Archiv für die Kategorie ‘Stilkritik’
Kommentar: Zur Sommerpressekonferenz (2010) von Bundeskanzlerin Angela Merkel
Audienz zum Kaffeeklatsch bei Angela?
Diese informelle Atmosphäre, dieser Hauch vom Duft der Kumpanei, die plötzlich durch diese Intimität aufkam, sie stört. Auf “Spiegel Online” hieß es zu Recht, Merkel wirke entrückt.
Merkel versucht immer eine Aura von holistischem Sinnzauber, einer Sinngebung dessen, was “immer schon” ist und war, um alles zu hüllen, um alles Unvertraute wieder vertraut erscheinen und wirken zu lassen. Niklas Luhmann machte am an diesem Verhältnis von Unvertrauten, das im Vertrauten erscheint, eine maßgebliche Eigenschaft der Religion fest, die es seit Urzeiten geben würde.
Angela Merkel spricht sehr viel über sich selbst: “Wir”. Das meint die Regierung und die Kanzlerin. Damit sagt Merkel, dass ihr Selbstverständnis mehr zähle als das Verständnis der Bevölkerung und ihrer Bürger.
Kritik vermeintlich heiler Texte als Zeichen vs. heilige Bücher als echte Symbole: Wider Lust an religiöser Raserei
“Heiligen” Text kritisieren ist das eine. Ein ganzes Buch ist aber ein Symbol. Und was andere Menschen für heilig erachten, da ist Zurückhalthung, Ehrfurcht (reverence), Distanz angesagt.
Und sonst ergibt sich religiöse Raserei bei Betroffenen (“Betroffenheitskult”).
Die bewusste Schändung eines Symbols tangiert die Religionsfreiheit. Etwas anderes ist die Kunstfreiheit. Aber Meinungsfreiheit und Pressefreiheit sind andere Güter. Sie können nach Artikel 18 GG verwirkt werden.
Kritik vermeintlich heiler TEXTE als ZEICHEN vs. heilige BÜCHER als echte SYMBOLE: Wider Lust an religiöser RASEREI
Sakrale Symbole schäden ist etwas anderes, als den Inhalt und den Text einer großen Religion zu kritisieren und anzugreifen.
EDOMBLOG: Diese Zeilen muss jeder sagen dürfen
EDOMBLOG: Nicht WIR müssen uns DEN “Ausländern” anpassen, sondern SIE an UNS. Deshalb muss sich auch ein Dr. Sarrazin der SPD und dem GrundGESETZ fügen.
Nicht WIR müssen uns DEN Ausländern, sondern SIE an UNS. Deshalb muss sich auch ein Herr Dr. Sarrazin der SPD fügen und der Bundesbankvorstand Sarrazin muss UNS und muss sich unserem Grundgesetz fügen. Die Menschenwürde gilt für alle Volksgruppen.
Diesen Satz darf man sagen und muss man sagen: Wer als Beamter seinen Dienst innerlich ablehnt und das deutsche Grundgesetz und die für alle Volksgruppen verbürgte Würde frevelt, der fliegt.
Der mutmaßliche Schänder der Menschenwürde vieler Volksgruppen, Thilo S. gehört für immer aus der Bundesbank weggesperrt? Wieviele Leserkommentare und Zuschriften gibte es dazu? Wieviel hat die fiktive ERF bekommen?
Wer nichts gelernt hat, der soll hinterher nicht jammern, dass er Sarrazin als Volkskunde bekommt. Jammert mir nichts, vor ich fahre die Linie der Mehrheit und der unzweifelhaft fraglos demokratischen, echten bürgerlichen Mitte. Wer nichts gelernt hat, der soll hinterher nicht jammern, dass er nur noch Sarrazin & ERF (Einigkeit, Recht, Freiheit) bekommt.
“Jammert mir nichts vor“, ich fahre die Linie der Christdemokratie (Union) und trage die “Richtlinie” der Bundesregierung. Politik ist nicht Literaturbetrieb und Literaturkritik.
Sarrazin schrieb kein Sachbuch, sondern Weltanschauung . Das ist inhaltlich weder CDU pur, SPD pur noch FDP pur, sondern purer Schund aus dem 19. Jahrhundert. Ist das alles ”völkisch 2.0″? What’s next?
