Archiv für die Kategorie ‘Adorno’
Sarrazin, die Gruppen und Kollektive, und was Adorno konstatierte
Adorno, Vorlesung 15.12.1964: “Die Kategorie der Volksgeister als Kollektivindividualitäten kommt dem Bedürfnis der Konkretion von Besonderem und Allgemeinen sehr entgegen, ist aber andererseits ein Pseudokonkretum. Die Allgemeinheitsstufe des Volkes, der Nation wird wie ein Individuum behandelt und hypostasiert, sogar zu einem in sich Wesentlichen gemacht.”
Quelle: “Zur Lehre von der Geschichte und von der Freiheit”, Suhrkamp 2006 & 2001, stw 1785; ferner Nachgelassene Schriften, Vorlesungen Band 13,
Darf man als Christdemokrat die “Frankfurter Schule” zitieren?
Dank Franz Böhm, Walter Wallmann, Ministerpräsident Jürgen Rüttgers und dem Papst dürfen Christdemokraten mit Segen “Frankfurter Schule” zitieren!
0. Adorno stand im Austausch mit Arnold Gehlen
1. Franz Böhm (CDU) war im Beirat des Frankfurter “Institut für Sozialforschung”.
2. 1983 verlieh der Frankfurter Oberbürgermeister Walter Wallmann (CDU) Jürgen Habermas den Adorno-Preis
3. Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) verlieh an Jürgen Habermas den Staatspreis NRW
4. Als amtierender Präfekt der Glaubenskongregation traf sich Kardinal Ratzinger, der gegenwärtige Papst, mit Jürgen Habermas in der “Katholischen Akademie” in München.
5. Adorno hatte auch mal eine “katholische Phase”.
6. Horkheimer, Adorno und Habermas verweisen immer regelmäßig auf den Thomismus. Auch der deutsche Thomist David Berger stellt die Wertschätzung von Jürgen Habermas für Thomas von Aquino heraus.
7. Ordoliberalismus heisst eben ORDO-Liberalismus
Christdemokratie bedeutet zuerst Ablehnung des Faschismus und Verteidigung der bürgerlichen Gesellschaft. Von daher ist die Marschroute klar.
Angela Merkel und Adorno
Wunderbare Textstelle dank Theodor Adorno und Max Horkheimer aus “Dialektik der Aufklärung”, die toll auf Bundeskanzlerin Frau Dr. Merkel passt, die oft unterschätzt bzw. präziser falsch eingeschätzt wurde:
“Die List, die darin besteht, daß der Kluge die Gestalt der Dummheit annimmt, schlägt in Dummheit um, sobald er diese Gestalt aufgibt. Das ist die Dialektik der Beredsamkeit.” (Seite 76)
Vielleicht kommt man Frau Dr. Merkel besser mit Elementen aus der Analyse von Adorno & Horkheimer über Odysseus auf die Spur als mit den Attributen Physikerin und Naturwissenschaftlerin.
Dass sich Deutschland so angerührt zeigt bei der Organspende von Frank Walter Steinmeier, dokumentiert wohl etwas, was u.a. bei Merkel fehlt. Die Leute wollen Leben und Lebendigkeit, nicht nur Kalkül und Berechenbarkeit. Um hier Adorno und Horkheimer als Kontext einzubringen: “Solche Anpassung ans Tote durch die Sprache enthält das Schema der modernen Mathematik.” (Seite 68)
Was macht Judith Butler zwischen Gender und dem Sexus bei Adorno?
Negiert Gender mit neutralem Sein nicht den Sexus? Adorno schrieb 1963: “Der Sexus wird als sex, gleichsam eine Variante des Sports, entgiftet; was daran anders ist, bleibt ein allergischer Punkt.” Wie löst Judith Butler bloß dieses Problem?
Fragwürdigkeiten schwirren durch den Zeitgeist, entgeistern den guten Geist der Republik
Streit, Zorn und Groll liegen in der Luft. Böse Schwingungen laden sich negativ auf, kreisen wie Geier umher. Wie kann der Strom an Wellen (Abtritte, Rücktritte, Austritte, umhertreten, Flucht aus Ämtern, Schwund an Vertrauen, Glaube und Treue, Abstürze und Einstürze von Banken, Abgründe, unterirdisch implodierte monströse Luftschlösser der Finanz mit Krise, drei Wahlgänge, Zoff, Umgangston, Streitsucht, pubertäres Wetteifern) friedlich in Meeresstille münden? So, dass kraftvoller Einsatz und Energieaufwand zu Segen (Shalom) würde.
Adorno über die reale Praxis von Diskurs, Dialog und Diskussion zur Zeit der lieben “68er”
Theodor W. Adorno machte zu seiner Zeit ganze eigene Erfahrungen. Denn 1968 herrschte keine “herrschaftsfreier Diskurs”, wie ihn Jürgen Habermas später als Konzept entfaltete:
„Gibt der Kontrahent nicht nach, so wird er disqualifiziert und des Mangels eben der Eigenschaften bezichtigt, welche von der Diskussion vorausgesetzt würden. Deren Begriff wird ungemein geschickt so zurechtgebogen, daß der andere sich überzeugen lassen müsse; das erniedrigt die Diskussion zur Farce. Hinter der Technik waltet ein autoritäres Prinzip: der Dissentierende müsse die Gruppenmeinung annehmen. Unansprechbare projizieren die eigene Unansprechbarkeit auf den, welcher sicht nicht will terrorisieren lassen. Mit all dem fügt der Aktionismus in den Trend sich ein, dem sich entgegenzustemmen er meint oder vorgibt: dem bürgerlichen Instrumentalismus, welcher die Mittel fetischisiert, weil seiner Art Praxis die Reflexion auf die Zwecke unerträglich ist.“ (Seite 180-181)
Das Zitat entstammt dem Aufsatz „Marginalien zu Theorie und Praxis“ (1969) und ist dem Suhrkamp Bändchen “Kritische Modell 2″ von Adorno entnommen.
Hier noch ein Link auf ein Foto vom Adorno Denkmal.
Ernst Cassirer: Der Schluss seines Werkes “Vom Mythus des Staates” (1945)
“Die Mächte des Mythus wurden durch höhere Kräfte besiegt und unterworfen. Solange diese Kräfte, intellektuelle und moralische, ethische und künstlerische, in voller Stärken stehen, bleibt der Mythus gezähmt und unterworfen. Aber wenn sie einmal ihre Tärke zu verlieren beginnen, ist das Chaos wiedergekommen. Dann beginnt mythisches Denken sich von neuem zu erheben und das ganze kulturelle und soziale Leben des Menschen zu durchdringen.” (Seite 390)
Verlag Felix Meiner 2002
Sachdienliche Hinweise zur hermeneutischen Meditation von den “Meistern”: Leo Strauss und Seth Benardete
„There is only the surface and the surface is the heart of things. Depth is an Illusion“
(Seth Benardete)
„The problem is inherent in the surface of things, and only in the surface of things, is the heart of things.“
(Leo Strauss, in: “Thoughts on Machiavelli”, S. 13)
„A ,golden Sentence’ by Leo Strauss“
(Seth Benardete, Review of „City and Man“ by Leo Strauss)

