Archiv für die Kategorie ‘Religion’
Die Schiiten im Iran und die israelischen Juden verbinden gemeinsame Eigenschaften
Ich fasse zusammen: Israel hat Angst, der Iran hat Angst; israelische Juden haben Angst, Schiiten haben Angst. Israel und der Iran stehen in Distanz zum Westen, stehen in Distanz zu USA und Israel, jedenfalls die jeweils in Iran und Israel amtierenden rechten und rechtsreligiösen Regierungen. Beide halten den Westen für dekadent und im Niedergang begriffen. Israel will eine moderne und souveräne Nation sein, der Iran will eine moderne und souveräne Nation sein.
Ein Rundgang: Deutsche, jüdische Deutsche, muslimische Deutsche und jüdische Diaspora in den USA sowie die Muslimstudie und “BILD”
Manche Araber und Muslime haben wenig Ahnung von Geschichte: Jüdische Bürger wurden die meiste Zeit in der Geschichte der USA diskriminiert. Zudem durften viele trotz Verfolgung in Europa durch die Nazis nicht einfach einreisen! Ihre Lage bzw. Gleichberechtigung war lange Zeit schlechter als im Deutschen Kaiserreich. Noch bis in die 1980er wurden sie bei “Country Clubs” aussortiert, wenn rauskam, es sei ein jüdischer Name. Da wurde akribisch geprüft. Die Frage, ob ein Holocaust in den USA möglich gewesen wäe, stellt sich z.B. Philip Roth in “The Plot Against America”.
Was mir an der Darstellung bzw. der Proportionen der Darstellung der jüngeren Geschichte der jüdischen Deutschen nicht gefällt, ist, dass wenig deutlich ist, wie sehr die Juden im Kaisereich und Weimar aktiv gegen Diskriminierung und um ihre Etablierung gekämpft haben. Ich weiß nicht, warum das nicht zu sehr bekannt ist. Sie haben juristisch viel getan. Auf der anderen Seite gibt es viel Erschrecken – auch bei Juden selbst – darüber, wie gottergeben Juden sich bei Nazis und Deportationen dem Schicksal gefügt hätten. Das ist jedenfalls nicht die komplette Geschichte im 20. Jahrhundert. Heute haben zwar z.B. Türken Angst in Deutschland, wenn es Morde gibt (z.B. damals Solingen), aber wie sehr die jüdische Zivilgesellschaft in Deutschland auch aktiv und erfolgreich gegen Diskriminierung kämpfte, das ist wenig bekannt. Dabei war das beispielhaft.
Was ist, wenn in den 20er und 30er Jahren ein Nazi gesagt hätte, 10% der Juden wären Kommunisten und 10% Kapitalisten. Das sind zusammen 20%. Heute verbreitet man unzutreffend, 20% der Muslime lehnten Integration ab! Wieviel Prozent welche Einstellung und Haltung haben war gar nicht Gegenstand und Ziel dieser Studie. Da wurden nur Interviews geführt, um einen Querschnitt zu zeigen und insbesondere zu schauen, wie auch Jugendliche – teilweise Kinder (14) – so ticken.
In meinem Blog erinnerte ich schon 2010 an einen Tagebucheintrag des Freiburger Ökonomen Walter Eucken 1935: “Alle Juden werden beurlaubt oder aus dem Staatsdienst entlassen. Überall Misshandlungen. Diese Sünde, die das deutsche Volk begeht, indem es wehrlose Menschen seelisch und körperlich misshandelt, wird sich an ihm furchtbar rächen. Gott ist auch ein rächender Gott.”