Leistungsschutzrecht und das Kalkül zwischen Denken und Rechnen
Aus Anlaß´des Podacst bei Netzpolitik mit Markus Beckedahl und Till Kreuzer:
Wenn das ominöse Leistungsschutzrecht tatsächlich so auch in Echt auf Sätze gestülpt werden würde können, könnten dann nicht Bürger Wörter und Sätze rechtlich in Vereinen genossenschaftlich bündeln in einen Pool und so Gegenwehr gegen Tendenzen zur Oligopolisierung leisten? Können sie dann nicht für gemeinfrei erklärt werden? Beim Kriterium für Schöpfungshöhe müsste zwischen Daten, Information und Wissen unterschieden werden. Wissen ist Information + Urteil. Hier besteht theoretischer Bedarf an Präzisierung, was erfasst werden kann.
Google kann nicht denken, sondern Google kann nur rechnen und kalkulieren. Dies sind in der Sprache gerade altgriechisch und auf Latein schon ziemlich verschiedene Dinge. Friedrich Kittler und Heidegger sind hier recht instruktive Lektüren für einen fruchtbaren Grund. Hubert Burda hat doch laut Danksagung wohl Bände “Musik und Mathematik” von Friedrich Kittler unterstützt, wie mir scheint. Was soll denn jetzt verlegerisch dieser intellektuelle “chaotic turn” bitte?
Eine Schöpfung kann doch eigentlich nur auf neues Denken gelten gemacht werden, auf Neues, auf Erfindung, auf Innovation, auf Forschung, auf neue Kunst. Wie kann man eigentlich auf etwas Schöpfung geltend machen, was morgen schon von gestern ist? Meinungen haben qua ihres Wesens keinen Bestand und formulierte Meinungen sind nicht dauerhaft in ihrem Wesen und könnten insofern gar kein schützenswertes Gut sein.
Etwas durch Berechnen zu schaffen ist keine Schöpfung, in dem man etwas denkt, etwas durchdenkt, einen Denkweg oder Rechenweg absolviert und gelöst hat, oder aus der Seele heraus etwas geschöpft. Die angebliche ähnlicht zwischen den Produkten von Denken und Erdachten und von Rechnen und Errechneten ist nur eine Analogie und faktisch eine Fiktion! Es gibt einen Unteschiede, der eine Scheidewand markiert.
Und hier geht es gleich weiter: Eine Analogie bedeutet keine Identität zweier Dinge, keine Gleichheit von Darstellungen, Vorgängen oder Sachverhalten. Es ist nur Ähnlichkeit. Kann der Geldwert von Ähnlichkeit höher sein als der reale Nutzwert von Ähnlichkeit und Verweisen? Wie soll das denn z.B. bei Metaphern und Allegorieren gehen? Sprache ist zuerst bildlich. Das ganze Altgriechische beruht auf einem Primat des Optischen. Sprache soll Erleuchtung und Vernunft bringen, nicht Dunkelheit. Und Recht soll Gerechtigkeit bringen. Man kann nicht Gesetze nutzen, um reaktionäre Strukturpolitik und rückwärtsgewandte Industriepolitik zu machen. Das ist eigentlich eine ziemliche Perversion Sozialer Marktwirtschaft und im Grunde schlichtweg ein unverschämt perfides Verdrehen klasischer und traditioneller ordoliberaler Programmtik. Und das durch FDP und die Union! Die Politik lässt sich dysfunktional instrumentalisieren. Inwiefern ist das bürgerlich? Beim Kohlebergbau ist man an auch nicht so zimperlich gewesen. Und das war wenigstnes eine Frage von nationaler Bedeutung.
Man erkläre denen ganzen Vorgang bitte! Von einer bürgerlichen Koalition ist Wettbewerbspolitik und Leistungswettbewerb zu erwarten und kein Statusschutzrecht im terminologischen Mantel eines “Leistungsschutzrechtes”. Das leidiges Geklüngel mit Interessenkalkül. Das ist Hintertür, List und Tücke.
Das ist die Härte. Aber es ist leider Härte in die falsche Richtung. Auf welches Tor wird hier gespielt? Das ist ein Eigentor! Das geht an den Bedürnfnissen von Bürgern und der Republik absolut vorbei. Das Vorhaben ist politisch und in der Sache nach klar verfehlt. Es gehört also beerdigt.
