Archiv für die Kategorie ‘Bürgergesellschaft’
Was Peter Kruse anführt, trifft auch auf deutsche Politik und Parteien zu
“Show must go on”: Aus “Schwarz-Gelb” muss christlich-liberales Profil werden. Von der Leyen ist am Zug? Vielleicht mehr als nur “Kronprinzessin”?
Wer beerbt welches Amt von Merkel?
Leute, die Meute ist los: Es hat schon begonnen! Da ging es los! BILD BASHTE Ursula von der Leyen mit Story zu Hartz-IV. In der WELT hingegen orakelt bedächtig: “Sie sieht ihre Chance gekommen.”
Aber das “Leitmedium” SpOn (Spiegel Online) PUSHTE Ursula von der Leyen gen Kanzlerschaft oder Parteivorsitz! Da schlägt der Takt.
Wo schlägt das Herz der CDU?
Frau gegen Frau, Mutter gegen Wissenschaftlerin, Ärztin gegen Physikerin, Ministerpräsidententocher gegen Pfarrerstochter, die Seiteneinsteigerin gegen politische Zockernatur (Rechengenie Merkel) – die sich stets in die Gestalt von “Mutti” und Staatsmann verwandelt -, Gefühl gegen sozial Apathie, die Tochter von Ernst Albrecht gegen “Kohls Mädchen”, Unternehmersgattin gegen Wissenschaftlerehepar, West gegen Ost, MHH, Stanford & Göttingen gegen Bodensatz von Humboldt & lutherisches Preußentum: “California dreamin’ am Bundespressestrand?
Merkel strandet und streifte Sandbänke, das Schiff leckt, das Wasser ist faul, ohne Regieren und Ausbau der CDU als Partei kommt irgendwann der Schiffbruch. Aber die Zukunft ist nicht vollständig planbar oder berechenbar.
Eine Niedersächsin als CDU Bundesvorsitzende?
Manifeste Strukturprobleme, nicht affektive Stimmungen in Umfragen sind unbeugsame Quellen, die der Koalition übel mitspielen
Das Problem der Bundesregierung und der Koalition sind nicht die affektiv gefärbten Stimmungen in Umfragen. Quelle der Probleme sind manifest wirksam werdende Strukturfragen der Gegenwart:
a) die Zukunft der bürgerlichen Mitte
(neue Unterschicht, Prekarisierung, Exklusion, soziale Polarisierung, kulturelle Fragmentierung, neue Bürgerlichkeit, soziale Gestaltungsanspruch kulturellen Zentren als Avantgarde, die Gestaltung von Schulen und Universitäten, )
b) die Zukunft der “jungen” Generation: Politische Anspruch der Alterskohorten von 20 bis 50
(“Generation Praktikum”, “Generation 30″, “Generation Reform”, “Leben in der Dauerkrise”)
c) die Finanzkrise und der Einfluss auf die Politik aus dem Finanzsektor
(EZB; Soffin, BAFin, BMF, Verbraucherschutz, Landesbanken, Sparkassen, Volksbanken, Basel III, Währungsunion, Haftungsgemeinschaft, Wechselkurse, Zahlungsbilanz, Handelsbilanz)
d) die Frage des Steuersystems und die Subventionenen und Steuerbegünstigungen der Wirtschaft
(Petersberger Beschlüsse 1996, Bierdeckel von Merz, 25% Kirchhof, Flattax, effektive Besteuerung, Steuerquote, Abgabenquote)
e) die Gesundheitsfrage, das verschachtelte Pharmawesen und das Standeswesen der Ärzte
f) die Ordnung des Mediensektors im Zeitalter von “Web 2.0″ (Informationsgesellschaft) und “Social Media” (Multimedia)
(GEZ, Netzneutralität, Private vs. Öffentlich-Rechtliche Sender, Google vs. Verleger, regierungsnah vs. kritischer)
g) der “Impact” von “Social Media” auf Politik und Gesellschaft als unbändige Welle und Peitsche
(mobiles Internet, Twitter, Soziale Netzwerke, Führungsanspruch der “kreativen Klasse”)
h) die desolate Lage der FDP in Umfragen bei gleichzeitigen Spitzenwerten für die Grünen
(das volatile Wahlverhalten der Besserverdienden und die Unruhe bürgerlicher Kreise)
i) die Lage der CSU und die 5% Grenze als Symbol und Gefahr für die Europawahl
(Quo vadis Bavaria?)
