Archiv für die Kategorie ‘Walter Benjamin’
Walter Benjamin (1918) über die “verwaltende Gewalt” (zur Kritik der Gewalt):
“Verwerflich ist alle mythische Gewalt, die rechtssetzende, welche die schaltende genannt werden darf. Verwerflich ist auch die rechtserhaltende, die verwaltende Gewalt, die ihr dient.”
Geistesblitz zum “Problemfall” Sarrazin
Kleiner Geistesblitz: Meinung ist doxa. D.h. insofern gilt dann Meinungsfreiheit! Aber wenn Volkswirt Sarrazin sagt, es sei genuin quasi Wissenschaft, d.h. nicht doxa, sondern dogma? Was dann? Welchen Geltungsanspruch erhebt Bundesbankvorstand Sarrazin? Anspruch auf Orthodoxie? Gerade auch Teile des Judentum arbeiten mit dem Funktionsprinzip Orthopraxie und nicht mit dem Prinzip Orthodoxie, welches vom Athener Grieche und Philosoph Platon in das” “Abendland” tradiert wurde.
Ist der Text im Buch von Sarrazin und sein Storyskript ein Kulturkampf in Deutschland oder Kulturkampf gegen Deutschland?
Ist der Text im Buch von Sarrazin und sein Storyskript ein Kulturkampf in Deutschland oder Kulturkampf gegen Deutschland? Wofür kämpfen wir? Wofür kämpft wer?
Was Sarrazin hier abzieht, dass ist klar Kulturkampf gegen das eigentliche Christentum in Deutschland. Und es ist vom Gedankengut & Weltanschaung her auch Kulturkampf gegen den Liberalismus und den Humanismus. Sarrazin ist auch kein sonderlich religiöser Sozialist. Das Begründungsprogramm im Buch von Sarrazin ist (pseudo)wissenschaftlicher Sozialismus zur Weltverbesserung.
Nicht die als “Fakten” beaupteten Textzeilen von Sarrazin zählen, sondern unsere humanistische und christliche Werte. Nicht die Naturwissenschaft, präziser: die bisher erforschte Natur, zählt, sondern die 10 Gebote, um die Lebensverhältnisse zwischen den Menschen zu Regeln. Forschung ist jedoch nicht Wissenschaft.
Eine zentralistische sozialistisch Zuchzentrale, die Jahrespläne für Zucht und Auslese ausarbeitet, darüber denkt in Deutschland niemand nach.
Zitat Leo Strauss 1930
„Wir müssen wirklich ganz von vorne anfangen. Wir können ganz von vorne anfangen: uns fehlen alle polemischen Affekte gegen die Tradition (haben wir doch nichts, von wo aus wir polemisch ein könnte); und zugleich ist uns die Tradition völlig entfremdet, völlig fragwürdig.“ [Hervorhebungen im Orginal]
„Wir sind noch viel tiefer unten als die Höhlenbewohner Platons.“
Verhandeln vs. Argumentieren: Von Anfang an das Thema für Habermas
Argumentieren: Von Anfang an das Thema für Habermas
Seit dem Frühwerk (1958) ist die Unterscheidung zwischen Verhandeln und Argumentieren der Kern des Werk von Habermas. Unter Rekurs auf Carl Schmitt und Wolfgang Abendroth sowie ihre Schüler entfalte Habermas eine Kritik an Kompromissen im realen Parlamentarismus. Zumindest auch wichtig dürfte schon ein Motiv von Walter Benjamin (1921) geworden sein, welches eine Kritik der scheinbaren Friedlichkeit von Kompromissen enthält und deren Charakter von Gewalt betont.
So heißt es: „…löst sich aber Autorität nicht in Sachautorität auf, sondern in die Scheinrationalität von Interessenkompromissen“ (1958:40). Herrschaft müsse auf „rationale Autorität“ rückzuführen sein, formuliert Habermas (1958:60). Seine Kritik an „übermächtiger und undurchsichtiger Bürokratie“ bezieht explizit die „dem Blickfeld völlig entrückten supranationalen Organisationen“ ein, was gemeinsam „verschwimmt zu ,politischen Apparatur’, autoritär und abstrakt“ (51).
Im Prozess der ZIB-Debatte schälte sich eine Unterscheidung von Verhandeln und Argumentieren heraus. Dieses Begriffspaar wird z.B. auch in einer Fassung von Jon Elster verwendet, welches aber nicht die analytische und normative Schärfe wie bei Habermas hat. Saretzki (2007:113) hält nicht unberechtigt fest: „In der Diskussion um kommunikatives vs. strategisches Handeln einserseits, arguing vs. bargaining andererseits entsteht bei Lektüre einer ganzen Reihe von Beiträgen der Eindruck, dass diese beiden Unterscheidungen mehr oder weniger synonym verwendet und dem selben Autor zugeschrieben werden. Die Unterscheidung von arguing vs. bargaining stammt aber nicht von Habermas.“ Sie stamme von Elster als kritische Reaktion auf die Handlungstheorie von Habermas.

