Archiv für die Kategorie ‘Wettbewerbsaufsicht’
Die Schmelze der (menschlichen) Vernunft bei der zentralen Intelligenzagentur: Sascha Lobo als Prophet vom Range McLuhans
Religion, Propheten und (neuer) Aberglaube bei “Spiegel Online”
Lobo ist zu wenig akademisch. Der Begriff des ist völlig undifferenziert. Wissen ist Information + Urteil. Urteilen muss man immer noch selber. Sich ausschließlich Urteile anderer sich anzueigenen ist nur Konformismus. Das ist alles noch auf dem Niveau von Schule, bei der es nur darum geht, vorhandenen Stoff und Wissen sich anzueigenen. Der Stoff ist kanonisiert oder vom Lehrplan her mit Autorität versehen. Das ist die (ab)geschlossene Welt der mittelalterlichen Scholastik. Freilich ist Google keine pädagogische Institution. Zur Scholastik gehört die feste Ordnung. Das Evangelium ist Google bzw. Google ist die (allen) vorgeschriebene lateinische Übersetzung der Bibeltexte. In der neuen Welt zählt nicht mehr die Nähe zu Gott, sondern die Nähe zu Google.
Koordination, nicht Wissen
Google koordiniert in erster Linie. Mit Wissen hat das nur begrenzt zu tun. Es geht um Koordination. Frank Schirrmacher hat dankenswerte Weise darauf hingewiesen, das Internet funktioniere mehr nach der Art von Talmund-Kommentatoren und nicht nach Wissen.
Sich in die Nachfolge von McLuhan stellen
Ausgerechnet den schwammigen McLuhan mit seinen diffusen Prophezeiungen präzise zu nennen, ist absurd. Damit wird nur versucht, den Gehalt eigener Das Wissen ist doch nicht außerhalb des Menschen. Die Menschen generien das Wissen für Google, weil Anfragen an Google bereits Urteile von Menschen sind. Das ist alles eine rein menschliche Kraft. Es finde auch keine Verschmelzung statt, weil Google nur abbildet. Und was soll diese rabulistische Umdeutung von Ungeduld? Das sind tolle digitale Tugenden … Physiologisch wirksame psychische kognitive Einschränkungen und Veränderungen werden euphemistisch abgetan. Die Kohlenstoffwelt … erstmal muss hinreichend Energie und Rohstoffe dafür her.
Wozu von Konzernen sprechen, wenn über Verschmelzungen berichtet werden kann?
Woher wird bitte der Begriff “Wissensmaschine Google” gerechtfertigt oder belegt? In den USA gab es schon in den 60er nach Meinung führender dortiger Kulturtheoretiker sowieso keine Trennung von Hochkultur und Populärkultur. Dann ist dann gar keine Verschmelzung nötig oder möglich. Wir erweitern Google, nicht Google die Menschheit. Am Ende reicht das Wissen nur noch für 140 Zeichen (Länge bei Twitter). Soll das ein Witz sein? Es reicht nicht, nur „vielleicht“ zu schreiben. Ein eigenes Urteil ist schon nötig. Nur entscheidungsloses Hin- und Her wägen ist zu wenig. Sich nur auf eine Hoffnung berufen zu können, ist Zeichen der Religion.
Pseudoinnovationen hypen, aber Fragen bitte nur restriktiv
Weil man einzelne Wörter mit technischer Hilfe übersetzen kann, spricht man noch nicht eine fremde Sprache oder bewegt sich mühelos in ihr. Und wie kommt Lobo bitte auf die Idee zu schreiben „Trotz …“ sei die Frage berechtigt? Das lässt tief blicken. Fragen sind immer berechtigt. Oder sind nur noch die Fragen berechtigt, die Google scheinbar antwortet. Google antwortet als Sender, beantwortet aber nichts. Das macht Google unfehlbar. Eine „logische Folge“ ist nur ein Folge innerhalb der Gesetze der Logik. Das ist eben keine naturwissenschaftlich oder sachlich notwendige Folge. Eine mögliche Folge ist nur eine mögliche Folge. Die Kolumne entpuppt als ein rhetorisches Dokument. Zu fragen ist schwieriger als zu antworten. Also antwortet man am besten auf vorzugsweise selbstgestellte Fragen. Mit Google verbindet sich eine neue, populäre “Theologie des Staunens”. Freiheit lässt sich schlecht mit Dominanz vereinbaren, lehrte Alexander Rüstow.
