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Eugen Drewermann zu den Folgen der Angst
Eugen Drewermann 1982 in “Psychoanalyse und Moraltheologie”:
“Nur die Angst zwingt den Menschen dazu, sein Maß zu verlieren und mehr sein zu wollen, als er ist: aus Angst Tier zu sein, muß er ein Engel werden, aus Angst, ein Nichts zu sein – ein Gott. Ein bloßer Mensch zu sein erlaubt die Angst niemals.”
Fragwürdigkeiten schwirren durch den Zeitgeist, entgeistern den guten Geist der Republik
Streit, Zorn und Groll liegen in der Luft. Böse Schwingungen laden sich negativ auf, kreisen wie Geier umher. Wie kann der Strom an Wellen (Abtritte, Rücktritte, Austritte, umhertreten, Flucht aus Ämtern, Schwund an Vertrauen, Glaube und Treue, Abstürze und Einstürze von Banken, Abgründe, unterirdisch implodierte monströse Luftschlösser der Finanz mit Krise, drei Wahlgänge, Zoff, Umgangston, Streitsucht, pubertäres Wetteifern) friedlich in Meeresstille münden? So, dass kraftvoller Einsatz und Energieaufwand zu Segen (Shalom) würde.
Die katholischen Kirchenfunktionäre und der Pein der Scham. poena oder poine?
Da heisst es nun immer: “Wir empfinden Scham” von Seiten einiger Würdenträgern. Auch Pater Klaus Mertes SJ benutzte diese Begriff. Aber Scham über exakt über was? Wieso nicht z.B. Mitgefühl mit den Opfer und deren Leid?
Was ist Scham? Wirklichen Scham empfinden schließlich nur die Opfer. Papst Johannes Paul II. schrieb: “Scham tritt in dem Moment auf, wo etws, was kraft seines Wesens oder seiner
Bestimmtheit im Inneren bleiben sollte, die Innerlichkeit der Person verläßt, um auf irgendeine
Weise nach außen in Erscheinung zu treten” (1981/1962:151).
Schämen tut sich also derjenige, der etwas zu verbergen hat.
Man schämt sich für die Taten von Gleichen (Priestern), so wie für Freunde oder die eigene
Familie oder dergleichen. Man möchte verbergen; soviel zur Aufklärung. Wie gern hätten sich
wohl die Opfer vor ihren Tätern verborgen und versteckt?
Nochmal der junge Karol Wojtyla in seinen akademischen Schriften: “…könnte man sagen, im Phänomen der Scham liege stets ein Bestreben, äußere Fakten oder innere Zustände zu verheimlichen.”
Schämen tun sich eigentlich Kinder, wenn sie für was erwischt werden, was ihr Bild bei den
Erwachsenen tangiet, also Konflikt zwischen Selbstbild und Bild beim anderen. Die Fähigkeit,
das Selbstbild des anderen zu wahren, nennt man Takt.
Fühlt man sich im Klerus ertappt wie kleine Kinder? Kann das denn reif sein?
Ist Pein nicht das treffendere Wort? Pein und Peinlichkeit, peinlich berührt, unangenehm
berührt. Wie milde doch diese aktuellen Bedeutungen klingen. Gestraft, vielleicht trifft es
das. Doch Pein http://de.wiktionary.org/wiki/Pein hat harte und nicht milde Bedeutungen.
Mißbrauchstäter sind Peiniger! Sie quälen! Dies als pädagogischen Impetus zu tarnen, ist
besonders pervers, weil es kriminelle Handlungen hinter Normalität versteckt.
“Peinliche Befragung” http://de.wikipedia.org/wiki/Peinliche_Befragung war eine Begrifflichkeit
für Folter!
Zu zeigen, man erleide verdientermaßen inneren Pein über die Zustände, wäre stimmiger, als mit dem Verweis auf das Gefühl von Scham, das eine Art Universalie ist, was eine Form
klammheimlicher Verbrüderung mit allen anderen ist, die Scham empfinden, also mit jedem.
Ein Kleriker hat nicht kindlichen Scham über Straftaten zu empfinden, die er nicht begannen hat und bei dennen er nicht selbst ertappt wurde. Denn das kindische Gehabe wird der Pein derer nicht gerecht, die als Kind Opfer von Mißbrauch unter Anzeichen Zeichen kirchlicher Autorität geworden sind.
Der Rekurs auf Scham kann als ein weiteres Anzeichen für Überforderung gelten.