Wer kein Einsehen und kein Erbarmen hat und sich der Unvernunft hingibt, kann von mir auch nicht auf Erbarmen hoffen oder rechnen. Es gibt intellektuell keine Gnade für von Intellekt gänzlich befreite Sachverhalte. Für Stumpfsinn gibt es kein Pardon vom Scharfsinn. Unachtsam regierende Politik muss mit der Wachsamkeit auf Seiten des regierten Bürgers rechnen.
Am Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott (NT Johannes 1,1) Das ist die Urkunde. Es ist unkundig und verdorben, ja schändlich, auf die ursprüngliche Kunde, Sprache und Wort, Logos und Vernuft einen eingrenzende und das Denken und sprechen knechtenden Anspruch nach einem Leistungsschutz geltend zu machen. Das ist Anmaßung und sogar unchristlich und altmodisch formuliert eigentlich sowas wie ungehorsam gegen Gott. Es lästert bedeute Güter und entehrt sie. Die Vernunft wird gelästert und ihr widerfährt so keine Ehre, sondern Schande und Entweihung.
Man kann es halten wie man will, extrem bedenklich ist diese böse Aufblähen von Rechtsinstrumenten, das Recht in Unrecht und Schaden anstelle von Nutzen verkehren würde. Instrument heisst ja eigentlich Spielzeug und das ist ein ganz diabolisches Spiel, das da betrieben wird. Wo treibt uns das hin? Auf Wort und Sprache ansich, auf “logos”, darauf kann doch kein Urheber Anspruch erheben. Geschicklichkeit bei Werken, bei Handwerkund und Produkten von Herstellern, das kann geschützt werden. Aber ein Können im Denken ist ohne das ein Werk gegeben ist, ontologisch gar nicht in einem “Seinsmodus”, rechtlich, politisch, theologisch oder philosophisch protegiert zu werden. Das ist Humbug und ein Schildbürgerstreich par excellence. Es gibt kein Patent auf das Denken und auf das Formulieren. Geschaffene Substanzen können geschützt werden, aber Formen des Denkens nicht. Sinngehalte können nicht geschützt werden. Nur sinnlich erfahrbare Gehalte verdienen Schutz. Leistung meint Kraftaufwendung, meint nicht denken. Das ist wider alle Urteilskraft. Der Aufwand von Energie und die nützlichen Produkte können prämiert werden, unnützer Geldaufwand darf keine Protektion erfahren. Renditen und ihr Kalkül haben Markt und Wettbewerb zu unterliegen.
Ein Leistungsschutzrecht kann nicht auf Logos geltend gemacht werden. “Übersubjektive Strukturen der Sprache” (Habermas) sind ohne Eigentümer. Das sind quasi “Einbildungen ohne Eigentümer” (Robert Pfaller). Was soll der Unsinn?
Was soll diese faktische extensive, dieser Exzess an Analogien im Rechtswesen? Ich kann mir nicht vorstellen, dass intelligente und gebildete Menschen wie nicht den Unterschied zwischen denken von Menschen und rechnen von Maschinen kennen. Aber die haben da wohl ihr eigenes Kalkül.
Freiheit für die Meinung, in aller Schärfe über Sarrazin und sein Buch zu urteilen
Gegen Sprechverbote
Zur Meinungsfreiheit gehört auch die Freiheit, in aller Schärfe über und zu Sarrazin zu urteilen. Meinungsfreiheit ist vor allem auch ein Recht, sich empören zu dürfen
Oder etwa nicht? Sonst würde die Masche ja nicht funktionieren. Wovon ist Empörung Teil?
Meinungsfreiheit für CDU Bundesvorstand und CDU Mitgliedler
Ich fordere Meingungsfreiheit für den CDU Bundesvorstand bezüglich Herrn Sarrazin bzw. seines Buches ein!
Freiheit und Meinungsfreiheit ist auch die Freiheit zur schärfsten Kritik an Sarrazin und seinem Buchprojekt.
Ein Werk gegen das Machwerk von Sarrazin
Wer schreibt ein Werk, welches über das Machwerk von Sarrazin aufklärt? Ein Sammelband, eine Monographie, ein Wiki, das Daten klärt, sammelt, diskutiert, abwägt, argumentiert, Kontroverse führt, Diskurs Ort und Raum gibt, urteilt.
