissen doch, dass alles eine Mischung aus Erbe und kultureller Formung ist.” Für Matussek löst nun die stille Übereinkunft zwischen selbsternannten Bildungsbürgern die Probleme auf. Uns berichtet Teilnehmer Matussek urteilend, Sarrazin “… hatte damit die entscheidende Kampflinie seines Buches im Konversationston entschärft.” Nur bleibt die Frage, ob die Kampflinie, die die Kampfschrift von Sarrazin mit ihrem inhaltlichen Geltungsanspruch aushob, nicht nur mit einem bildungsbürgerlichen Trugreigen “entschärft”, sondern ob sie auch aufgehoben ist? Denn die eigentliche Moral der Geschichte ist die selbstgenügsame Kontemplation der versammelten selbsternannten Bildungsbürger. Der für den Text bezeichnende Passus lautet:
“Ein Publikum, das empfänglich zu sein schien für den bitteren und melancholischen Abschiedston Sarrazins, den er selber ‘Deutschland im Abendlicht’ nannte. Hier auf dem Podium saß ein Bildungsbürger, der in seinem Buch immer wieder auf die glücklichen Lektüre-Erlebnisse seiner Kindheit zu sprechen kommt. Übrigens der einzige, der in Plasbergs Sendung Goethes Spätgedicht “Wandrers Nachtlied” rezitieren konnte.”

Nun, wissen wird doch, dass es tatsächlich “Ein Gleiches” war, welches in “Deutschland schafft sich ab” (Seite 391) und bei “Plasberg” in der ARD lief. Gewiss, schon Bultmann riet Gadamer, warten Sie, irgendwann entdecken Sie Goethe. Doch wie sagt Gadamer: “Ob wir alle noch zu sehr Anfänger im Hören dieser Dichtung sind?”

Terminologie: Bildungsbürger werden die neuen Spießgesesellen
Hinter dieser trügerischen Friedlichkeit von Bildung und Bürger verschwindet die Aggression und die vernehmbare hermeneutische Gewalt, welche die betrachtete Kampfschrift von Sarrazin auf Deutschland erklärtermaßen ausübt. Sicherlich mögen Sarrazin und Matussek sozial oder vom Salär “Bildungsbürger” gesehen, sozusagen im gewöhnlichen, im allgemeinen Sinne sein oder könnten es. Weil sie jedoch gemein statt allgemein sind, vermögen beide es nicht, diesen Anspruch auf Geltung auch kulturell ausfüllen und einen kulturellen Anspruch für das Bildungsbürgertum in Deutschland normativ und politisch oder publizistisch auch mit dieser Art durchsetzen zu können mit ihrer Weise.

Denn die Frage ist doch, wer hier inkludiert ist und wen die Exklusion trifft bei der sozialen Klasse “Bildungsbürger”. Für Sarrazin hängt die Frage, wer Bildungsbürger wird, davon ab, wer mit wem schläft. Der Rückzug von der republikanischen Aktivbürgerschaft, der Beamten wie Publizisten gemein ist, schlägt das römische Erbe von Hannah Arendt zu Gunsten von Kontemplation aus. Die Frage ist, ob die dort, in der Urania in Berlin versammelte Gesellschaft von Herren nicht weit weniger eine vorzeigbare Ansammelung freier Bürger und frei gebildeter Bürger war, sondern eine von jener Namen ist, die unlautere Knechte ihrer Bildung und der dazugehörigen alten Herren und einer verwunschenen Gymnasiastenherrlichkeit sind.

Die Sache mit dem zeugenden “Fick” und und die Praxis der Vererbung. Nöte “treudeutscher” Männer am Beispiel Fall Sarrazin?
Nur weil man vielleicht mal die Fresse von Türken oder Arabern hat poliert bekommen, darf niemand ein Biologist und Rechtspopulist werden. Derneue Betroffenheitskult vom “Stamme nimm Sarrazin”, welcher private Angst und Rache, der trotz “Fit for Fun” und der quälenden Askese des Joggens und der Fitness, sich elendig fühlt, sich körperlich und kulturell den “Muskelmigranten” aus dem Morgendland und ihrem Muzzein knechtisch und kriecherisch unterlegen fühlt, da gilt, dass private Neurosen und deren Psyche sozial kein Anrecht auf öffentliche Vernunft und die Räson der res publica haben. Weder die Phantasien von Vorstadtmüttern noch ihre uferlosen Ängste bestimmen nicht die Staatspolitik der CDU. Gemeinsam Ängste steigern schadet, gemeinsam Sorge zu tragen, das hilft. Eine Steigerungsspirale führt am Ende in den Abgrund.