(Religiöse) Offenbarungen, wie sie der freischaffende Prophet Sascha Lobo publizistisch verkündet, können sich nicht auf Philosophie, Wissen und Wissenschaft berufen. Kaum etwas ist schwieriger als eine Zukunftsprognose. Die jüngste Vergangenheit mahnt.
Jürgen Habermas 1968 zu Mündigkeit und über Sprache
“Mit ihrer Struktur ist Mündigkeit für uns gesetzt. Mit dem ersten Satz ist die Intention eines allgemeinen und ungezwungenen Konsensus unmißverständlich ausgesprochen. Mündigkeit ist die einzige Idee, der wir im Sinne der philosophischen Tradition mächtig sind.”
Will RWE Großmann Merkel mit seinem politischen Männlichkeitswahn auf Höchstleistung fahren?
Der “knallharte” Selfmade-Milliardärr, der echte Unternehmer Jürgen Großmann (hier Porträt FAZ), zugleich noch Chef von RWE, hat die Anzugträger in den Unternehmen vom BDI in einen ganz besonderen “beauty contest” gelockt, den “Männlichkeitswettbewerb”.
Und dies alles nur, weil Großmann es an der Bar nicht geschafft hatte (die FAZ berichtete), Niedersachsens neuen Ministerpräsident David McAllister – so quasi unter Männerfreunden, das einschlägige Stichwort – sogar durch die FAZ geadelte – lautet “Erbfreunde” (geprägt von Michael Spreng), wie Gerhard Schröder und Christian Wulff – seine Ziele (offen) unterstützen wollte.
Großmann sprach zunächst immer von “knallharter Industriepolitik”. Jetzt “klaut” gewießermaßen Jürgen Großmann den gegen Marktmacht gerichteten Begriff “Wettbewerbspolitik” und spricht kurzerhand von “knallharter Wettbewerbspolitik” (FAZ).
Nice try, dieser Spin. So mobst sich die Oligopolbranche die bürgerliche Tradition des Ordoliberalismus.
Es gilt, was der Verwaltungsjurist und aus Niedersachsen stammende Bielefelder Soziologie Niklas Luhmann schon 1969 festhielt: “Gesellschaften mit Selbsthilferecht können eine Schwelle sehr geringer Komplexität nicht überschreiten.” So der epochemachende Luhmann in “Legitimation durch Verfahren” (stw 443). Das muss Machertyp Großmann lernen.
Wenn die CDU die Energiepolitik nach dem Muster eines partikularistischen konservativen und katholischen – historisch fraglos und erkennbar überholtem – klassischem (Mauschel-) Korporatismus, intransparent organisiert, d.h. ohne sichtbar rationales Verfahren, werden weitere Schäden irreversibel entstehen. Deutschland und die Christdemokratie brauchen um ihrer Bürgerlichkeit willen hier eine universalistisches Entscheiden, nicht aber eine erkennbare Befriedigung von Partikularinteressen.
Dann stellt sich die Frage, ob die CDU für die bürgerliche Mitte noch wählbar sein wird, ob die Grünen sich bei 20% stabilisieren werden oder sogar in einem Erdrutsch und Umbruch noch weiter wachsen. Wenn die CDU Umweltminister Röttgen als Abfall entsorg, ist die Volkspartei am Ende.
Unterstützung für Stoßrichtung der Initiative “Pro Netzneutralität”
“Die Konstitution bürgerlicher Öffentlichkeit ist nicht allein in das Belieben der Präferenzen von Konsumenten und ihren Wünschen oder den Zielen von Konzernen gestellt.”
