Archiv für die Kategorie ‘Christentum’
Leider ein Trauerspiel: Katholische Würdenträger im Christentum
Ich sage es nicht gern: Manchmal muss man nur in die Gesichter mancher katholischer Würdenträger um zu sehen, dass das alles Jungfrauen sind. Sie können 80 sein, sind aber immer noch halbe Kinder. Außer gegenüber der Mama wissen sie nicht, was es bedeutet, eine Frau glücklich zu machen. Es ist übrigens auch ein Männerbild, dass ohne Vaterschaft auskommt. Auch in diesem Sinne stellt “verweiblichtes Verhalten” in der katholischen Hierarchie ein Problem für die gesamte Christenheit dar.
Die Fixierung auf das Kondom hat Papst Benedikt auf einen wahrlich einsamen Höhepunkt gehypt. Nun bedeutet ihm eine Fixierung gerade die unerwünsche “Banalisierung der Sexualität”. Genau die wurde jedoch erreicht. Außerdem wurde in einigen Artikeln von Journalisten das Kondom banalisiert. Das trifft auf die Texte von Klaus Badde und Daniel Deckers zu.
Es ist ja die katholische Kirche, die mit ihrer Lehre einen zutiefst piefigen, schwerst und hochgradig dörfischen Kult um die Sexualität veranstaltet, in der Verdammung als Sünde sich mit Lässlichem und Gnade abwechselt. Der Zölibat stellt ein Sexualopfer dar. Kastraten gibt es heute zwar nicht mehr, aber es grenzt an Selbstverstümmelung. Es opfert auch die Liebe. Insofern sind es unerfüllte, notorische Romantiker.
Letztlich stellt sich die Frage, ob die katholische Kirche in der Lage ist, ein Verständnis von Sexualität zu überwinden, in dem der Eros philhellenistisch der “spielende Knabe” bleibt. Ob Papst Benedikt überhaupt versteht, was Liebe ist, wenn er schreibt (2006:40): “Gefühle kommen und gehen”? Dies ist das überholte platonistische Verständnis, welches Gefühle als Seeleninhalte versteht.
Es bleibt ein Trauerspiel, wie sich die katholische Kirche mit ihrer Theologie und Sexualmoral selbst zusetzt. Im Kern ist das kein Problem der Moral, sondern ein Problem der Theologie. Dabei ist der Zölibat nichtmal ein Dogma. Zölibat ist eine symbolische Selbstkastration. Das steht sogar in Tradition heidnischer Priesterkulte der “Großen Mutter”. Die hatten sogar männliche Prostituierte, zugleich Priester. Wird so rund, warum der Papst männliche Prostituierte auffällig erwähnt?
Für die deutsche Christdemokratie stellt sich die Frage: Was bleibt ohne Kirche von den europäischen Volksparteien?
Literatur: Bendikt XIV.: Gott ist die Liebe. Die Enzyklika “Deus caritas est”, Herder 2006
Papstbesuch: Eigene Bibellektüre bleibt unverzichtbar
Es reicht nicht, die Papst und die römisch-katholische Kirche zu bewundern und zu bestaunen. Lieber NT in der Übersetzung von Fridolin Stier besorgen, auch das “Münchener neues Testament” (MNT). Auch die Übersetzung der vier Evangelien von Drewermann hat ihre Stärken (alle drei bei Patmos erschienen).
Eigene Bibellektüre und Texterschließung ist und bleibt unerzichtbar.
Ergänzung:
Auf Facebook kam sofort die nahliegende Frage, wieso diese Übersetzungen. Nun, erstmal aus dem einfachen Grund, weil das halbwegs praktikabel, machbar und zumutbar ist.
Um ein Gefühl für die Bedeutungsvielfalt zu gewinnen, gibt aus meiner Sicht keinen anderen Weg, als so zu verfahren. Am besten wäre vielleicht, es in Griechisch zu lesen. Das kann ich nicht. Doch die Frage der Übersetzung und Übertrag bleibt ohnehin. Für einen religiösen Menschen geht es nicht nur um private, exklusive kontemplative Versenkung in den Text, sondern um Verkündigung.
Wir tun gut daran, von der Fremdheit der biblischen Welt für uns auszugehen. In Sachen “Hermeneutik der Fremdheit” würde ich dem Neutestamtler Klaus Berger vollkommen zustimmen (Hermeneutik des Neuen Testaments, 188:125). Philosophisch ist das m.E. durch Bernhard Waldenfels und Levinas quasi bestätigt, die auf Fremdheit als Phänomen insistieren. Zudem ist zu bedenken, dass die Bibel gleichsam immerhin in einer “östlichen”, orientalischen Tradition steht.