Im Februar war großer Auschwitz-Gedenktag, Gedenkstunde im Bundestag, im Reichtsagsgebäude. Am nächsten Tag bildete der Axel Springer Verlag in “BILD” groß den Zeitzeugen Marcel Reich-Ranicki ab. “BILD” beschwerte sich und wies darauf hin, Eltern würden den Kindern den Kinder nicht mehr von den deutschen Verbrechen erzählen. Und dann macht die politische Elite kurzhand Gauck zu Präsidenten als würde Politik wie ein Weimar – als wäre 1925 oder 1932 – gemacht ein Hindenburg müsse her. Und “BILD” Seite 2 beherrscht nichtmal sicher Unterschied Prozent und Prozentpunkte und machte aus dem Holocaust-Überlebenden Reich-Ranicki einen Auschwitz-Überlebenden. Dabei konnte er vorher fliehen. In einem weiteren Sinn mochte das sachlich richtig sein. Kaum ist Bundespräsident Wulff weg und Horst Seehofer Interimsbundespräsident, da drehen CSU Bundesinnenminister Hans Peter Friedrichs, BILD und Sarrazin beim Thema Integration und Muslime auf. Das ist ansich nicht schlimm, wenn die Inhalte sachlich richtig wären. Das sind sie jedoch nicht!
Wenn die Umfrage (oder besser Befragung, da “qualitativ” geführtes Interview die Methode war, nicht reine “quantiative” Methoden) nicht repräsentativ angelegt ist vom Design der Studie ist, kann Bundesinnenminister Friedrich (CSU) auch nicht einmal sicher behaupten, die Mehrzahl der deutschen Muslime sei für Integration. Ist der Bundesinnenminister eigentlich zu blöd, eine vom Ministerium selbst in Auftrag gegebene Studie richtig zu deuten? Bisher verzapfte er regelmäßig intellektuellen und geistigen Mumpitz. Es gibt Interviews von ihm und Volker Kauder jeweils im SPIEGEL letztes Jahr, die taugen einfach nichts. Verwaltung und Journalismus benötigen solide ausgebildete und gebildete Sozialwissenschaftler, um Material auswerten zu können. Wissenschaftliche Bildung bedeutet, mit wissenschaftlichen Daten umgehen zu können.
Ich frage mich: Wie blöd ist eigentlich die “BILD”? Am Samstag verwechselten sie auf Seite 2 Prozent und Prozentpunkte. Und dann schreibt Stephanie Jungholt die falsche Behauptung: “Jeder 5. Muslim in Deutschland lehnt es ab, sich zu integrieren”. Schon am Freitag zuvor war in der FAZ von Jürgen Kaube zu lesen: “Wer bis Seite 277 gekommen ist … ‘keinesfalls weder auf alle in Deutschland lebenden Muslime noch auf alle in Deutschland lebenden jungen Muslime hochgerechnet werden können und dürfen.’” – Das steht wortwörtlich in der Studie drinnen!
Doch “BILD” tut so, als würden sie eine nicht als falsch gekennzeichnete Nachricht nur kommentieren: “Jeder 5. Muslim in Deutschland lehnt es ab, sich zu integrieren. Eigentlich eine Nachricht, die uns wachrütteln sollte.” Hier wird angetäuscht, man starte eine Meta-Diskussion, aber die falsche Nachricht wird weiterverbreitet.
Wie soll sich Menschen in Deutschland zu Hause fühlen, wenn sie hier diskriminiert werden oder es viel schwerer haben als Einheimische? Gerade Aussagen von “BILD” und Sarrazin wirkten häufig wie ein Schlag in die Magengrube. Andererseits werden und wurden auch Journalisten und die Presse oft hart angegangen. Und in Berlin gibt es viele Probleme, die Polizei und Justiz nicht erfolgreich angehen.
Integration meint ins Leben zu finden
Was hat Deutschland zu bieten als Ziel? Es ist ein Spiel, bei dem es darum geht, Geld zu machen. Das ist nicht für jeden was. Außerdem kann nicht jeder Erfolg haben. Es gibt immer auch welche, die weniger gut abschneiden. Integration bedeutet erstmal wie bei allen anderen auch Loslöung von Elternhaus, möglichst Schulabschluss, Partnerfindung und Familiengründung. Arbeit und Beruf ist selbstverständlich. Doch wenn es nur darum geht, Geld zu machen, bieten sich in manchen Umfeldern auch mit einer gewissen Selbstverständnlichkeit halbseidene und kriminelle Aktivitäten an.
