Archiv für die Kategorie ‘Guttenberg’
Nicht jeder “Fehler” ist ein reines Mißgeschick
Dieser Tage wird immer noch oft von “Fehlern” gesprochen. Fehler sind wie Mißgeschicke. Mißgeschicke passieren jedem mal oder können jedem passieren, genauso wie auch seine Stärken und Schwächen, seine Möglichkeiten und Grenzen hat. Das gehört zum Wesen des Menschen. Das kann man selbstverständlich niemandem absprechen, denn es ist natürlich. Auch passieren Fehler, weil das Leistungsniveau oder einfach Handeln und Verhalten, sei es in der Schule, im Beruf oder im Privatleben, nicht immer identisch ist, sondern schwankt. Dabei spielen meistens auch externe, also äußere Faktoren eine Rolle.
Jedoch stellt sich darüber hinausgehend die Frage, ob in manchen Situationen oder von Personen, bei denen hinterher von “Fehler” gesprochen wird, bei den fraglichen Sachverhalten das richtige Ziel anvisiert wurde. Wenn Unwissenheit – und im Beruf, den man ausübt, für den man ausgebildet ist, dort ist ein Verfehlen der Anforderungen und ein Versagen – und erst recht, wenn man Berufspolitiker oder hauptberuflich Politik macht oder zudem noch Jurist ist – weitaus schwerwiegender und problematischer als in anderen Bereichen – über die richtigen Ziele besteht, ist das eine ganz andere Situation, als wenn man z.B. aus Ungeschicklichkeit Tippfehler macht oder versehentlich unter Stress Rechtschreibfehler macht. Denn die richtige Schreibweise ist feststehend.
Wenn jemand notorisch ungeschickt ist, steckt vielleicht ein Muster dahinter, welcher weitergehender ist, als dass es sich bloß um eine serielle Aneinanderreihung von “Fehlern” handelt, die bloße Einzelfälle sind. Dann geht es auch die Persönlichkeit, ihre Festigkeit und Ausrichtung, um die Setzung von Prioritäten, um Entscheidungsprämissen, um die Vorbilder, die man hat oder das man selbst ist, um die eigene Urteilskraft und Urteilsfähigkeit, um die Willenskraft dieser Person, um das Rechtsbewusstsein und Kenntnis und Achtung der Sitten, um die Achtung vor den Gesetzen und den Mitmenschen, die von diesen Gesetzen geschützt werden und die Güter des Gemeinwesens, seien sie ideller oder materieller Natur.
Ferner stellt sich die Frage, wer und wesen Güter und Rechtsgüter durch Fehler oder Versagen geschadet und beschädigt wurden. Dann wird Wiedergutmachung und das Begleichen der entstandenen Schulden – seien sie rechtlicher, moralischer oder finanzieller Natur – zum Thema.
Bei vorsätzlichen und absichtlichen Fehler sind die Dinge nocheinmal anders zu betrachten und zu bewerten. Und diese Dinge sind dann eben nicht menschlich oder natürlich, sondern Teil der boshaften und sündigen Natur jenes Menschen, seiner destruktiven und dysfunktionalen, patholischen Seiten.
Bei Politikern und Staatsdienern insgesamt können ihre pathologischen Seiten ihrer Persönlichkeit, ihres Handelns und ihres Verhaltens nicht nur ihnen selbst, sondern pathogen, d.h. krankmachend, vielen Schaden bereiten und sie schädigen. So werden auch direkt unbeteiligte Dritte ebenfalls getroffen und mitbeschädigt, finanziell wie von der Wirkungsgeschichte dessen, was sich ereignete. Problematische und gefährliche Pfadabhängigkeiten sind zu heilen. Denn die Geschichte und das 20. Jahrhundert belegt und dokumentiert, wohin dies führen kann.
Ein Zitat des Politikwissenschaftlers Colin Crouch aus einem Buch zu “Postdemokratie” (Deutsch Suhrkamp 2008)
Crouch stellte in England fest: “Wir haben uns daran gewöhnt, daß Politiker nicht wie normale Menschen sprechen, sondern aalglatte ausgefeilte Statements von sich geben, die einen ganz eigenen Charakter haben.”
Desweiteren führt Crouch aus: “Da sie nicht in der Lage sind, Autorität und Respekt zurückzuerobern, die man ihnen einst entgegenbrachte, und da es schwierig für sie ist, herauszufinden, was die Bevölkerung eigentlich von ihnen will, greifen sie auf die bekannten Techniken der politischen Manipulation zurück … des Showbusiness und des Marketing.”