Anders als der Papst, der vom “Skandal des Kreuzes” spricht, würde ich es mit dem Ausreizen der Anstößigkeit nicht übertreiben, denn die “Anstößigkeit” liegt im Text, nicht in einer Art fertigen Morallehre oder Opposition der Lehre der Bibel zur Welt bzw. ihrer Weisung(en).
Theologen neigen dazu, konform zur Theologie zu übersetzen. Das geht natürlich nicht. Es kann auch nicht darum gehen, einen möglichst frommen Text zu produzieren. Desweitern kann es nicht darum gehen, einer “zuträglichen” Übersetzung zu verfallen. Es geht schon darum, zu versuchen, worin die eigene Idee des Guten der Zeilen besteht. Wer eine sogenannte konkordante Übersetzung, d.h. jedes Wort wird immer gleich übersetzt, probiett, sollte vielleicht bedenken, dass man nicht von dem Hintergrund eines logischen, kohärenten platonischen Systems – noch philosophiegeschichtlich überhaupt von einem “System” – ausgehen kann.
Ich würde unbedingt noch ein Symbollexikon, psychoanalytische Kenntnisse – eher Jung als Freund – und Kenntnisse aus dem philosophischen Ansatz Heinrich Rombachs empfehlen. Die Sinnschichten müssen zurückverfolgt werden. Schon Konzepte wie System oder Lehre sind auf ihre Art sowas wie “biased” bzw. bedürfen dekonstruktiver Einordnung.
Weder die Lutherübersetzung noch die ökumenische Einheitsübersetzung erzeugen die Reibung, die nötig ist, um zu sensibilisieren für die Textgehalte. Die Einheitsübersetzung hat geradezu Spuren katholischer mittelalterlicher Philosophie. Ich kann nur im Rahmen dessen empfehlen und raten, was ich kenne (und wie weit mein Horizont, so das Seelenvermögen, eben reicht).
Die Übersetzung und Einführung von Drewermann ist schon gut und hilfreich, umfasst aber nur die vier Evangelien und nicht den Rest vom NT. Da hilft der Text von Stier, der das ganze NT umfasst, weiter. Ich würde auch die Übersetzung des AT von Martin Buber und Franz Rosenzweig empfehlen.
Die Übersetzungen und Textfassungen, die ich ansonsten in Teilen überhaupt kenne sind vom NT die Elbfelder und die “Neue Genfer Übersetzung” sowie die von Klaus Berger und Gattin. Ich habe noch den Text der Lutherübersetzung des NT von 1545 (2008 bei Fischer neu erschienen); von der ganzen Bibel noch die die Zürcher Bibel und die “Neue Hoffnung”. Mit letzteren habe ich ebensowenig wie mit der englischen “New King James” Fassung viel gearbeitet.
Auf bibelserver.com kann man einfach verschiedene Übersetzungen in verschiedenen Sprachen auswählen.
Vom katholischen Debakel zum christlichen Drama
Die katholischen Priester trauen sich Ehefrau und Kinder, eine offizielle Familie nicht zu, sollen aber in dem Gebiet Seelsorge leisten. Der Weg in den Klerus ist auch Flucht vor den Belastungen des bürgerlichen und allgemeinen Lebens. Glaube ist mehr als Verzicht und eine Dezision gegen etwas oder von etwas oder eine Ablehnung.
Protestantismus, evangelischer Glaube muss mehr sein als Opposition und Distanz zum Katholizismus oder zum Islam. Wenn die evanglische Kirche besser dastünde wäre der Druck auf die katholische Kirche viel größer. Wenn Ehen bei evanglischen Pfarrern scheitern (etwa Margot Käßmann) haben sie es immerhin probiert, ebenso Kinder erziehen. Gläubige werden wie Kinder behandelt, aber offizielle leibliche Kinder dürfen Priester nicht haben.
Über die Sexualmoral und Niedergang der Ehe und alles mögliche kann die katholische Kirche viel lamentieren. Sie ist sprachohnmächtig beim Thema mangels eigener Erfahrung. Das schadet der Gesellschaft und produziert den Zeitgeist, über den sich Papst und Gefolge so wortmächtig ereifern. Eheberatung und Lebenshilfe gibt es vielleicht in christlichen Verlagsprogrammen (Herder / Kösel), aber die Kirche steht beim Thema Familie und Liebe nackt da. Weiter mächter sind säkulare Angebote und insbeonsdere naturwissenschaftliche Deutungen von Liebe und Sexualtät.
Und weil die katholische Kirche den Priestern Männlichkeit verweigert, verkommt sogar noch die evangelische Kirche durch eine Femininisierung. Das sind alle keine schönen Dynamiken. Und Sexualität muss erstmal theologisch und religiös angegangen werden, nicht moralisch. Und diese 68er Medienkatholiken Matthias Matussek sollen die Klappe halten. Der schreibt Bücher über Mangel an Vätern und reflektiert Einfluss des Katholizismus nicht.
