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Frühling der Bürgerlichkeit?

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Richard Ford zu 9-11: Viele Afghanen wissen gar nicht, was Bilder von WTC Einschlag bedeuten

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Der amerikanische Schrifsteller Richard Ford: “Neun von zehn der afghanischen Kämpfer hatten jedoch weder eine irdische Vorstellung von 9/11 noch die leiseste Ahnung, was diese Fotos zeigen. (Sollten sie es nicht wissen?)”

Geschrieben von edomblog

13. September 2011 um 01:35

Geknechtete Gymnasiastenherrlichkeit: “Bildungbürger” und zitierte Lyrik von Goethe

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Der säkulare Nationalist und Sozialist Sarrazin (SPD) Goethe sei Dank ein Bildungsbürger?
In einem “Debattenbeitrag” auf Spiegel Online schreibt Matthias Matussek mit doch deutlich weniger Distanz als es gekonnt Frank Schirrmacher tut über den sozialistischen Volkswirt Thilo Sarrazin (laut DVA: “Fachökonom”; jahrzehntelang SPD Mitglied): “Hier auf dem Podium saß ein Bildungsbürger, der in seinem Buch immer wieder auf die glücklichen Lektüre-Erlebnisse seiner Kindheit zu sprechen kommt.”

Ein toller Verdienst der Medien? Kein “Tabu” mehr? Das Beispiel Leitkultur
Matussek vertritt die These, es habe “vor vier Wochen” noch “als Tabu” gegolten, geläufig vom Leitkultur zu sprechen, wie Sigmar Gabriel es jetzt tat. Nun hat aber Sigmar Gabriel nicht von Kultur gesprochen, sondern der SPD Bundesvorsitzende Gabriel hat lediglich die Grundrechte-Artikel unserer bundesdeutschen Verfassung, d.h. das, was Gesetzeskraft hat, was Paragraphen und Artikel sind, mustergültig.

Selbstgenügsame Kontemplation der versammelten Bildungsbürger
Auf die Frage, ob er sein Talent (zur Provokation) geerbt habe, habe Sarrazin geantwortet “Ach, Sie wissen doch, dass alles eine Mischung aus Erbe und kultureller Formung ist.” Für Matussek löst nun die stille Übereinkunft zwischen selbsternannten Bildungsbürgern die Probleme auf. Uns berichtet Teilnehmer Matussek urteilend, Sarrazin “… hatte damit die entscheidende Kampflinie seines Buches im Konversationston entschärft.” Nur bleibt die Frage, ob die Kampflinie, die die Kampfschrift von Sarrazin mit ihrem inhaltlichen Geltungsanspruch aushob, nicht nur mit einem bildungsbürgerlichen Trugreigen “entschärft”, sondern ob sie auch aufgehoben ist? Denn die eigentliche Moral der Geschichte ist die selbstgenügsame Kontemplation der versammelten selbsternannten Bildungsbürger. Der für den Text bezeichnende Passus lautet:
“Ein Publikum, das empfänglich zu sein schien für den bitteren und melancholischen Abschiedston Sarrazins, den er selber ‘Deutschland im Abendlicht’ nannte. Hier auf dem Podium saß ein Bildungsbürger, der in seinem Buch immer wieder auf die glücklichen Lektüre-Erlebnisse seiner Kindheit zu sprechen kommt. Übrigens der einzige, der in Plasbergs Sendung Goethes Spätgedicht “Wandrers Nachtlied” rezitieren konnte.”

Nun, wissen wird doch, dass es tatsächlich “Ein Gleiches” war, welches in “Deutschland schafft sich ab” (Seite 391) und bei “Plasberg” in der ARD lief. Gewiss, schon Bultmann riet Gadamer, warten Sie, irgendwann entdecken Sie Goethe. Doch wie sagt Gadamer: “Ob wir alle noch zu sehr Anfänger im Hören dieser Dichtung sind?”

Terminologie: Bildungsbürger werden die neuen Spießgesesellen
Hinter dieser trügerischen Friedlichkeit von Bildung und Bürger verschwindet die Aggression und die vernehmbare hermeneutische Gewalt, welche die betrachtete Kampfschrift von Sarrazin auf Deutschland erklärtermaßen ausübt. Sicherlich mögen Sarrazin und Matussek sozial oder vom Salär “Bildungsbürger” gesehen, sozusagen im gewöhnlichen, im allgemeinen Sinne sein oder könnten es. Weil sie jedoch gemein statt allgemein sind, vermögen beide es nicht, diesen Anspruch auf Geltung auch kulturell ausfüllen und einen kulturellen Anspruch für das Bildungsbürgertum in Deutschland normativ und politisch oder publizistisch auch mit dieser Art durchsetzen zu können mit ihrer Weise.