“Achtung” (Danger) vor Wulff: Wulff ist gefährlich
Was Angela Merkel sagt: “… Achtung vor Wulff”. Das ist Warnzeichen. Achtung ist ein Warnzeichen. Sie warnt uns vor ihm. Wulff ist gefährlich … Das unterstreichen auch alle öffentlich bekannt gewordenen Indizien. Er ist ein psychisch und im Privatleben labiler Machtmensch, ein Kontrollfreak, der zwischen Kalkulation und düsteren Leidenschaften hin und herschwankt, der enorme Angst vor Bürgern und Presse sowie der Wahrheit hat.
Fall Guttenberg: Wissenschaftsbetrug ist kein “Kavaliersdelikt”
China hat ein riesiges Problem mit Abschreibungen und Täuschung in der Forschung. Direktheit, Ehrlichkeit und Geradlinigkeit, das braucht die Politik. Dieser Kommunikationsstil macht die Stärken des Westens in Industrie, Organisation und Produktionaus. So, wie man unter Erwachsenen umgeht. Was Guttenberg unter Entschuldigung versteht, entspricht der Situation eines kleinen Kindes. Für dies müssen die Eltern da ein, daher eine Entschuldigung des Kindes annehmen. Er muss seinen Mann stehen und die Konsequenzen tragen.
Wir müssen zu Leistungsbewusstsein ermutigen, nicht zu Betrug. Das ist bürgerliche Politik und dafür steht der Rechtstaat. Betrug und Täuschung darf sich nicht lohnen. Lasche 68er Mentalität ist hier nicht gefragt und ewig-verständnisvolle “Allesversteher”. Wo sind wir denn? Disziplin und Ordnung sind zu verteidigen. Wenn alles erlaubt ist, löst sich die soziale Ordnung auf.
Der Junge ist fast straffällig geworden. Das ist damit fast, ja es ist pathologisch! Das spricht doch nicht für ihn, trotz Wohlstand solche Gefahren einzugehen. Rechnet er positive Diskriminierung, quasi Klassenjustiz zu seinen Gunsten, vorab schon ein?
Er ist auch nur eine arme Sau, die renommieren muss. Mitleid ist hier aber nicht gefragt. Es geht um Leitentscheidungen für Deutschland, um unsere Zuverlässigkeit. Deutsche Wertarbeit muss auch bei Jurapromotionen gelten. Frei aus dutzenden Qullen ohne Zitierung zusammengeschustert und dann noch überführter Betrug und Täuschung der Öffentlichkeit einschließlich Realitätsversucht ist in der Spitzenpolitik untragbar.
Wer nicht widerspricht, stimmt schon fast zu. In manchen Dingen genügt es nicht, eine nur private, für sich zu behaltene Meinung zu haben. Das ist eben Stellung zu beziehen und sich zu entscheiden. Das hat man nciht mehr die Wahl, ob man das tut oder nicht. Es gibt Situationen, in der das nicht mehr frei wählbar ist.
Es steht nur nicht unter Strafe, da keine eidesstaatliche Versicherung Teil der Doktorarbeit ist, sondern nur eine “ehrenwörtliche Erklärung.” Er hat über seine eigene Leistung getäuscht und den Titel zu Unrecht geführt.
Sein Verhalten war sozial schädlich – für ihn selbts. Das ist das Kriterium für pathologisch. Normativ ist das alles ein Desaster. Das muss auch klar gesagt werden.
Der Juristenstand kann hier nicht die letzte Hoheit haben. Guttenberg hat gegen Sittennormen und Normen der Wissenschaft verstoßen. Das ist belegt. Darum ist ein Betrüger. Er hat erheblichen Aufwand getrieben. Der Aufwand schließt ein, diesen Betrug jetzt noch zu relativieren und kleinzureden.
“Wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein”
Wer sich des biblischen “Wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein” bedient, sollte mit bedenken, dass damals echt gesteinigt wurde. Außerdem bezug Jesus dies auf Ehebruch und einen Mob.
“Wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein” kann nicht in der Form ausgelegt werden, nur doch derjenige, der sich selbst gar nichts moralisch oder sonstwie vorhalten lassen könnten – also mithin perfekt oder gottgleich wäre, dürfte politische Urteile über Sachverhalte äußern. Gerade weil Menschen nicht perfekt sind, ist Meinungsaustausch über die daraus erwachsenen Folgen doch nötig.