Attraktive “Muskelmigranten”?
Die Monströsität in der Resonanz, die Sarrazin tief im Inneren mancher erfährt, stammt wohl auch aus dem Erschaudern über die klammheimliche patricharchiale Attraktivität, aus Unterwerfung, die derer von Heidi Klum ähneln könnte, die bestimmt wie eines ihrer tollen Mädels gekichert haben muss, als ihr zukünftiger Gemahl Seal in sportiver Kleidung im Hotel begegnet sein soll. Die Macht von Statur und Gemächt, sie evoziert Strömungen im Unterbewusstsein.

Schieben die Männer nicht eigentlich alles auf die Fertilität der Frauen ab?
Wofür ist Demographie die Chiffre? Einseitig wird von Geburten und Fertilität der Frauen gesprochen! Aber wieviele Männer zeugen wieviel Söhne? Auf dem Land sind das handfeste Probleme. Schließlich muss einer den Hof erben und fortführen. Und auch die Tradition muss weitergegeben werden.

Südländer und der richtige Chic bringen es: “italiens do better”?
Haben deutsche Männer etwa Angst, es ihren Frauen nicht (mehr) so gut besorgen zu können, wie Türken und Arabern ihren Weibern? Oder ist es die Angst deutscher Männer vor den attraktiven Migrantinnen, die viel figurbetonter und viel weiblicher gekleidet sind als viele ein wenig wurstige oder aberu auch ungesund dünne Frauen ohne Kurven, die “autochthon” und “deutsch” sind? Kurven stehen über den Zahlen von Sarrazin.

Die Welt ist heterogen und hybrid: Voller Bastard! Nichts ist im “Echttest” reinrassig!
Identität und Erbgut sind stets hybrid. Keine Züchtung ist rein. Gegen den Furor der Reinheit hiflt auch die Lektüre von Philip Roth “Human Stain” (“Der menschliche Makel”) oder Gerd Koenen (u.a. “Utopie der Säuberung”).

Sarrazin ist lutherisch und anti-westlich, nicht calvinistisch und bürgerlich
Im “religionssoziologischem Schematismus” von Müller-Armack ist es der Calvinismus, der auf die “Aktivierung des Laien” setzt, auf “freies Bürgertum”, auf “privates Unternehmertum”. Und Sarrazin, er ist doch lutherisch, eben nicht “westlich” oder “Westernisierung”, denn er setzt(e) auf Verbeamtung. Die Perspektive von Sarrazin. Müller-Armack weist dem Luthertum den “Cameralismus”, die Perspektive “Staat von innen gesehen” zu, bennent “Finanzwissenschaft” und “Themen der Staatspraxis und der vergleichenden Staatenkunde” als Kennzeichen des Luthertums. Offenbar führt die Tradition dieser Spur bis zu Sarrazin.

Den Freunden der “modischen Zivilkleidung” sei gesagt, das Müller-Armack diese dem Calvinismus zuordnete. Beim Katholizismus sah er historisch “ständische Kleidung”. Während das Luthertum eben für den “Staat von innen gesehen” stünde und für “Tendenz zur Bildung individueller Weltanschauung” sowie “regt einfühlende und historische Betrachtungsweise an”, bedeute hingegegen der Calvinismus “Staat vor das Forum der Vernunft und der Bibel gestellt” statt “Staat von innen gesehen”.

Die Ernte, die Sarrazin aussät, sie ist verseucht. Gegen die Plagen, die uns nerven, hilft nicht das Programm von Selbstsabotage und kulturellem Selbstmord, welches Sarrazin als typisch deutscher Pflichtdienst am Untergang vorexerziert.

Mensch Mattussek, da schreibt man schon Bücher über den Wert des Vaters und des Mannes und dann fuhr der Sprößling auf Jay-Z ab. Hilft da der gute alte Goethe? Mehr Licht!?