Meine Position: “Die Konstitution bürgerlicher Öffentlichkeit ist nicht allein in das Belieben der Präferenzen von Konsumenten und ihren Wünschen oder den Zielen von Konzernen gestellt.” Ich unterstützte die Initiatoren, die mir zum Teil bekannt sind seit vielen Jahren, ganz ausdrücklich in ihrer Stoßrichtung. Der versammelte Sachverstand ist weit höher einzuschätzen als das Problembewusstsein der abgeordneten Parteifreunde der CDU, die MdBs Thomas Jarzombek und Dr. Peter Tauber, die “unideologische Sacharbeit” einklagen, also offensiv ein unpolitisches Verständnis der politischen Situation fordern. Nur wegen etwas SPD Jargon darf man in diesen Grundsatzfragen nicht zaudern oder zögern. Ein Schatten kommt auf, denn Christdemokraten fordern unpolitische Sachlichkeit und Sozialdemokraten fordern im Text unpolitische Notwendigkeit.
Mein Fazit: Netzpolitik ist zwar (knallharte) Industriepolitk, aber Frage der Netzneutralität ist nicht industriepolitisch als Wirtschaftsförderung entscheidbar.
Tragödie Loveparade in Duisburg 2010: Eine teufliche Situation brachte den Tod und Tötungen. Es war ein Organisationsversagen!
Ein Punkt zur Loveparade: Tragisch ist, dass es hier keine rein technische Katastrophe wie bei anderen Unglücksfällen und Unfällen war. Die teuflische Situation brachte Menschen gegenseitig zu Tode. Die Situation schuf Schuld. Jetzt stiftet der Nachklang der entsetzlichen Geschehnisse Zorn und Schade. Es war multiples Organisationsversagen.
Nachtrag: Neu gebloggt die “Fortsetzung” am Montag Nachmittag: “Woher stammt das „multiple Organsiationsversagen“? Traumatisches Unglück bei der Loveparade sind mahnende Tote”
Ergänzung, zuerst am Montag um 11 Uhr als Kommentar, jetzt um 21 Uhr im Text:
Zu berücksichtigen ist, dass im Zuge des reformierten Verwaltungsaufbau in NRW die Stadt Duisburg sich eine solche die Veranstaltung sich selbst genehmigen konnte und keine Verwaltungsinstanz noch den „Daumen drauf“ hatte. Dieser mögliche Anteil wäre nochmal genau zu prüfen. Warum ist keine Bezirksregierung oder Regierungspräsidium noch zuständig? Warum ist nach dem neuen Modell der Bürgermeister ein Laie und „Chef“ der Verwaltung, aber kein qualifizierter Verwaltungsbeamter und Fachmann?
Ohne eigenen Direktor hat die Verwaltung keine Stimme gegen die Politik.
Vielleicht ist weniger die Frage der Schuld – Schuld im Sinne eines Geheimnisses aufzudecken – als das Rätsel des Ursachenbündels verständlich zu lösen. Die tragische Situation erscheint hermetisch undurchsichtig, was ein wenig zu einfachen und schnellen Deutungen animiert und anstachelt. Zudem existieren viele gute Deutungsmuster und aufgreifbare kritische Stimmen.
Die entscheidende Frage ist nicht, was lief schief oder warum lief es nicht korrekt, sondern wie hätte es konkret ablaufen müssen, damit nichts schief läuft, keine Gefahren bestehen und die Riskien beherrschbar sind.
Nachtrag zum Clip von ERGO: “Versichern heisst verstehen”:
“Des Pudels Kern” beim Spot von ERGO ist die süffisante Überlegenheit und selbstbewusste Macht des Bürger / Kunden, der die Musik bestellt und die Kontrolle hat !
1. Der Clip demonstriert Zivilität, Stil und Kultiviertheit!
2. Der eminent politische Gehalt besteht in einer vehement proklamierten privaten Autonomie.
3. Der Spot zelebriert und demonstriert mit Selbstbewusstsein die Selbstbestimmung des Bürgerlichen. Autonomie meint Selbstgesetzgebung.
Essenz ist, dass Urteilskraft geschmeichelt wird, dass aufgebaut und motiviert wird anstatt herabzusetzen, wie es aktuell häufig durch Spitzenpolitiker geschieht.