Sache und Sachlichkeit in der Affäre Sarrazin
Grundsatz nicht nur der katholischen Soziallehre ist es, zwischen Mensch zu Sache zu unterschieden aus der Personalität heraus. Das muss sich auch in der Sprache wiederfinden bzw. in der Aufbereitung.
Die Meinungsfreiheit ist keine Freiheit von Folgen der eigenen Meinung
Zur Meinungsfreiheit gehört auch, dass jeder die Folgen seiner Meinung privat trägt. Nicht jeder kann geliebt werden. Man darf an nur die Gerechtigkeit von Recht und Gesetz erwarten. Wer loslegt, um geliebt zu werden, oder weil er mehr begehrt als andere, muss damit rechnen, dass die ausgesprochene Meinung nicht begehrt wird und nicht behagt.
Bundesbanker Thilo Sarrazin: Ist hurtiger Hugenotte im Bilde?
Weniger um den EURO kümmmert sich der emsige Huggenotte bei seiner Arbeit in der Bundesbank, sondern Thilo Sarrazin lässt Texte aus einem Buch in BILD vorab erscheinen. Ebenso erscheinten Texte im SPIEGEL, außerdem gleichzeitig daraus ein Text im in Berlin erscheinenden “Tagesspiegel”.
Zeilen im Rahmen einer Diskussion auf “Facebook”:
Moment, gerade die “Migranten” halten doch die Geburtenrate hoch. Und die Geburtenziffer leidet unter sogenannten “Tempoeffekten”, da immer mehr erst Richtung 40 Jahren Kinder bekommen. Geburten werden statistisch noch nach der Nummer in der jeweiligen Ehe erfasst. Das ist in Zeiten von “Patchwork” nicht mehr verlässlich.
Der Höhepunkt bei den “Babyboomern” liegt daran, dass die älteren Alterskohorten ihre Kinder später und die jüngeren Jahrgänge sie damals früher bekamen, d.h. eine spezifische – untypische – Zusammenballung der Geburten verschiedener Jahrgänge in diesen Jahren auftrat. Diese Spitzenwerte sind nicht der Regelfall.
Durchaus schlimmer als skurrile wissenschaftliche Konzepte wie “Intelligenz” ist der Verlust an praktischer Lebensklugheit im Alltag. Das stellte z.B. Verfassungsrichter Udo di Fabio vor ein paar Jahren in seinem Textwerk (“Kultur der Freiheit”) stärker heraus. Wenn jemand nicht kopfrechnen oder Dreisatz gut beherrscht, dann braucht man dazu kein Konzept wie Intelligenz, um das zu erklären. Können braucht Übung, nicht nur Disziplin.
Die Lohnentwicklung hat mit der Globalisierung und Politik von Arbeitgebern und Gewerkschaften zu tun, nicht mit Demographie. Ein Mindestlohn könnte helfen. Kollektive Wohlfahrtsverluste sind auch auf den Euro zurückzuführen. Hierzu sollte Bundesbanker Sarrazin etwas sagen. Das ist seine Aufgabe und Pflicht qua Amt.
Verblödung durch Privatfernsehen und Niveauabbau in den Medien kann nicht exklusiv einzelnen Schichten angelastet werden.
Sarrazin hält sich für oberschlau, posaunt dann aber selbstgefällig wie ein Prolet anti-intellektuell vulgärpopulistisch herum und lehnt sozialwissenschaftliche Erklärungen der Schulmisere ab.
Vielleicht ist Thilo Sarrazin einfach schlichtweg frustriert, weil er in der falschen Partei ist?
Natürlich arbeiten die wissenschaftlichen Erklärungsmuster mit einer Fiktion einer formalen Gleichheit und erklären das meiste “sozial” bzw. materiell, und wenige Sachverhalte kulturell. Und dann ist mit Sozialtechnik alles machbar und behebbar. Schule und Unterricht müssen auch interessanter werden, damit Computer und oberflächlicher Hedonismus keine Flucht bieten. Ausgepowerte Lehrer über 50 sind gar nicht vorbereitet auf heutige Problemlagen. Sie sollten oftmals aus uns allen brave Angestellte machen. Dazu war das System gedacht.