j) der leere Bundeshaushalt und keine verfügbaren Geldmittel zum Befriedigen von Gruppeninteressen
(eine echte Crux im Verbändestaat)
k) die Abhängigkeit von der Geldpolitik der EZB, dem Zinslevel und der Weltkonjunktur für Haushalt und Arbeitsplätze
l) die Zukunft des EURO
(Vertrauen, Glaubwürdigkeit, Treue, Beständigkeit, Solidität,
Wahlversprechen der CDU 1998 “hart wie die DM”, Staatsräson vs. Europa?)
m) das Leiden der CDU unter dem beschädigtem Katholizismus, der sich selbst abwickelt
(Papstum, Monarchie, Gerontokratie, Zölibat, Frauenbild, Hierachie, Gedankenfreiheit, Reste von Reservaten für Kampf gegen Moderne und Demokratie. Das kann jedoch zugleich erhöhte Aktionsfähigkeit bedeuten.)
n) der neue Primat des Staates in der Wirtschaft in Deutschland und den USA
o) Eine Art neuer Primat des transatlantischen Verhältnis für EURO, EU und Bundeswehr in einem “great game”?
p) das ökonomische Auseinanderdriften der USA und Kerneuropa
(Eine neue Form der “Zwiemoral” (Johannes Gross), die Zwietracht erzeugt?)
Die aristokratische Bürgerlichkeit von Rechts: Norbert Bolz marschiert auf
Der an der TU Berlin in der Fachrichtung Medienwissenschaften tätige Professor Norbert Bolz inszeniert sich mal wieder als rechts und lebt davon, als “Quoten Rechter” berücksichtigt zu werden: “Die politische Rechte steht für Bürgerlichkeit” ist sein Artikel im Berliner Tagesspiegel betitelt. Mag alles sein, dass es eine “Medienlinke” gibt, wie Bolz meint. Nur ist das Niveau anderer nie eine Legitimation für eigenen Stumpfsinn. Bolz ist im Grunde kein politischer Intellektueller, sondern Norbert Bolz ist mehr ein Künstler und Ästhet.
Im Grunde beschwört Bolz genau wie Westerwelle das Leistungsträgertum und den Managerismus. Diese Spielart selbsternannter Bürgerlichkeit definiert sich im Kern über Ästhetik und Vitalismus, nicht über Ethik. Der Körper und der Besitz und auch das Kalkül des Verstandes sind wichtig, nicht der Geist oder die Vernunft. Bei dieser Übung ersetzt der Mensch in artistischer Bewegung die Bewegung des Denkens beim Menschen.
In populäre Formeln ist dieses Programm mit “Fit for Fun” oder “Lebensfreude pur” übersetzbar. Diese sportiv gestählte Bürgerlichkeit meint Überlegenheit, auf diesem Gefühl fußt sie, und sie ist aristokratisch angelegt. Erfolg und Siege sind alles. Mit betont weiblichen Akzenten kommen Frauen praktisch nicht vor. Schattenseite dieser mitunter homoerotisch aufgeladenen Virilität ist der “soldatische Mann”, den Härte auszeichnet. Dessen Kern ist das Opfer und die Unterwerfung. Es ist auch eine Ideologie der ewigen Jünglinge und Junggesellen samt ihrer Jugend und juvenilen Kraft, Vitalität und Dynamik.
Der Rechtspopulismus von Möllemann und Jörg Haider ist deshalb die Schattenseite dieses Projektes. Nicht nur deren Schicksal legt nahe, dass aus diesen instrumentalisierten mythischen Bildern nur Tragödien folgen können.
Hintersinnige Werbung: FAZ befragt Wahl des Bundespräsidenten mit Gauck als neuem Testimonial
Eine kleine Sensation: Trotz der gegen die Kandidatur von Joachim Gauck gerichteten Kommentaren von F.A.Z. Mitherausgeber Günther Nonnenmacher macht Gauck ganz frei und innerlich aufgeräumt als Testimonial Werbung für die führende deutsche Tageszeitung, die ich sie vielen Jahren lese. Das ist auch PR für Gauck in eigener Sache.
