Archiv für die Kategorie ‘Katholizismus’
Der katholische CDU Politiker Christian Wulff als Vorgesetzter und Amtsträger
Ein Vorgesetzter – und das war Wulff – darf Untergebene nicht zu Kriminalität anleiten, drängen oder verleiten; sie gefährlichen Grauzonen aussetzen, die teilweise oder vollständig Straftatbestände verwirklichen, sondern sollte sie vor zwielichtigen und halbseidenen Kontakten warnen und beschützen. Eine nähe zur Halbwelt und ihren Methoden und Mitteln korrumpiert. Kein Vorgesetzter im Staatsdienst darf auf Kriminalität oder Straftaten hinwirken. Dies ist unabhängig und zusätzlich von der Staatsanwaltschaft disziplinarrechtlich zu ahnden.
Wirkliche Freunde sollten das ebenso tun, abhalten von Verbotenem und Grenzwertigem. Denn sowas schädigt Ruf, Ansehen und Glaubwürdigkeit. Politisch und moralisch sind Christian Wulff Verfehlungen von erheblichen Ausmaß zuzurechen. Was ihm juristisch zuzurechen ist, werden Justiz und die Rechtswissenschaften klären, aber sie haben kein Deutungsmonopol.
Hochdestruktives Handeln macht krank und ist krank.
“Kirche im Dorf lassen”
Pietät und Frommheit gehören zur Religion, gehören in die Kirche, nicht in politische Angelegenheiten, die den Staat betrefen. Laßt mal das religiöse Benehmen in der Kirche!
Wenn der Respekt vor dem Recht bei Wulff nicht da ist, wenn ungeschriebene Gesetze bereitweilig immer wieder tangiert werden, wieso sollte man als Bürger dann Zurückhaltung üben? Ein Bundespräsident extra schriftlich gleichsam einräumen, “Gerechtigkeit gegen jedermann zu üben” sei ihm wichtig, ist eine abstruse Situation eingetreten.
Leider ein Trauerspiel: Katholische Würdenträger im Christentum
Ich sage es nicht gern: Manchmal muss man nur in die Gesichter mancher katholischer Würdenträger um zu sehen, dass das alles Jungfrauen sind. Sie können 80 sein, sind aber immer noch halbe Kinder. Außer gegenüber der Mama wissen sie nicht, was es bedeutet, eine Frau glücklich zu machen. Es ist übrigens auch ein Männerbild, dass ohne Vaterschaft auskommt. Auch in diesem Sinne stellt “verweiblichtes Verhalten” in der katholischen Hierarchie ein Problem für die gesamte Christenheit dar.
Die Fixierung auf das Kondom hat Papst Benedikt auf einen wahrlich einsamen Höhepunkt gehypt. Nun bedeutet ihm eine Fixierung gerade die unerwünsche “Banalisierung der Sexualität”. Genau die wurde jedoch erreicht. Außerdem wurde in einigen Artikeln von Journalisten das Kondom banalisiert. Das trifft auf die Texte von Klaus Badde und Daniel Deckers zu.
Es ist ja die katholische Kirche, die mit ihrer Lehre einen zutiefst piefigen, schwerst und hochgradig dörfischen Kult um die Sexualität veranstaltet, in der Verdammung als Sünde sich mit Lässlichem und Gnade abwechselt. Der Zölibat stellt ein Sexualopfer dar. Kastraten gibt es heute zwar nicht mehr, aber es grenzt an Selbstverstümmelung. Es opfert auch die Liebe. Insofern sind es unerfüllte, notorische Romantiker.
Letztlich stellt sich die Frage, ob die katholische Kirche in der Lage ist, ein Verständnis von Sexualität zu überwinden, in dem der Eros philhellenistisch der “spielende Knabe” bleibt. Ob Papst Benedikt überhaupt versteht, was Liebe ist, wenn er schreibt (2006:40): “Gefühle kommen und gehen”? Dies ist das überholte platonistische Verständnis, welches Gefühle als Seeleninhalte versteht.
Es bleibt ein Trauerspiel, wie sich die katholische Kirche mit ihrer Theologie und Sexualmoral selbst zusetzt. Im Kern ist das kein Problem der Moral, sondern ein Problem der Theologie. Dabei ist der Zölibat nichtmal ein Dogma. Zölibat ist eine symbolische Selbstkastration. Das steht sogar in Tradition heidnischer Priesterkulte der “Großen Mutter”. Die hatten sogar männliche Prostituierte, zugleich Priester. Wird so rund, warum der Papst männliche Prostituierte auffällig erwähnt?