Leider hilft der Verweis auf Härte, Verzicht, Askese und Opfer und andere einst bewährte kleinbürgerliche Aufstiegsstrategien nicht im 21. Jahrhundert, wenn die einen kreativ abheben und die unten nun nur Pflichtprogramm abziehen sollen und null Kür gefragt ist. Soll das Land noch mehr schulmeisterliche Frauen bekommen, die ohne Spirit alles brav auswendig lernen? Soll dies im Schulwesen reproduziert werden?
Dieses neurotische Anpassungsprogramm der Mittelschicht führt wohl kaum zu neuen Höchstleistungen. Darum muss man sich nicht völlig wundern, wenn männliche Migranten austicken. Die brauchen persönliche Autorität, an der sie sich abarbeiten und wachsen können, und nicht die abstrakte, die unpersönliche Autorität von Institutionen. Damit soll jedoch nicht romantischen Ideal und Vorstellungen wie im “Wandervogel” das Wort geredet werden.
Mutter mit 16: Rationale Exit-Strategie in der Unterschicht
Es ist doch ganz simpel und rational, dass die in der Unterschicht mit 16 Kinder kriegen, um aus ihren Chaos-Familien zu fliehen und um sich an ihr Kind zu klammern.
Hauptproblem: Infantilisierung
Sarrazin versucht vermutlich kulturelle Verarmung mit Zucht und Ordnung zu beheben. Erziehung ist aber nicht Bildung. Und Bildung ist vielfach nur noch ein soziales Spiel für das verwahrloste Wohlstandsbürgertum. Das Hauptproblem ist eine ausgeprägte Infantilisierung , die es eben auch in der “Belle Etage” der Gesellschaft gibtm, sowie Orientierungsprobleme im Management und bei Managern. Es sind nicht die “natürlichen” Schwächen in Migrantenmilieus, die ganz gewöhnlicht sind, über die Deutschland stolpert. Das würde die Funktionseliten aus der Verantwortung entlassen.
Feiern ohne den nötigen Ernst einer Festlichkeit: Freies Feiern als Liturgie einiger FDPler
Bei der FDP kann mit dem Programm der Spaßgesellschaft, mit Dekadenz und Relativismus natürlich nichts beheben. Dort ist noch wie bei Wulff die “bunte Republik” angesagt. Diese spätrömische Selbstabwicklung ist tatsächlich eine Art Selbstabwicklung der Republik. Ob die katholische Kirche mit ihren Schwärmerei und weibischen Elementen patriarchale Migranten in den Griff kriegen kann, auch das ist fraglich.
Ist dann die einzige Alternative ein preußische Ordnungsstaat, den dann Hugenottennachfahren als selbsternannte Anführer als neue Obrigkeit beherrschen?
Viele in der Unterschicht zeigen doch viel mehr Eigeninitiative als das verwahrloste 68er Wohlstandsbürgertum mit seinen kaputten Beziehungen und seelischer Degeneration. Kann dort noch der Hunger junger Menschen nach Orientierung gestillt werden oder ist alles quasi so “Faserland”?
Hartz-IV ist nur billige Armutsfürsorge und das meiste Ausland ist neidisch auf Deutschland, weil hier europaweit der Lebensstandard im Durchschnitt am höchsten ist. Wer stellt den Mercedes, BMW, Audi und Porsche her? Wer stellt Gegenstände her, die begehrt werden?
Ein ausschlaggebender Gesichtspunkt und wichtige Frage ist, welche Lebensform begehrenswert ist, nicht welche Kontostände bestehen und welche suboptimalen Regeln und Gesetze schnellstmöglich zu verbessern wären.
Wider deutsche Tristesse: Wo befinden wir uns, nicht wie ist das Befinden
Bloß weil wir in Deutschland leicht unter Überdruss und Tristesse leiden – also unter Befindlichkeitsstörungen – wertet dies Status und Leistungsniveau im Land noch lange nicht ab. Ohne EURO ginge es den anderen Ländern viel schlechter. Andere Länder darf man nicht nur nach der Mustergültigen Nicht-Methode Rosinenpickerei mit Deutschland vergleichen. Das ist nicht repräsentativ.
Romantische Flucht in die Idylle Schweiz als unschuldige Kleinstaat?
Wieso kaufen denn die Schweizer vielfach in Deutschland ein? Das Leben dort ist teuer. In dem Land ticken nicht nur die Uhren völlig anders. Zwergenstaaten vermögen Anregung bieten, aber nicht unser Benchmark sein. Diese traditionelle deutsche Romantik mit der Schweiz ist nicht auszuhalten.