Wiederausgabe (17.7.): Disney Girl Miley Cyrus und der Weg von Lady Gaga

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Erstens
Sex-Symbol? – Was ist das für Amerikaner? Wen interessiert überhaupt Sex, wenn es doch eigentlich um Schönheit gehen sollte?
Die klassische These lautet: Viele Amerikaner (und nicht nur die) verwechseln notorisch Reinheit mit Schönheit. Paradebeispiel dafür ist Heidi Klum, total langweilig (und schulmeisterlich).
Bei gegebener Reinheit schauen sich sogar puritanische Amis dann Dessousshows aan, die mit Engelselementen garniert werden. Schon Marylin Monroe war blond und trug weiß. Es ging jedoch weniger um Sex geht es als vielmehr um ein langweilges Spiel mit Reinheit und Unschuld seinerzeit. In der Gegenwart führte Britney Spears dieses Stück vor. Von Erotik oder Sinnlichkeit ist das alles Meilenweit weg. Die Musik verbleibt auf dem Niveau einer Kindersendung.

Zweitens
Tiergestalt und Animalität – schon interessanter, aber keineswegs positiv. Was sollen diese riesigen schwarzen Flügel an den Armen bitte? Ein gefährliches Tier anstelle eines heilen Engels? Was für archetypischen Projektionen sollen hier angeregt werden, um mehr aus diesem einst braven Babyface zu machen? Ist ein Kind gefährlich? Was für Wesen sind Kinder?

Drittens
Atlantic spricht davon, dass „Wired is the new sexy“ sei. Gemeint ist wohl Konfusion. Und Zerstörung, wie man bei Lady Gaga sieht. Es spiegelt irgendwo einen Zustand Amerikas wieder: Konfusion und Gefangensein, Zerstörung und Selbstzerstörung. Wo ist die Sehnsucht nach Befreiung? Steht dafür z.B. mehr Ron Paul oder aber die wilde, transformierte, sogar tumultartige “Tea Party” Bewegung ein? Auch wird klar wie bei Gaga zuletzt etwas vom Heterogenem ins Spiel gebracht, d.h. von der „unreinen Seite des Sakralen“. Haben die im Seminar brav „French Theory“ und George Bataille gelesen?

Viertens
Emanzipation: „Disney stars are tired of being puppets“, wohl kaum, es bleibt Kulturindustrie und Recyling von Abfall, also immer nur gleiches in Wiederholung. Eine Frau ist heute schon „emanzipiert“, wenn sie etwas Weiblichkeit – vorzugsweise körperlich – zeigt bzw. anbietet, dem Voyeurismus feilbietet? Statt wohin ist man nur von was emanzipiert, so dass das Altern schon reicht. Wo ist da insgesamt eigentlich die Kunst und das Werk am Kunstwerk oder die Künstlerin? Es ist halt nur Musik für das Volkstum, also Pop. Statt frivol, wie Atlantic meint, ist das ganze im Grunde einfach nur eine obzsöne Angelegenheit, weil es in seinen Implikationen reichlich widerlich und widerwärtig vor Armut und Elend ist.

Dieser Text erschien am 17.7.2010 in ähnlicher Ausgestaltung in diesem Blog und zuvor im sozialen Netzwerk Facebook. Der Suhrkamp Autor Tobias Rapp fragt zu den “Guttenbergs” im SPIEGEL: “Komm zu mir, Baby, wir sind anders”. Sind wir anders? Wie ist die moderne bürgerliche Christdemokratie? Wo ist der Unterschied zwischen sozialistischer Kulturkritik in der Maske des Bildungsbürger (Sarrazin) und womöglich präbürgerlicher Kunstkritik des Adels als einstigem Machträger? Neben der Kategorie “Geschichtsbewusstsein” ist die Kategorie “Klassenbewusstsein” zu reintegrieren.

Kritik vermeintlich heiler Texte als Zeichen vs. heilige Bücher als echte Symbole: Wider Lust an religiöser Raserei

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“Heiligen” Text kritisieren ist das eine. Ein ganzes Buch ist aber ein Symbol. Und was andere Menschen für heilig erachten, da ist Zurückhalthung, Ehrfurcht (reverence), Distanz angesagt.
Und sonst ergibt sich religiöse Raserei bei Betroffenen (“Betroffenheitskult”).

Die bewusste Schändung eines Symbols tangiert die Religionsfreiheit. Etwas anderes ist die Kunstfreiheit. Aber Meinungsfreiheit und Pressefreiheit sind andere Güter. Sie können nach Artikel 18 GG verwirkt werden.