Für die deutsche Christdemokratie stellt sich die Frage: Was bleibt ohne Kirche von den europäischen Volksparteien?
Literatur: Bendikt XIV.: Gott ist die Liebe. Die Enzyklika “Deus caritas est”, Herder 2006
Eine nationale Schande: Ist der katholische Priesterstand im Wesen auch ein Reservat für Misogynie und Homoerotik mit Schutzprivileg?
Viele führende CDU Politiker – so auch Christian Wulff in den Wochen vor seiner Wahl zum Bundespräsidenten- sprechen sich gegen den Pflichtzölibat aus. Reicht es, diese Frage als rein private Angelegenheit der persönlichen Moral zu sehen?
Ist für unsere öffentliche Ordnung legitim, dass der katholische Klerus seinen beamteten Priestern den sozialen, privaten und intimen Verkehr mit einer ebenbürtigen Frau auf Augenhöhe untersagt? Ist hier nicht ein Reservat der Misogynie?
Gleichzeitig duldet der Klerus massiv bewusst Homosexualität und vielfach eine homoerotische Atmosphäre in seinen Reihen, um einerseits Teile des eigenen Personals erpressbar zu halten, aber auch um attraktiv für dann völlig ergebene junge Männer zu sein, die geradezu hörig sind.
Die fehlende psychische Reife schafft den Boden für sexuelle Nötigung, sexuelle Gewalt, Vergewaltigung, Mißbrauch Abhängiger – ob männlich oder weiblich -; und für Pädophilie, für kranke perverse Kinderschänder, die perfide alle ihre Energie aufbieten, um den geweihten Raum der Kirche für ihr tyrannisches Begehren auszunutzen. Harte Fakten und qualitative Unterscheidungen können nicht durch scholastisch kunstvoll empirisch ausgebreitete Zahlen widerlegt werden, es handele sich eigentlich überwiegend nur um die historisch seit Platon bekannte Ephebophilie und betreffe keine Kinder, sondern Pubertierende.
Papstbesuch: Eigene Bibellektüre bleibt unverzichtbar
Es reicht nicht, die Papst und die römisch-katholische Kirche zu bewundern und zu bestaunen. Lieber NT in der Übersetzung von Fridolin Stier besorgen, auch das “Münchener neues Testament” (MNT). Auch die Übersetzung der vier Evangelien von Drewermann hat ihre Stärken (alle drei bei Patmos erschienen).
Eigene Bibellektüre und Texterschließung ist und bleibt unerzichtbar.
Ergänzung:
Auf Facebook kam sofort die nahliegende Frage, wieso diese Übersetzungen. Nun, erstmal aus dem einfachen Grund, weil das halbwegs praktikabel, machbar und zumutbar ist.
Um ein Gefühl für die Bedeutungsvielfalt zu gewinnen, gibt aus meiner Sicht keinen anderen Weg, als so zu verfahren. Am besten wäre vielleicht, es in Griechisch zu lesen. Das kann ich nicht. Doch die Frage der Übersetzung und Übertrag bleibt ohnehin. Für einen religiösen Menschen geht es nicht nur um private, exklusive kontemplative Versenkung in den Text, sondern um Verkündigung.
Wir tun gut daran, von der Fremdheit der biblischen Welt für uns auszugehen. In Sachen “Hermeneutik der Fremdheit” würde ich dem Neutestamtler Klaus Berger vollkommen zustimmen (Hermeneutik des Neuen Testaments, 188:125). Philosophisch ist das m.E. durch Bernhard Waldenfels und Levinas quasi bestätigt, die auf Fremdheit als Phänomen insistieren. Zudem ist zu bedenken, dass die Bibel gleichsam immerhin in einer “östlichen”, orientalischen Tradition steht.
Anders als der Papst, der vom “Skandal des Kreuzes” spricht, würde ich es mit dem Ausreizen der Anstößigkeit nicht übertreiben, denn die “Anstößigkeit” liegt im Text, nicht in einer Art fertigen Morallehre oder Opposition der Lehre der Bibel zur Welt bzw. ihrer Weisung(en).