In Skandinavien sind die indirekten Steuern und Lebenshaltungskosten viel höher. Warum lassen sich die Kreativen lieber in Berlin als in Oslo nieder?
Ohne hohe soziale Absicherung gibt es für Facharbeiter keine Anreize, lange bei einem Unternehmen zu bleiben und Humanvermögen für kompexlexe Tätigkeiten anzusammeln. Es kann nicht alles sich an “kreativer Klasse” und Akademikern und Freiberuflern ausrichten!
Moab
Bei mir um die Ecke in Moabit ist so einiges sichtbar. Vor meiner Nase Gericht und Innenministerium: Anzugträger und quasi “Klein-Prenzlauberberg”: eine recht “akademische Wohlstandsoase” – freilich dies wohl mehr prekär – mit relativem Kinderboom. Altes Vermögen oder neuer Aufbau desselben dürfte schwach ausgeprägt sein, dafür Bildungsfuror bzw Druck, die armen Kleinen. Migrantenkids als Konkurrenz will da natürlich keiner. Hier wird das Auto gespart.
Die Lebenstüchtigkeit und Stabilität der Partnerschaft bei diesen Menschen ist aber auch nicht rekordverdächtig. Das weitere Programm: ein Buchladen für das bürgerliche Publikum, wo frontal dann Gauck oder Guttenberg angepriesen werden. Weiterhin ein Copyshop, von ehemaligen Alternativen aus Kreuzberg geführt, dazu hipper Coffeeshop mit Tradition, Fairtradeladen, Laden für Kinderklamotten, Kinderläden, Biogeschäft (gerade expandiert), Weinladen. Dann prägend der oldschool Bioladen “Dolce Vita” und ein Biorestaurant um die Ecke vom Strafgericht. Aus Traditon gibt es viele Kirchen, sogar ein katholische Dominikaner.
Die “bunte Republik”: Ansonsten Moabit mit Prekariat, Migranten, Rentern und Mischwerk, Gentrifizierung nur wenig und schwach, etwas im Süden und von Charlottenburg und von Nähe TU Berlin her. Im Kern aber: Karstadt weg, Hertie pleite, Leerstand – sogar DM ist dort wieder raus; Dealer und Penner im Park “kleiner Tiergarten” – direkt gegenüber vom Bundesinnenministerium, wo dann Porsche und BMW sicher parken, prima Langinger Bar im Hotel, Roland Berger Dependance beim BMI, Angestellte kaufen bei Kaisers abgepakte Salate und frische Säfte zu Höchstpreisen – besser wie Ablaßhandel?
Ansonsten alte Eckkneipen, isolierte Leute – Elend mit und ohne ohne Armut, vielfach Frührenter, aber auch ganz Alte, kreative Schwarzarbeit – auch von Kreativen und Selbstständigen, lauter Leute, die abends Alkohol in Supermärkten kaufen. Im übrigen Konjunktur von “Naildesign”, Sportsbars, Wetten, Reinigungen und Blumengeschäfte, betrieben von Asiaten ohne Krankenversicheungen, ferner Sexgewerbe, Spielhallen, Goldankauf, Banken verticken angepreiste Konsumkredite, das Übliche. Das ist Deutschland. Es ist die Schattenseite des Noblen, oft dasselbe nur in weniger schöner Form.
Unterausgeprägt, aber vorhanden sind Heilpraktiker und ähnliches Wellnesszeug, was in Mitte und den neue Wohlstandsbezirken richtig massiv vertreten ist. Industriearbeitsplätze gibt es keine neuen.
Einerseits übersichtlich, anderersits unübersichtlich; alles gepflegt ungepflegt nebeneinander. Man spricht übereinander, aber wenig miteinander.
Was ist die Crux beim Geodienst Streetview von Google? Alles nur Tourismus und Fremdenverkehr mit Gütesiegel?
Geht es Google beim Projekt Google Streetview einzig darum, als gütiger Helfer selbstlos den Alltag zu verbessern? Was verbessert Google? Datenspuren!
Um welches Bedürfnis geht es?
Sehen und gesehen werden, Aufmerksamkeit, Beachtung; eigentlich aber Wunsch nach Achtung und Würdigung?