Kritik vermeintlich heiler TEXTE als ZEICHEN vs. heilige BÜCHER als echte SYMBOLE: Wider Lust an religiöser RASEREI

Sakrale Symbole schäden ist etwas anderes, als den Inhalt und den Text einer großen Religion zu kritisieren und anzugreifen.

Klaus von Dohnanyi und die fromme Scheu in Deutschland: Keine Bürger, nur noch Volksgruppen

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Gern greife ich die Intention von Herrn Klaus von Dohnanyi auf. Schon bei der Walser-Bubis Debatte hatten wir uns von der Jungen Union Hannover-Land mit der liberalen jüdischen Gemeinde Hannover trafen. Ich war dabei.

Ich möchte mich einmal wundern und staunen über die innere Nachdrücklichkeit bei „Fans“ und „Freunde“ von Israel oder der israelischen Staatsregierung. Was könnte das irgendwie aussagen Perspektive der Sozialpsychologie gedacht? Welche Sehnsüchte und tiefenpsychologische Aspekte aus dem kollektiven Unbewussten könnten mit Israel verbunden sein?

Der pfiffige und gewiefte Zwerg Israel steht gegen die primitive Masse der jungen Araber. Sie nutzen archaische Primitivät und Listen, handeln kopflos und wahnsinnig. Mit den jungen Arabern, die ihr religiöses Rechtsystem aus dem Islam zu nutzen versuchen, um ihre autoritären Regierungen abzuwerfen, identifiziert sich niemand. Sie sind eine Mischung aus in Hierarchien des Patrichats gefangenen Sklaven und Knechten, Paschas und lächerlichen Jünglingen. Dagegen kann Israel würdevolle geheimnisvolle orientalische und religiöse Weisheit aus Stärke symbolisieren. Ebenso verbindet sich ausgeprägte Lokalität und gefestigte Identität mit und amerikanische Weltläufigkeit wie teilweise kosmopolitischen Liberalismus.

Hiergegen stellt sich allerdings kann sich bisweilen zweifelsohne ein letztlich dezidiert neokonserativer Diskurs um das „Unpolitische“ an, der Leo Strauss folgt und aus „Weimar“ bekannt ist. Hier gibt es eine stolze Tradition. Auch sollen die aus Deutschlande kommenden Juristen, die in Behörden an der Erarbeitung israelischen Verfassung mitarbeiteten, nicht selten kulturell einen deutschen Hintergrund gehabt haben und kundig in Lektüre von Carl Schmitt gewesen sein. Hier gibt es eben die Tradition von “schwarz-weiß” aus dem deutschen Kaiserreich. Sollten wir Scheu haben, über das Bestehen diese Traditionlinie zu streiten?

Israel kann auch stehen für einen Nomismus des Gesetzes und Härte ohne christliche Gnade. Vertrauen auf Gesetz und Schrift ist nicht wie bei Paulus und Martin Luther Gnade allein aus dem Vertrauen in den Glauben (faith). Das Christentum steht sehr viel stärker für Offenbarung, Situationismus und Deizionsimus. Aber tatsächlich ist Gesetz ein Produkt der Gelehrten des hellenistischen Judentums, da das Wort tatsächlich Weisung bedeutet.

Im Sinne des Glaubens an das Gesetz wirkt Israel als ein Symbol für gerechtes Töten und heilige Gewalt, Sadismus und strikte Konsequenz einer Gesinnungsethik. Es steht auch für eine erwachsene Reife im Umgang mit dem Bösen. Symbolisch steht Israel weiter für die Freiheit von oralen Schuldgefühlen, weil Israel einfach nimmt was es braucht um zu leben. Das täte Deutschland gut, wenn es nicht globale ausartete.

Mit den rebellierenden jungen Iranern aus dem Bürgertum fällt eine Identifikation viel leichter. Zumal sie gegen einen neuen Hitler auftreten, während unsere Großeltern da ärmlich versagt haben.

Israel ist ein Sonderfall innerhalb der Moderne und doch ein normaler Staat, der aber keine Normalität und leider keine normale Anerkennung genießt. Deutschland steht ein für Israel und jüdische Freunde. Einen anderen jüdischen modernen Staat hat es nie gegeben. Israel hat einen eigene Wegstrecke in der Moderne.

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