"Das Politische anders denken"

Frühling der Bürgerlichkeit?

Archiv für die Kategorie ‘Grundsätze der Wirtschaftspolitik

Kommentar: Offensiv wegrationalisieren anstatt Arbeitsplätze sichern

Hinterlasse einen Kommentar »

Die (Netto)Einkommen sind Jahren nicht gestiegen. Das muss jetzt bald anders werden. Sonst fliegt uns der Laden bald nochmal um die Ohren! Kann die Industrie wegen ihres Kreditrankings nicht die Löhne anheben? Mit Sozialhilfe subventionierte Löhne zerstören den Wettbewerb. Wettbewerb muss ineffiziente Dienstleister & Gewerbebranchen schöpferisch zerstören (Schumpeter). Stets Arbeitsplätze um jeden Preis zu sichern ist die falsche Strategie. Deshalb ist Angst vor Arbeitslosigkeit mittels “Hartz-IV” und Lohndumping der falsche Weg.

Aus dem Archiv: “Perspektiven auf die Stellung des ordoliberalen Denkens in der Bundesrepublik”

Hinterlasse einen Kommentar »

Es bedarf stets der gestaltenden Tat zur Entfaltung dieser Potentiale, wie Müller-Armack 1932 bereits andeutete. Dieses Denken ist in Zeiten der Globalisierung, der Liberale teilweise säkulare Erlösungspotentiale zuschreiben und in Zeiten, in denen Marxisten auf den großen eschachtologischen Crash warten, aktueller denn je. Ordoliberalismus und Soziale Marktwirtschaft sind bürgerliche, kritische Theorien des Industriezeitalters. Ihre negativen Erfahrungen mit dem missglückten Weimarer Korporatismus hat sie teilweise zu Gegnern elitärer sozialdemokratischer Ideen der Hochmoderne gemacht, die zu Recht von den Neuen Sozialen Bewegungen kritisiert wurden. Diese Gegnerschaft mündete im Alter bei Röpke in missglückte Positionen.

Ihre Verteidigung der Bürgerlichkeit ging denen der Schüler Joachims Ritter weit voraus, die teilweise Carl Schmitt näher standen als Ordoliberale. Ordoliberales Denken steht wegen anderer Perspektiven auf die Steuerungsmöglichkeiten des Rechts konträr zu Luhmann. Der Ordoliberalismus war ein bürgerlicher liberal-konservativer Weg in die Moderne als Erfahrung unbürgerlicher Zeiten, der sich keineswegs in ästhetische Kunstwelten geflüchtet hat. Eucken, Röpke und Rüstow schätzen „common man“, aber standen in Distanz zum modernen Angestellten als „common man“. Ordoliberales Denken und Ludwig Erhard standen gegen reaktionäre im Bund der deutschen Industrie, die Marktpreise als „soziologisch falsch“ ablehnten. Hier ist eine „Verwestlichung“ unübersehbar.

Müller-Armack war der Vordenker und Verwirklicher eines liberalen Neokorporatismus und einer europäischen Ordnung. Dies scheint von Wissenschaflter in Köln und Florenz vergessen und ignoriert worden zu sein, obwohl Müller-Armack nicht nur sich für das Europäische Hochschulinstut einsetzen, sondern auf engste mit der Kölner Tradition der Sozialwissenschaften verbunden war.

Ein durch Kojeve inspiriertes posthistorie Denken, wie man es bei Bell, Fukuyama und Gehlen treffen kann, wird man bei Müller-Armack nicht finden. Seine religionssoziologischen Perspektiven und die umfassende Kultursoziologie Rüstows werden heute wieder aktueller und sind anschlussfähig an neoinstitutionalistische Ansätze. Röpke schloss mit seinen Ansätzen an Intentionen Karl Löwith an. Beide schlossen sich Jacob Burckhardt im Plädoyer für Maß und Mitte an, dessen Denken aber bürgerlich-aristokratische Elemente enthielt.

Bei Müller-Armack werden die Einflüsse von Ernst Troeltsch, Max Scheler, Max Weber und Helmut Plessner deutlich, also bürgerlich-demokratischer Denker. In dieser Tradition, vor allem von Troeltsch und Scheler, insgesamt der Modernisten plädierte Müller-Armack für sozialen Ausgleich.