Seitdem es Satelitenfernsehen gibt, ist erlernen der Sprache schwieriger geworden. In den Schulen konnten die Folgen davon genau beobachtet werden. Und amerikanische Serien im deutschen Privatfernsehen sind seit 9/11 sicher nicht attraktiver geworden. Einige Jugendliche bleiben sich in der “Pubertätsaskese” stecken, widmen sich der Religion. Das hat Haupt- und Nebeneffekte. Die Sexualmoral bzw. Doppelmoral für die Geschlechter ist natürlich ein Problem. Partnerwahl und Familiengründung macht das nicht leichter. Probleme gibt es hier auch in katholischen Ländern Südeuropas.
Evangelische Kirche in DDR
Evangelische Pfarrer in der DDR erhielten ein Teilgehalt in DM von den evangelischen Kirchen im Westen.
Was mich in der Autobiographie bzw. den “Erinnerungen” von Gauck verwunderte, war, zu lessen, dass aus der DDR geflüchtete Pfarrer im Westen erst nach 2 Jahren die Ordinationsrechte wieder erhielten.
Bei Integration konnte Deutschland ansatzweise überfälliges aufholen
Christian Wulff hat bewiesen, wie viel die Politik erreichen kann, wenn ein Repräsentant des Staates sich glaubwürdig für Integration und das religiöse Miteinander eintritt. Es ist auch gute Entscheidung, dass Mousse T aus Hannover beim Staatsakt für die Mordopfer der NSU auftritt.
Da Wulff selbst religiöse Lebensregeln stark ignorierte, ist seine Glaubwürdigkeit jedoch umstritten.
Der katholische CDU Politiker Christian Wulff als Vorgesetzter und Amtsträger
Ein Vorgesetzter – und das war Wulff – darf Untergebene nicht zu Kriminalität anleiten, drängen oder verleiten; sie gefährlichen Grauzonen aussetzen, die teilweise oder vollständig Straftatbestände verwirklichen, sondern sollte sie vor zwielichtigen und halbseidenen Kontakten warnen und beschützen. Eine nähe zur Halbwelt und ihren Methoden und Mitteln korrumpiert. Kein Vorgesetzter im Staatsdienst darf auf Kriminalität oder Straftaten hinwirken. Dies ist unabhängig und zusätzlich von der Staatsanwaltschaft disziplinarrechtlich zu ahnden.
Wirkliche Freunde sollten das ebenso tun, abhalten von Verbotenem und Grenzwertigem. Denn sowas schädigt Ruf, Ansehen und Glaubwürdigkeit. Politisch und moralisch sind Christian Wulff Verfehlungen von erheblichen Ausmaß zuzurechen. Was ihm juristisch zuzurechen ist, werden Justiz und die Rechtswissenschaften klären, aber sie haben kein Deutungsmonopol.
Hochdestruktives Handeln macht krank und ist krank.
“Kirche im Dorf lassen”
Pietät und Frommheit gehören zur Religion, gehören in die Kirche, nicht in politische Angelegenheiten, die den Staat betrefen. Laßt mal das religiöse Benehmen in der Kirche!
Wenn der Respekt vor dem Recht bei Wulff nicht da ist, wenn ungeschriebene Gesetze bereitweilig immer wieder tangiert werden, wieso sollte man als Bürger dann Zurückhaltung üben? Ein Bundespräsident extra schriftlich gleichsam einräumen, “Gerechtigkeit gegen jedermann zu üben” sei ihm wichtig, ist eine abstruse Situation eingetreten.
Sexgier und Geldgier: Traditionelle vs. moderne Gesellschaften
These 8: Während Gesellschaften traditionell sexuelle Gier ächten, schwindet irgendwann die traditionelle Ächtung der Geldgier. Sie wird vielmehr teilweise institutionalistisiert.
Leider ein Trauerspiel: Katholische Würdenträger im Christentum
Ich sage es nicht gern: Manchmal muss man nur in die Gesichter mancher katholischer Würdenträger um zu sehen, dass das alles Jungfrauen sind. Sie können 80 sein, sind aber immer noch halbe Kinder. Außer gegenüber der Mama wissen sie nicht, was es bedeutet, eine Frau glücklich zu machen. Es ist übrigens auch ein Männerbild, dass ohne Vaterschaft auskommt. Auch in diesem Sinne stellt “verweiblichtes Verhalten” in der katholischen Hierarchie ein Problem für die gesamte Christenheit dar.
