"Das Politische anders denken"

Frühling der Bürgerlichkeit?

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Gastbeitrag: Das Böse ist nicht banal, aber das Banale kann böse sein

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von Konstantin Sakkas

In einem Beitrag in der WELT hat jüngst Alan Posener die klassische Kritik an Hannah Arendts Schlagwort von der „Banalität des Bösen“ erneuert. Zum fünfzigsten Jubiläum ihres Buches Eichmann in Jerusalem stellt er klar, dass Adolf Eichmann bei seinen Taten, der Organisation des Holocaust, sehr wohl von einem, freilich negativen, Idealismus geleitet worden sei, und nicht gleichsam „gedankenlos“ und „unmotiviert“ gehandelt habe – eine Kritik, die so alt ist wie das Buch selbst. Nun stellt uns der Begriff des Banalen vor ein grundsätzliches Problem: nämlich dass wir das, was damit bezeichnet wird, glauben nicht ernst nehmen zu können. Indessen hat das Banale im Verständnis Arendts eine ganz andere Bedeutung; und in ihrem Lichte wirkt jene Bosheit, die eben Eichmann, allerdings „banal“ – gewiss aber nicht jede beliebige Art von Bösesein überhaupt!
Man begreift Eichmann in Jerusalem nicht ganz, wenn man nicht Arendts Denken im Ganzen begreift. Das vielleicht wesentliche Element dieses Denkens ist die Unterscheidung zwischen dem authentischen Tun – Arendt nennt es Handeln – und dem bloßem Arbeiten und Herstellen. Letzteres, also das „seelenlose“, leidenschaftsfreie technische Ausführen logischer, aber nicht unbedingt moralischer Maximen erkennt sie in den Strukturen und Handlungsweisen der modernen totalitären Ideologien wieder, insbesondere im Holocaust und beispielhaft an der Person Eichmanns. Und dieses bloß ausführende Tun heißt bei ihr „banal“, und zwar keineswegs nur im Kontext der nationalsozialistischen Judenvernichtung, sondern allgemein.
Das Wesen dieser Banalität ist aber folgendes: Das durch sie bestimmte Tun mag durchaus auf gewisse punktuelle Motivationen antworten (also Ideologien, Vorurteile etc.); doch ihm fehlt, im Unterschied zum Handeln, die nötige Substanz, der existenzielle Ernst, die reflexive Durchdachtheit. Es ist, philosophisch ausgedrückt, nur Form; nicht aber – oder kaum – Inhalt. Es erzeugt ungeheure – und ungeheuerliche – äußere Wirkung; aber inhaltlich, ideell hinterlässt es kaum Spuren.
Und das zeigt sich schon an den Tätern selber. Dem von Posener angeführten Eichmann-Zitat, worin der sich seiner Taten brüstet, setzt nämlich Arendt nicht ohne Grund sein ebenso „ernstgemeintes“ Anerbieten an den Jerusalemer Gerichtshof entgegen, sich öffentlich aufzuhängen, „um die Last der Schuld von Deutschlands Jugend zu nehmen“. Wie erklärt sich dieser scheinbare Widerspruch? Wohl kaum aus bewusster Taktik, wonach eine von beiden Aussagen unehrlich, also eine Lüge wäre; denn dazu hatte Arendt die Persönlichkeit Eichmanns, wie die vieler anderer hoher NS-Täter auch, zu genau und zu aufmerksam studiert; sondern aus einer wesenhaften Unaufrichtigkeit, aus dem, was Jean-Paul Sartre mauvaise foi nannte, also die Unfähigkeit, sich selbst zu trauen, eigene, ernsthafte Meinungen zu bilden und aufrechtzuerhalten.
Diese mauvaise foi aber war das Kennzeichen des totalitären Zeitalters, und ihr verdankt sich die besondere Schrecklichkeit der in ihm verübten Verbrechen. Der „aufrichtige“ Täter erscheint uns zwar verwerflicher (weshalb selbst die Wissenschaftsszene, und viel mehr noch die öffentliche Meinung vor dem Wort „Banalität des Bösen“ stets reflexhaft zurückschreckt); in Wahrheit hat er aber je noch die Chance, sich seiner Verbrechen zu besinnen und damit sich von ihnen zu distanzieren und sie schlussendlich zu bereuen. Warum? Weil er nämlich echte, in seinem Innern tief verankerte Motive hat, sich aber also durch eine Kritik an diesen Motiven naturgemäß auch von ihrer Unbegründetheit überzeugen lassen kann. Dieses aufrichtige, nicht-banale Bösesein findet sich durchaus auch bei Arendt; sie verbindet es mit dem althergebrachten christlich-europäischen Judenhass, der zwar fanatisch und brutal sein konnte, aber immer noch ernsten Argumenten zugänglich blieb, weil ihm selber ernste Argumente zugrunde lagen. Eben deshalb unterscheidet sie diesen Judenhass aber strikt vom Antisemitismus.
Der unaufrichtig Böse dagegen, der sich in einer emotionalen und intellektuellen Grauzone bewegt, nimmt nur die äußere Wirkung seines Tuns wahr, sei es nun „gut“ oder „schlecht“; deshalb kommt ihm dessen eigentlicher, wahrer Gehalt nicht zu Bewusstsein; deshalb wirken seine Verbrechen so grundlos und unvermittelt. Dieser Typus des Unaufrichtigen, Haltungslosen stellte einen großen Teil, wenn auch nicht die Gesamtheit, der deutschen Antisemiten und des „Personals der totalen Herrschaft“, und ihn und seine eigentümliche, seltsam unwirkliche und weltlose Art, böse zu sein, hatte Hannah Arendt im Sinn, wenn sie von der „Banalität des Bösen“ sprach.