Müller-Armack steht in Tradition des Historismus und greift damit dessen Verteidigung Hermann Lübbes gegen Habermas Spätkapitalismus vor. Gleichzeitig war das ökonomische Denken der Ordoliberalen fortschrittlicher als bei maßgeblichen bürgerlichen Intellektuellen der Nachkriegszeit wie z.B. Dolf Sternberger, ohnehin gegenüber schmittianischen Juristen und erst recht postneomarxistischen Apologeten & Freunden der mitunter reichlich idyllischen & idealistischen Zivilgesellschaft. Aus der religionssoziologischen Tradition heraus war Müller-Armacks Horizont jenseits eines strickten Denkens der Einheit des Westens. Vorwiegend publizistischer Kampf oder Unkenntnis kann den habermschen Vorwurf gegen Neukonservative auf die Ordoliberalen münzen, sie hingen in der Tradition des lutherischen Staatskirchentums, was sich verkehrt, da zumindest sie präzise dessen negative Einflüsse geradezu seziert haben.

Werk und Wirkung: Cui bono “Deutschland schafft sich ab”?

Hinterlasse einen Kommentar »

Wofür ist genau die Wirkung der Meinung von Sarrazin der Prüfstein? Bzw., worin besteht der Skandal? Was ist schlimm daran, dass Sarrazin nicht die Wirkung hat. Wenn das Buch “Deutschland schafft sich ab” ein gutes Buch wäre, welches Wirkung sollte es dann haben? Fördert Sarrazin eine Tugend?

Meinung: Ein ökonomischer Aufschwung ist allgemein dem Staat verdankt, nicht exklusiv der Regierungsspitze

mit einem Kommentar

Falls ökonomisch ein Aufschwung kommt, so liegt dies einzig Zusammenwirken von Staat, Wirtschaft und Sozialversicherung insgesamt. Industrie und Gewerkschaften, die Sozialpartner und alle Arbeitnehmer haben ihren Anteil daran. Der Eurokurs hat es gemacht, sagt die Wortschaftswoche. Der Chefredakteur spricht vom “german bubble”. Es liegt nicht an der Güte und Qualität der gütigen Regierungsspitze mit Merkel und Westerwelle, denen zu danken oder gar zu huldigen wäre für Ihre Leistung. Wer nur die seinem Status entsprechende Pflichten ableistet, verdient keinen ungewöhnlichen Dank oder Lob. Und ob der Aufschwung bei den Menschen auch sozial wirksam ankommt und mehr Netto sich bezahlt macht, das ist völlig offen ohne entschiedene Reformpolitik.

Der Aufschwung ist nicht das persönlich geleistete Werk von Außenminister Dr. Guido Westerwelle und Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel.

Nachtrag zum Clip von ERGO: “Versichern heisst verstehen”:

Hinterlasse einen Kommentar »

In Ergänzung zum Essay “Zeitgeist: Kampagne von ERGO trifft Politik und Bundesregierung ins Mark! Kreative Klasse fühlt dieses Stechen im Herz der Deutschen” noch folgende Bemerkungen:

“Des Pudels Kern” beim Spot von ERGO ist die süffisante Überlegenheit und selbstbewusste Macht des Bürger / Kunden, der die Musik bestellt und die Kontrolle hat !

1. Der Clip demonstriert Zivilität, Stil und Kultiviertheit!
2. Der eminent politische Gehalt besteht in einer vehement proklamierten privaten Autonomie.
3. Der Spot zelebriert und demonstriert mit Selbstbewusstsein die Selbstbestimmung des Bürgerlichen. Autonomie meint Selbstgesetzgebung.

Essenz ist, dass Urteilskraft geschmeichelt wird, dass aufgebaut und motiviert wird anstatt herabzusetzen, wie es aktuell häufig durch Spitzenpolitiker geschieht.

Walter Eucken über den Sozialstaat in der modernen Welt: Mehr als nur wirtschaftliche Not

Hinterlasse einen Kommentar »

“Der einzelne hat in der modernen arbeitsteiligen Welt nicht nur wirtschaftliche Not zu fürchten, sondern auch den Verlust seiner Möglichkeiten als Person. … Er muß damit rechnen, daß er aus Gründen, die nicht in ihm selbst zu liegen brauchen, von dem sozialen Zusammenwirken ausgeschlossen und an den Rand der gesellschaftlichen Existenzbedingungen gedrückt wird.” (aus: Grundsätze der Wirtschaftspolitik)

Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.