Problem an Zölibat und Sexualmoral der katholischen Kirche ist ihr Fehlurteil und Irrtum, ihre unvollständige Erkenntnis der Sexualität.
Müssen ausländische Priester der katholischen Kirche überhaupt wenigstens Bibelgriechisch lernen oder reicht da Latein und die Vulgata? Weiß das jemand?
Wort zum Sonntag: Aussagen von Papst Benedikt
Ich verstehe gar nicht, wieso der Papst meint, Gott müsse erst wieder in unser Blickfeld treten. Gottes Botschaft, Jesu Zeugnisse sind da. Ob Gott da ist und sich un zuwendet entscheidet sich doch nicht daran, inwiefern sich die Menschen als Masse(n) ihm zuwenden. Es ist falsch zu sagen und lasterhaft, die einen könnten mit Hilfe von Papst und katholischer Kirche Gott (er)kennen, die anderen nicht.
Der Papst stellt Aufgabe und Aufgabe unbestimmt an Allgemeinheit, modern an die Gesellschaft. Aber es ist doch Auftrag seiner Kirche zuerst. Vielleicht verdeckt die (Amts)Kirche mit ihrem Aktivismus und Schatten für sehr viele Menschen doch das Licht Gottes auf der Welt.
“… wahrhaft Ökomuene ereignet”, was meint Papst Benedikt mit Formulierung? Das ist impersonal. Er selbst ist doch als Oberhaupt der katholische Kirche für Stellenwert und Umfang der Ökomene mit verantwortlich.
Kommentar: Zur Sommerpressekonferenz (2010) von Bundeskanzlerin Angela Merkel
Audienz zum Kaffeeklatsch bei Angela?
Diese informelle Atmosphäre, dieser Hauch vom Duft der Kumpanei, die plötzlich durch diese Intimität aufkam, sie stört. Auf “Spiegel Online” hieß es zu Recht, Merkel wirke entrückt.
Merkel versucht immer eine Aura von holistischem Sinnzauber, einer Sinngebung dessen, was “immer schon” ist und war, um alles zu hüllen, um alles Unvertraute wieder vertraut erscheinen und wirken zu lassen. Niklas Luhmann machte am an diesem Verhältnis von Unvertrauten, das im Vertrauten erscheint, eine maßgebliche Eigenschaft der Religion fest, die es seit Urzeiten geben würde.
Angela Merkel spricht sehr viel über sich selbst: “Wir”. Das meint die Regierung und die Kanzlerin. Damit sagt Merkel, dass ihr Selbstverständnis mehr zähle als das Verständnis der Bevölkerung und ihrer Bürger.
Was Gott bedingt
Das Konzept der Bedingung scheint es mir erst seit dem Aufstieg der Mechanik in der frühen Neuzeit zu geben. Deshalb finde ich es auch falsch, wenn Papst Benedikt diesen Begriff in seinem letzten Jesus-Buch gebraucht. Es ist einfach “ohne (Vor)Bedingung”. Es ist eine Annahme des Menschen.
Also was die formalen Denkstrukturen des Schlussfolgern betrifft, gilt. Es geht immer um die “Bedinungen der Möglichkeit”. “conditio” ist auch etwas aus dem römischen Recht. Die Botschaft Jesu hat jedoch ihre eigene Modalität, eine eigene Welt von Möglichkeit, die jeneits gewöhnlicher Kategorien der Modalität wie Möglichkeit, Notwendigkeit etc. sind. So zumindest meine Intution. Das wäre religionsphänomenologisch auszuarbeiten. Gottes Zuwendung durch Jesus hat ihre eigenen Gesetzlichkeiten.
Vom (katholischen) Sein
Eugen Drewermann meint: “Je weniger wir machen, und je mehr wir einfach nur sind, beruhigt sich die Welt, und die meisten Probleme, die wir miteinander haben, verschwinden, wie von selbst.”
- Und verschwinden wir dann nicht auch?
Der Papst und Obama
Der Papst und Obama sollen nicht immer so tun, als wären sie selbst die Könige, deren Königtum Jesus angekündigt hat. Das schadet nur. Jesus hat keinen König, sondern ein Königtum angekündigt! Das dürfen sich auch Politiker von Gnade des “Vertrauens” der Wähler merken.
Guttenberg, der MdB, der Minister, das Amt und die Figur des “Wissenschaftlers” – Quo vadis, Kanzlerin?
Guttenberg hat die Arbeit auch als Politiker und nicht nur als “Wissenschaftler” geschrieben. Ein externer Doktorand ist kein Vollwissenschaftler. Schließlich hat der Wissenschaftliches Dienst (WD) im Bundestag nicht unerhebliche zum Werk beigetragen. Daher hilft hier die vorgenommene epistemische Trennung durch Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel nicht nur begrenzt weiter. Hätte Guttenberg als “Wissenschaftler” überhaupt die Arbeit zu Ende bringen können?