Urheberrecht / Copyright liegt bei Konstantin Sakkas.

Geschrieben von edomblog

23. Januar 2011 um 17:15

Causa Sarrazin: Gegen den neuen Typus des toleranten Gutmenschen bei Randale von Rechts

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Die neue Gutmenschem sind diejenigen, die übermäßig wohlwollend und tolerant zu Sarrazin sind. Echte Konservative verurteilen den unchristlichen Biologismus, subtilen Rassismus, das Spiel mit Kampf der Kulturen, und die kruden Thesen mit Entschiedenheit. Sarrazin hilft uns nicht, das Vaterland zu behüten.

Sarrazin wärmt gefährliche sozialistische Ideologie aus dem späten 19. Jahrhundert wieder auf. Das ist nichts neues. Das ist der fatale Versuch wissenschaftlicher Weltverbesserung. Man hat gesehen, wo das endet. Kruder geht es nicht. Szientismus, Biologismus, Rassismus und Kulturen bilden gefährliche Mischung.

Es geht nicht um neutrale Fakten, sondern um die politische Botschaft von Herrn Sarrazin. Naturwissenschaften können nicht die Verhältnisse zwischen Menschen entscheiden. “Biologie ist keine politische Kategorie” (FDP Generalsekretär Christian Lindner). Sachlichkeit war Attribut des Holocaust.

Die Politikwissenschaftlerin Julia Schulze-Wessel von der (TU Darmstadt) stellte 2006 in ihrem Buch “Ideologie der Sachlichkeit” (stw 1796) über Hannah Arendt zu Adolf Eichmann heraus: “Ihr Blick verschiebt sich … auf versachtlichte Geisteshaltung” (Seite 200).

Es wird deutlich, wie fatal das Berufen auf “Sachlichkeit” ist, wie es Sarrazin verzweifel probiert! Wo das Programm dieser Irrfahrt endet, ist historisch bekannt.

Somit zeigt sich in derCausa Sarrazin, dass gerade die betonte Sachlichkeit und der versuchte Duktus rücken das Buch in Richtung von Traditionsbeständen des Rassismus des Nationalsozialismus und tragen dazu bei, ihm den Charakter einer Kampfschrift zu verleihen.

Zitat Leo Strauss 1930

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„Wir müssen wirklich ganz von vorne anfangen. Wir können ganz von vorne anfangen: uns fehlen alle polemischen Affekte gegen die Tradition (haben wir doch nichts, von wo aus wir polemisch ein könnte); und zugleich ist uns die Tradition völlig entfremdet, völlig fragwürdig.“ [Hervorhebungen im Orginal]

„Wir sind noch viel tiefer unten als die Höhlenbewohner Platons.“

Fragwürdigkeiten schwirren durch den Zeitgeist, entgeistern den guten Geist der Republik

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Streit, Zorn und Groll liegen in der Luft. Böse Schwingungen laden sich negativ auf, kreisen wie Geier umher. Wie kann der Strom an Wellen (Abtritte, Rücktritte, Austritte, umhertreten, Flucht aus Ämtern, Schwund an Vertrauen, Glaube und Treue, Abstürze und Einstürze von Banken, Abgründe, unterirdisch implodierte monströse Luftschlösser der Finanz mit Krise, drei Wahlgänge, Zoff, Umgangston, Streitsucht, pubertäres Wetteifern) friedlich in Meeresstille münden? So, dass kraftvoller Einsatz und Energieaufwand zu Segen (Shalom) würde.

Zitate zu Autorität und Unparteilichkeit: Jürgen Habermas und Hannah Arendt

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„Unparteilichkeit ist allein der Standpunkt, von dem aus genau diejenigen Normen verallgemeinerungsfähig sind, die, weil sie erkennbar ein allen Betroffenen gemeinsames Interesse verkörpern, auf allgemeine Zustimmung rechnen dürfen – und insofern intersubjektive Anerkennung verdienen. Unparteiliche Urteilsbidung drückt sich mithin in einem Prinzip aus, das jeden im Kreise der Betroffenen zwingt, bei der Interessensabwägung die Perspektive aller anderen einzunehmen.“
(Jürgen Habermas 1983)

„Autorität bedraf zu ihrer Erhaltung und Sicherung des Respekts entweder vor der Person oder dem Amt. Ihr gefährlichster Gegner ist nicht Feindschaft, sondern Verachtung, und was sie am sichersten unterminiert ist das Lachen.“
(Hannah Arendt)

“Macht bedarf keiner Rechtfertigung, da sie allen menschlichen Gemeinschaften immer schon inhärent ist. Hingegen bedarf sie der Legitimität. Macht entsteht, wann immer Menschen sich zusammentun und gemeinsam handeln, ihre Legitimität beruht nicht auf den Zielen und Zwecken, die eine Gruppe sich jeweils setzt; setzt stammt aus dem Machtursprung, der mit der Gründung der Gruppe zusammenfällt.”
(Hannah Arendt)

„Ihr Kennzeichnen ist die fraglose Anerkennungs seitens derer, denen Gehorsam abverlangt wird; sie bedarf weder des Zwangs noch der Überredung. (So kann ein Vater seine Autorität entweder dadurch verlieren, daß er das Kind durch Schläge zwingt, oder dadurch, daß er versucht, es durch Argumente zu überzeugen. In beiden Fällen handelt er nicht mehr autoritär, in dem einen Fall tyrannisch, in dem anderen demokratisch.) Autorität bedraf zu ihrer Erhaltung und Sicherung des Respekts entweder vor der Person oder dem Amt. Ihr gefährlichster Gegner ist nicht Feindschaft, sondern Verachtung, und was sie am sichersten unterminiert ist das Lachen.“
(Hannah Arendt)

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