Beachten Sie die Ausgabe, die Gauck in den Händen hält. Die Beschwingtheit ist das “Sommermärchen”! Die Entspanntheit symbolisiert prägnant ansteckende Freiheit. Es ist die Überlegene Mächtigkeit des deutschen Bürgertums, das keine Ermächtigung und Beauftragung mehr braucht. Es ist da. Und es sind viele Bürger. Auch in der jungen Nachwuchsbürger stecken ausgewachsene Vollbürger. Souveräne Gelassenheit demonstriert provokant echte Autorität und Stärke. Was für ein Kontrast! Gauck hat die Autorität, Superiorität, Integrität und Unangreifbarkeit, die dem Amt des Bundespräsidenten laut Verfassung innewohnt. Achten Sie auf das “making of”: Gauck ließe das Wort Fleisch werden. So grillen nur die Medien mit giftigen Tönen die Regierung, in der der Wurm steckt und die geradezu an einer unbekannten Art von “Wurmfraß” und nicht auf Anhieb nachvollziehbarer Zersetzung leidet.
Ein Mann wie Gauck steckt ins uns allen! Freiheit steckt an, Freiheit macht an, wir machen die Freiheit an: Feuer! Das macht frei! Gauck animiert zu Mimesis. Mit Gauck und FAZ wird aus dem “Sommermärchen” kein “Sommer der Märchen”. Danke Frankfurter Allgemeine Zeitung.
Als Individuum mit Wohnsitz in Berlin Tiergarten in unmittelbarer Nachbarschaft von Schloss Bellevue und Bundesinnenministerium fühle ich mich dieser Rasenfläche und dem Blickfeld verbunden. Es hat Tradition, sie zu passieren. Es sind Passagen. Auf dem Weg zum Brandenburger Tor, mit Rad unterwegs zum Potsdamer Platz, auf den Weg in den Bundestag.
Von den Kreativen trägt keine eine Krawatte. Wie würden sich Joachim Fest und Wolf Jobst Siedler erregen? Was aber erregt Joachim Gauck? Gauck kommt zu Fuss und hat als Insignien Einkauftaschen von P & C und vom KaDeWe. Aber Gauck macht klar, dass der Westen mehr ist als nur ein Kaufhaus und dass Stil und Bürgerlichkeit mehr sind als sich bei P & C zu bedienen. Bürgerlichkeit hat eine republikanische Dimension der Demokratie.
Das Motiv für die Doppelseitige Zeitungsanzeige zeigt jungen Mensche paarweise. Es wie ein Bildzitat bekannter Gemälde der Romantik. Gauck liest Zeitung und liest die Rauchzeichen. Der Grill neben dem Theologen ist wie ein Orakel. Mit Gauck wacht ein “kluger Kopf”.
Wir sind Gauck! Es gilt: “Es braucht nicht einen Gauck, es braucht Tausende” (Andreas Stein)
Beachten Sie auch weitere gebloggten Beiträge zu Joachim Gauck:
Darunter “Joachim Gauck steht für eine Großgesinntheit”,
“Das Amt ist gemacht für eine Person wie Joachim Gauck”,
“Gauck ist in jedem Fall der bessere Demokrat und Bürger als Christian Wulff”,
das große Plädyoer “Es hat eine faire und gerechte Chance für Joachim Gauck zu geben! Plädoyer für Ermöglichung seiner „systemischen Wählbarkeit“. Räumt die Minen im potentiell verfassungswidrig verminten Gelände der systemwidrig wirkenden Koalitionsinteressen und gegen ein tragisches Scheitern unserer Republik. Aus Staatsräson muss Gauck auf das Spielfeld.”,
“Warum Joachim Gauck der einzig echte Präsident ist: Präsident durch sein Herz!” und
“Warum Gauck kein „Obama“ ist wie Kritiker verlauten lassen, aber Wulff fast den „Retter der Welt“ vorspielt”
sowie meine scharfe Entgegnung auf den Göttinger Politikwissenschaftler Prof. Dr. Franz Walter “Parteienforscher Franz Walter und sein angeführtes Gleichnis über Gauck und Hindenburg”.