Karl Theodor zu Guttenberg ist nunmal ein Fall für einen Psychoanalytiker
Guttenberg, ein gestandener Mann, lässt sich vor unseren Augen auf kleinliche, penibliche Wortklaubereien, juristische Feinheiten und Relativierungen ein. Diesen Feinsinn hätte er mal in seiner Doktorarbeit, die in “mühevollster Kleinarbeit” entstand, zeigen sollen. Guttenberg sollte sich mal auf die Couch legen lassen. Im Münchener Raum soll es doch so viele klassische Psychoanalytiker geben. Am Geld kann es wohl nicht scheitern.
Zweite Chance bei der Boulevardpresse?
In der Boulevardpresse hat jeder seine zweite Chance verdient. Das ist das sogar Geschäftsprinzip. Ob Guttenberg Zustimmung genießt ist nicht relevant, wenn Guttenberg einfach nicht ganz klar ist und schädliche Mängel an persönlicher Reife und Eignung hat.
Das ganze ist eine Farce. Guttenberg wäre nicht zuerst den Bürgern verpflichtet, sondern denen, die ihm geholfen haben, sein selbst verschuldetes Dilemmata halbwegs zu kitten.
Für welche politischen Felder steht er denn und wo hat er Sachkompetenz? Er ist ersetzbar. Gefragt sind leider vor allem seine Fähigkeit zum schönen Schein und zu täuschen.
Zu Guttenberg floh selbst aus dem Bundestag
Guttenberg hätte außerdem sein erworbenes CSU Bundestagsmandat trotz des Rücktritts als Verteidigungsminister behalten können und eine mehrwöchige Auszeit nehmen sollen. Diese hätte er auch verlängern können. Er hätte sich auch schlicht krank melden können.
Jetzt tut er womöglich noch als nächste so, man lasse ihn, den in den USA anerkannten “distinguished statesman” in Deutschland nicht in die Politik zurück.
Lektion Guttenberg
Diese ganze Sache mit Guttenberg, der keine Ruhe geben will, und nun wieder zu glänzen versucht, ist gelinde gesagt äußert unangenehm und ärgerlich.
Er hat sich als Idol für die Jugend stilisiert und schneidige Reden vor der Jungen Union gehalten (JU Deutschlandtrefen 2010). Das nehme ich ihm besonders übel.
Show ersetzt keine solide, geduldige Arbeit. Mit guter Nachwuchsförderung lässt sich jedes Problem an Nachwuchs beben. Diverse übliche Klagen kann ich nicht verstehen. Schon gar nicht ist die Lage aussichtslos.
Nur weil es an klassischen Transatlantikern fehlt, kann es doch keinen Persilschein geben für die Vergehen von Guttenberg geben. Und dann lässt sich Guttenberg jenseits des Atlantiks auch noch despektierlich und illoyal über die Führung in Deutschland aus. Politische Arbeit ist mühsam und kleinteilig. Sein unbestrittenes Showtalent hat die politische Alltagsarbeit – ob auf kommunaler oder auch auf Landesebene – tendenziell entwertet.
Guttenberg: Dreck bleibt Dreck
Der Dreck bleibt Dreck
Herr zu Guttenberg ist ein Blender, ein Gernegroß, ein Angeber und Täuscher, welcher hochgradig unseriös und nicht belastbar ist. Er ist ein von der Wissenschaft und Öffentlichkeit überführter Betrüger. Sein Talent ist demagogischer Natur, die Massentäuschung, das Spiel mit Inszenierung und Illusion.
Was Guttenberg produziert hat, ist intellektuell Dreck, es ist charakterlich Dreck, und war politisch ob der Verantwortung im Amt Dreck, auch seiner Partei und den Bürgern gegenüber. Und am Ende hat er die gefallenen Soldaten noch mißbraucht, obgleich diese einen anderen Dienstherren als ihn verdient gehabt hätten.
Disziplin lässt sich nicht einfordern, wenn der Chef eigenständiges Arbeiten und Einhaltung der Regeln als Spielmasse betracht, die mit erlogenen “ehrenwörtlichen Erkläerungen” versichert wurde. Stattdessen hat Guttenberg sich bereichert, es sich einfach und leicht gemacht. Die Bundeswehr nimmt in Afghanistan an einem Kriegseinsatz teil. Viele Soldaten sind außerhalb der Heimat stationiert.
In der aktuellen Krise sind Typen wie Guttenberg Gift und eine Verstärkung der Krise. Wer ihn als Therapie und Heilung empfielt, der irrt.