Die Fixierung auf das Kondom hat Papst Benedikt auf einen wahrlich einsamen Höhepunkt gehypt. Nun bedeutet ihm eine Fixierung gerade die unerwünsche “Banalisierung der Sexualität”. Genau die wurde jedoch erreicht. Außerdem wurde in einigen Artikeln von Journalisten das Kondom banalisiert. Das trifft auf die Texte von Klaus Badde und Daniel Deckers zu.
Es ist ja die katholische Kirche, die mit ihrer Lehre einen zutiefst piefigen, schwerst und hochgradig dörfischen Kult um die Sexualität veranstaltet, in der Verdammung als Sünde sich mit Lässlichem und Gnade abwechselt. Der Zölibat stellt ein Sexualopfer dar. Kastraten gibt es heute zwar nicht mehr, aber es grenzt an Selbstverstümmelung. Es opfert auch die Liebe. Insofern sind es unerfüllte, notorische Romantiker.
Letztlich stellt sich die Frage, ob die katholische Kirche in der Lage ist, ein Verständnis von Sexualität zu überwinden, in dem der Eros philhellenistisch der “spielende Knabe” bleibt. Ob Papst Benedikt überhaupt versteht, was Liebe ist, wenn er schreibt (2006:40): “Gefühle kommen und gehen”? Dies ist das überholte platonistische Verständnis, welches Gefühle als Seeleninhalte versteht.
Es bleibt ein Trauerspiel, wie sich die katholische Kirche mit ihrer Theologie und Sexualmoral selbst zusetzt. Im Kern ist das kein Problem der Moral, sondern ein Problem der Theologie. Dabei ist der Zölibat nichtmal ein Dogma. Zölibat ist eine symbolische Selbstkastration. Das steht sogar in Tradition heidnischer Priesterkulte der “Großen Mutter”. Die hatten sogar männliche Prostituierte, zugleich Priester. Wird so rund, warum der Papst männliche Prostituierte auffällig erwähnt?
Für die deutsche Christdemokratie stellt sich die Frage: Was bleibt ohne Kirche von den europäischen Volksparteien?
Literatur: Bendikt XIV.: Gott ist die Liebe. Die Enzyklika “Deus caritas est”, Herder 2006
Eine nationale Schande: Ist der katholische Priesterstand im Wesen auch ein Reservat für Misogynie und Homoerotik mit Schutzprivileg?
Viele führende CDU Politiker – so auch Christian Wulff in den Wochen vor seiner Wahl zum Bundespräsidenten- sprechen sich gegen den Pflichtzölibat aus. Reicht es, diese Frage als rein private Angelegenheit der persönlichen Moral zu sehen?
Ist für unsere öffentliche Ordnung legitim, dass der katholische Klerus seinen beamteten Priestern den sozialen, privaten und intimen Verkehr mit einer ebenbürtigen Frau auf Augenhöhe untersagt? Ist hier nicht ein Reservat der Misogynie?
Gleichzeitig duldet der Klerus massiv bewusst Homosexualität und vielfach eine homoerotische Atmosphäre in seinen Reihen, um einerseits Teile des eigenen Personals erpressbar zu halten, aber auch um attraktiv für dann völlig ergebene junge Männer zu sein, die geradezu hörig sind.
Die fehlende psychische Reife schafft den Boden für sexuelle Nötigung, sexuelle Gewalt, Vergewaltigung, Mißbrauch Abhängiger – ob männlich oder weiblich -; und für Pädophilie, für kranke perverse Kinderschänder, die perfide alle ihre Energie aufbieten, um den geweihten Raum der Kirche für ihr tyrannisches Begehren auszunutzen. Harte Fakten und qualitative Unterscheidungen können nicht durch scholastisch kunstvoll empirisch ausgebreitete Zahlen widerlegt werden, es handele sich eigentlich überwiegend nur um die historisch seit Platon bekannte Ephebophilie und betreffe keine Kinder, sondern Pubertierende.