Überholtes Verständnis von Kommunikation mit der Öffentlichkeit:
Es ist unkluger “Spin”, dass es Google mit seinen Anzeigen so tut, als ginge es bei Streetview quasi um harmlosen sanften Tourismus mit Fairtrade und Ökosiegel zwecks globaler Bliebtheit.
Empfinden deutscher Bürger nicht analysiert:
Für durchschnittliche Deutsche im Land zählt die ordentliche und gepflegte Fassade bei Wohnung und Grundstück nach außen hin viel: Sie ist die “Visitenkarte”. Das gibt auch Schutz und Maske. Deshalb zählt es mehr nicht selten mehr als Drinnen, d.h.: kreative Klasse verfehlt das die Erkenntnis des Wesentlichen. Die von einem Ideal vermeintlicher Authentizität infizierte “kreative Klasse” verfehlt dies.
PR & Image ist nicht Public Affairs!
Es geht aber nicht um PR & Image, sondern um Public Affairs und Dialog zwischen Google und den Bürgern als Rechtspersonen. Die User sind nicht nur passive Konsumenten, sondern Bürger und Rechtspersonen. Und ihre Politiker sind Amtspersonen mit Hoheitsrechten.
Hilfloser Spin verrät Konzeptlosigkeit: Spielernaturen wie Zockernaturen an Börsen?
Es ist hilflos, ein Weltunternehmen wie Google mit privaten Urlaubsfotografien von Touristen zu vergleichen und Fremdenverkehr. Einst verließ mal Primus Microsoft Hunzinger.
“Widerspruchsrecht” oder nur Widerspruchsmöglichkeit?
Welche Rechtsgrundlage hat das “Widerspruchsrecht” bei Google Streetview? Gibt es ein Gesetz als Basis oder nur Widerspruchsmöglichkeit? Hat ein zuständiges Ministerium die Möglichkeit, auf Basis eines Gesetzes per Verordung weitere Regeln zu erlassen, verfeinern oder die Ausführung zu spezifizieren?
Wäre Widerspruchsmöglichkeit ein Widerspruchsrecht wäre, dürfte es keine Widerspruchsfrist geben!
Für eine bloße Widerspruchsmöglichkeit mit beschränkter Widerspruchsfrist müsste ein Rechtsverhältnis bestehen. Plant Google ohne Gewohnheitsrecht einen Präzisdenzfall zu etablieren? Eine stilles Einverständnis oder eine Übereinkunft ist in einer prinzipiellen Frage mit Grundsatzcharakter ausgeschlossen. Eventuell ist ein Exempel nötig. Die Politik ist unter Druck. Das Kanzleramt müsste die Zuständigkeiten unter den Ressorts entschieden klären.
Was ist bei Umzug?
Wie kann ich denn Google bei Streetview widersprechen, wenn ich umziehe oder Haus, Boden oder Grund erwerbe? Wo ist ein tüchtgier Verbraucherschutz?
Geschichtsvergessenheit: Zeithistorische Amnesie?
Den politisch Informierten oder historisch Gebildeten im Geschäft hat klar zu sein, dass Furor Google Sstreetview wie bei Volkszählung ist.
Automatische Erfassung von Daten bedarf automischer Löschung von Datensätzen
Genauso wie Google automatisierte Erfassung vornimmt, müssen Bürger auch automatisch Datzensätze bei Streetview löschen können!
Google steht außerhalb der Tradition
Der Charme des Außenseiters steht Weltfirma Google nicht mehr. Der Laden wirkt wie ein unseriöser Start-up, der quirlig, aber selbstverliebt und narzistisch agiert und Stolz auf Planlosigkeit ist. Brillieren dort Youngsters ohne Verantwortungsgefühl? Wo ist eine solide Technikfolgenabschätzung? Ein so wichtiger Autor wie Hans Jonas wurde zum Thema Verantwortung wohl nie befragt.
Alternativlos: Google hat erwachsen zu werden!
Bitteschön mehr als unbedarf die Tour von “Heidegger’s Hippies” auf Kalifornien! Wenn Google nur mit allem spielt, dann ist Google unbelehrbar infantil. Google muss erwachsen werden. Dazu gehört für den aus Schwaben stammenden Berliner Philosophen Hegel böse sein dazu.