Guttenberg hat Steine auf die Wissenschaft und das Universitätswesen geworfen. Das ist viel schlimmer als die sowieso allen Generationengenossen bekannten Eskapaden von Fischer. Was im kleinen der Polizist ist, ist im Großen Staatsrecht & Verfassungsrecht. Hier kann man von einem Politiker (Jurist!) erwarten, akkurat zu Arbeiten. Das gehört zum Berufsbild. Und erst reicht bei einem CSU Politiker aus dem katholischen Adel, der darin u.a. über den Gottesbezug schreibt.
Das sollte Angela Merkel zu denken geben. Schließlich hat in Deutschland das Christliche alles in allem einen anderen Stellenwert als in der alten DDR, in welcher Merkel aufwuchs. Gerade erst noch fragte Angela Merkel zum Christentum: “Wann verkündigen wir das denn”!
http://edomblog.wordpress.com/category/bundeswehr/guttenberg/
Gegenstandpunkt zu Henryk M. Broder und seiner Maxime: “Vor dem Islam Angst zu haben ist eine Tugend”
Mit dieser einschlägig daherkommenden Überschrift beginnt Henryk M. Broder in der WELT seine Rezension des Buches “Die Panikmacher. Die deutsche Angst vor dem Islam” von Patrick Bahners (FAZ Feuilleton). Da gilt es erstmal festzuhalten: Angst ist noch was anderes als Furcht. Furcht ist konkret, Angst ist ein um sich greifendes Gefühl. Fromm nur Gott zu fürchten, das wäre vielleicht eine Tugend. Die Einsichten von Broder waren auch schonmal orgineller. Was ist Angst? Erhellend ist, was der Philosoph Heinrich Rombach formuliert: “Die Kraft der Zusammenziehung ist letztlich die Angst. Angst schafft Realität. Angst ist Totalisierungskraft, durch die eine Einzelgegebenheit als die Gegebenheit erscheint.” (1993:173) Bei der aufgeheizten Kontroverse um Islam und isalmischen Extremismus wird dies gut deutlich.
Eine gewisse “Beklommenheit” gegenüber einer befremdlich wirkenden Religion ist relativ normal. Dies gibt aber niemandem eine ermächtigende Berechtigung, wegen eines Gefühls wie Angst oder einem schlechten Bauchgefühl drakonische Dinge zu fordern. Anders als die Furcht ist Angst tendenziell grenzenlos.
Gefühlspolitik betreiben auch Islamisten und muslimische Traditionalisten: Sie fordern aus Angst und Furcht vor dem Westen und seinen (lockeren) Sitten das gleiche wie Broder. Wenn sich alle Seiten auf ihre jeweiligen religiöse Gefühle berufen, kommen wir nicht weiter. Gefühle sollten individuell sein. Wenn wir die Angst tugendhaft kultivieren, kultivieren die anderen vielleicht ebenso die Angst vor Amerika und Israel. Oder den paulinischen Christentum, welches die religiösen Gesetze und Vorschriften aufhebt und in Zügellosigkeit mündet. Auch der fromem Katholik dürfte dann Angst vor der “Diktatur des Relativismus” kultivieren. Dieses Menschenbild mit der dominierenden Angst, ist es nicht Teil dessen, weil Mathias Döpfner in seinem Beitrag “Die Freiheits-Falle” (WELT 23.11.2010) als Teil dessen kennzeichnete, was “vormoderne Gesellschaften” kultivieren?
Wohin soll so eine derartige Abscheu vor der Welt führen? Erstmal braucht es auch die Liebe als Tugend, auch die Liebe zum Eigenen. Sonst wird das Fremde und die Angst übermächtig, jedenfalls weitaus weniger aufgeregt als die Mehrheit in Deutschland. Gerade Broder zeigte doch jüngst in der TV-Sendung “Entweder Broder” auf auf, wie im Bayerischen, dort, wo klare Tradition gegeben sind, die Menschen lebensnäher und klüger mit dem Islam umgehen.
Für Christen sind mit Paulus Glaube, Liebe und Hoffnung die Tugenden. Auch Mut und Tapferkeit sind Tugenden. Angst gehört sich nicht als Tugend. Der Christ darf Angst haben. Die Angst ist nur etwas vorläufiges. Der Angst darf man jedoch nicht gehorchen.
Der Verweis auf Angst darf nicht zur Ausflucht werden und Zuflucht in Passivität geraten, auf lebenskluge Politik und Gestaltung des Gemeinwesens zu verzichten.
Zum Themenkomplex auch: http://edomblog.wordpress.com/category/sarrazin/