Theologen neigen dazu, konform zur Theologie zu übersetzen. Das geht natürlich nicht. Es kann auch nicht darum gehen, einen möglichst frommen Text zu produzieren. Desweitern kann es nicht darum gehen, einer “zuträglichen” Übersetzung zu verfallen. Es geht schon darum, zu versuchen, worin die eigene Idee des Guten der Zeilen besteht. Wer eine sogenannte konkordante Übersetzung, d.h. jedes Wort wird immer gleich übersetzt, probiett, sollte vielleicht bedenken, dass man nicht von dem Hintergrund eines logischen, kohärenten platonischen Systems – noch philosophiegeschichtlich überhaupt von einem “System” – ausgehen kann.
Ich würde unbedingt noch ein Symbollexikon, psychoanalytische Kenntnisse – eher Jung als Freund – und Kenntnisse aus dem philosophischen Ansatz Heinrich Rombachs empfehlen. Die Sinnschichten müssen zurückverfolgt werden. Schon Konzepte wie System oder Lehre sind auf ihre Art sowas wie “biased” bzw. bedürfen dekonstruktiver Einordnung.
Weder die Lutherübersetzung noch die ökumenische Einheitsübersetzung erzeugen die Reibung, die nötig ist, um zu sensibilisieren für die Textgehalte. Die Einheitsübersetzung hat geradezu Spuren katholischer mittelalterlicher Philosophie. Ich kann nur im Rahmen dessen empfehlen und raten, was ich kenne (und wie weit mein Horizont, so das Seelenvermögen, eben reicht).
Die Übersetzung und Einführung von Drewermann ist schon gut und hilfreich, umfasst aber nur die vier Evangelien und nicht den Rest vom NT. Da hilft der Text von Stier, der das ganze NT umfasst, weiter. Ich würde auch die Übersetzung des AT von Martin Buber und Franz Rosenzweig empfehlen.
Die Übersetzungen und Textfassungen, die ich ansonsten in Teilen überhaupt kenne sind vom NT die Elbfelder und die “Neue Genfer Übersetzung” sowie die von Klaus Berger und Gattin. Ich habe noch den Text der Lutherübersetzung des NT von 1545 (2008 bei Fischer neu erschienen); von der ganzen Bibel noch die die Zürcher Bibel und die “Neue Hoffnung”. Mit letzteren habe ich ebensowenig wie mit der englischen “New King James” Fassung viel gearbeitet.
Auf bibelserver.com kann man einfach verschiedene Übersetzungen in verschiedenen Sprachen auswählen.
Vom katholischen Debakel zum christlichen Drama
Die katholischen Priester trauen sich Ehefrau und Kinder, eine offizielle Familie nicht zu, sollen aber in dem Gebiet Seelsorge leisten. Der Weg in den Klerus ist auch Flucht vor den Belastungen des bürgerlichen und allgemeinen Lebens. Glaube ist mehr als Verzicht und eine Dezision gegen etwas oder von etwas oder eine Ablehnung.
Protestantismus, evangelischer Glaube muss mehr sein als Opposition und Distanz zum Katholizismus oder zum Islam. Wenn die evanglische Kirche besser dastünde wäre der Druck auf die katholische Kirche viel größer. Wenn Ehen bei evanglischen Pfarrern scheitern (etwa Margot Käßmann) haben sie es immerhin probiert, ebenso Kinder erziehen. Gläubige werden wie Kinder behandelt, aber offizielle leibliche Kinder dürfen Priester nicht haben.
Über die Sexualmoral und Niedergang der Ehe und alles mögliche kann die katholische Kirche viel lamentieren. Sie ist sprachohnmächtig beim Thema mangels eigener Erfahrung. Das schadet der Gesellschaft und produziert den Zeitgeist, über den sich Papst und Gefolge so wortmächtig ereifern. Eheberatung und Lebenshilfe gibt es vielleicht in christlichen Verlagsprogrammen (Herder / Kösel), aber die Kirche steht beim Thema Familie und Liebe nackt da. Weiter mächter sind säkulare Angebote und insbeonsdere naturwissenschaftliche Deutungen von Liebe und Sexualtät.
Und weil die katholische Kirche den Priestern Männlichkeit verweigert, verkommt sogar noch die evangelische Kirche durch eine Femininisierung. Das sind alle keine schönen Dynamiken. Und Sexualität muss erstmal theologisch und religiös angegangen werden, nicht moralisch. Und diese 68er Medienkatholiken Matthias Matussek sollen die Klappe halten. Der schreibt Bücher über Mangel an Vätern und reflektiert Einfluss des Katholizismus nicht.
Problem an Zölibat und Sexualmoral der katholischen Kirche ist ihr Fehlurteil und Irrtum, ihre unvollständige Erkenntnis der Sexualität.
Müssen ausländische Priester der katholischen Kirche überhaupt wenigstens Bibelgriechisch lernen oder reicht da Latein und die Vulgata? Weiß das jemand?
Kommentar zum Artikel von Armin Laschet in der “Welt”
Es gefällt mir nicht so gut, was Laschet schreibt. Religion ist ein eigenes Thema. Vergleiche zu Putin versuchen moralische Ebenen zu errichten. Das ist nur bedingt geschickt. Die Union fordert großer Selbstverständlickeit Respekt ein. Mit schroffer Opposition und Entzug von Achtung kommt sie nicht klar. Sie möchte darauf verweisen, die Dinge verstünden sich doch von selbst und empört sich nun, da es anders kommt. Die Union langweilt immer dann, wenn sie immer nur leicht beleidigt darauf verweist, was SPD und GRÜNE so treiben.
Auf das Gespräch von Habermas und Ratzinger ist nichts gefolgt. “Spannend” ist eine Kategorie der Unterhaltung und der Aufmerksamkeitsökonomie.
Die kapitalismuskritischen Thesen hat gerade die deutsche Bischofskonferenz nach 1998, als das gemeinsame Sozialwort der großen Kirchen den Machtwechsel stützte, wieder kontinuierlich geräumt zwecks Anpassung an den Zeitgeist und die jeweilige Gegenwart. So kann man das Geschehen der Aktualisierung auch ausdeuten.
Laschet ordnet nun den Papstbesuch in die Vergangenheit historisch zu. Möchte er andeuten, der (politische) Katholizismus habe auch die Kraft, nach dem Kommunismus die aktuelle Krise des Kapitalismus zu überwinden?
Wer Kritiker kleinkarriert nennt, muss sich Fragen, ob die eigene Politik oder der Papst denn großgesinnt genannt werden können.
Religion ist individuell. Welche Abgeordnete waren 2001 dabei als Putin redete? Ist denn nach Ende der Krieg zwischen Deutschland und Rußland und dem Einzug Osteuropas Haus Europa in Form der EU dies weniger historisch? Der Papst repräsentiert einen Teil der katholischen Welt in Europa und der ganzen Welt. Er spricht durchaus für das katholische Europa.
Laschet verweist darauf, dem Papst würde unstritt im allgemeinen eine “moralische Autorität” zukommen. Aber diese Autorität durch die katholischen Lehre dogmatisiert. Das Papstamt ist religiöse Autorität, nicht moralische Autorität. Alles nimmt seinen Ausgang in der Theologie. Für Strenge und Genauigkeit, auch Milde oder Barmherzigkeit lässt sich von jedem moralischen Standpunkt aus plädieren. Und beim Streit um die katholische Sexualmoral sind der Ausgangspunkt verschiedene Auffassungen zum Wesen der Sexualität und auch der Frau.
Was Gott bedingt
Das Konzept der Bedingung scheint es mir erst seit dem Aufstieg der Mechanik in der frühen Neuzeit zu geben. Deshalb finde ich es auch falsch, wenn Papst Benedikt diesen Begriff in seinem letzten Jesus-Buch gebraucht. Es ist einfach “ohne (Vor)Bedingung”. Es ist eine Annahme des Menschen.
Also was die formalen Denkstrukturen des Schlussfolgern betrifft, gilt. Es geht immer um die “Bedinungen der Möglichkeit”. “conditio” ist auch etwas aus dem römischen Recht. Die Botschaft Jesu hat jedoch ihre eigene Modalität, eine eigene Welt von Möglichkeit, die jeneits gewöhnlicher Kategorien der Modalität wie Möglichkeit, Notwendigkeit etc. sind. So zumindest meine Intution. Das wäre religionsphänomenologisch auszuarbeiten. Gottes Zuwendung durch Jesus hat ihre eigenen Gesetzlichkeiten.
Familie und Zölibat als Inseln christlicher Tugend
”Je schwieriger es wird, diesen Widerspruch zum Evangelium zu verdecken, desto empathischer scheinen die kirchlichen Appelle an Familie und Zölibat als Inseln der christlichen Tugend zu werden …” (Johann Baptist Metz 1978)
Vom (katholischen) Sein
Eugen Drewermann meint: “Je weniger wir machen, und je mehr wir einfach nur sind, beruhigt sich die Welt, und die meisten Probleme, die wir miteinander haben, verschwinden, wie von selbst.”
- Und verschwinden wir dann nicht auch?