Denn die Frage ist doch, wer hier inkludiert ist und wen die Exklusion trifft bei der sozialen Klasse “Bildungsbürger”. Für Sarrazin hängt die Frage, wer Bildungsbürger wird, davon ab, wer mit wem schläft. Der Rückzug von der republikanischen Aktivbürgerschaft, der Beamten wie Publizisten gemein ist, schlägt das römische Erbe von Hannah Arendt zu Gunsten von Kontemplation aus. Die Frage ist, ob die dort, in der Urania in Berlin versammelte Gesellschaft von Herren nicht weit weniger eine vorzeigbare Ansammelung freier Bürger und frei gebildeter Bürger war, sondern eine von jener Namen ist, die unlautere Knechte ihrer Bildung und der dazugehörigen alten Herren und einer verwunschenen Gymnasiastenherrlichkeit sind.

Die Sache mit dem zeugenden “Fick” und und die Praxis der Vererbung. Nöte “treudeutscher” Männer am Beispiel Fall Sarrazin?
Nur weil man vielleicht mal die Fresse von Türken oder Arabern hat poliert bekommen, darf niemand ein Biologist und Rechtspopulist werden. Derneue Betroffenheitskult vom “Stamme nimm Sarrazin”, welcher private Angst und Rache, der trotz “Fit for Fun” und der quälenden Askese des Joggens und der Fitness, sich elendig fühlt, sich körperlich und kulturell den “Muskelmigranten” aus dem Morgendland und ihrem Muzzein knechtisch und kriecherisch unterlegen fühlt, da gilt, dass private Neurosen und deren Psyche sozial kein Anrecht auf öffentliche Vernunft und die Räson der res publica haben. Weder die Phantasien von Vorstadtmüttern noch ihre uferlosen Ängste bestimmen nicht die Staatspolitik der CDU. Gemeinsam Ängste steigern schadet, gemeinsam Sorge zu tragen, das hilft. Eine Steigerungsspirale führt am Ende in den Abgrund.

Attraktive “Muskelmigranten”?
Die Monströsität in der Resonanz, die Sarrazin tief im Inneren mancher erfährt, stammt wohl auch aus dem Erschaudern über die klammheimliche patricharchiale Attraktivität, aus Unterwerfung, die derer von Heidi Klum ähneln könnte, die bestimmt wie eines ihrer tollen Mädels gekichert haben muss, als ihr zukünftiger Gemahl Seal in sportiver Kleidung im Hotel begegnet sein soll. Die Macht von Statur und Gemächt, sie evoziert Strömungen im Unterbewusstsein.

Schieben die Männer nicht eigentlich alles auf die Fertilität der Frauen ab?
Wofür ist Demographie die Chiffre? Einseitig wird von Geburten und Fertilität der Frauen gesprochen! Aber wieviele Männer zeugen wieviel Söhne? Auf dem Land sind das handfeste Probleme. Schließlich muss einer den Hof erben und fortführen. Und auch die Tradition muss weitergegeben werden.

Südländer und der richtige Chic bringen es: “italiens do better”?
Haben deutsche Männer etwa Angst, es ihren Frauen nicht (mehr) so gut besorgen zu können, wie Türken und Arabern ihren Weibern? Oder ist es die Angst deutscher Männer vor den attraktiven Migrantinnen, die viel figurbetonter und viel weiblicher gekleidet sind als viele ein wenig wurstige oder aberu auch ungesund dünne Frauen ohne Kurven, die “autochthon” und “deutsch” sind? Kurven stehen über den Zahlen von Sarrazin.

Die Welt ist heterogen und hybrid: Voller Bastard! Nichts ist im “Echttest” reinrassig!
Identität und Erbgut sind stets hybrid. Keine Züchtung ist rein. Gegen den Furor der Reinheit hiflt auch die Lektüre von Philip Roth “Human Stain” (“Der menschliche Makel”) oder Gerd Koenen (u.a. “Utopie der Säuberung”).

Sarrazin ist lutherisch und anti-westlich, nicht calvinistisch und bürgerlich
Im “religionssoziologischem Schematismus” von Müller-Armack ist es der Calvinismus, der auf die “Aktivierung des Laien” setzt, auf “freies Bürgertum”, auf “privates Unternehmertum”. Und Sarrazin, er ist doch lutherisch, eben nicht “westlich” oder “Westernisierung”, denn er setzt(e) auf Verbeamtung. Die Perspektive von Sarrazin. Müller-Armack weist dem Luthertum den “Cameralismus”, die Perspektive “Staat von innen gesehen” zu, bennent “Finanzwissenschaft” und “Themen der Staatspraxis und der vergleichenden Staatenkunde” als Kennzeichen des Luthertums. Offenbar führt die Tradition dieser Spur bis zu Sarrazin.

Den Freunden der “modischen Zivilkleidung” sei gesagt, das Müller-Armack diese dem Calvinismus zuordnete. Beim Katholizismus sah er historisch “ständische Kleidung”. Während das Luthertum eben für den “Staat von innen gesehen” stünde und für “Tendenz zur Bildung individueller Weltanschauung” sowie “regt einfühlende und historische Betrachtungsweise an”, bedeute hingegegen der Calvinismus “Staat vor das Forum der Vernunft und der Bibel gestellt” statt “Staat von innen gesehen”.

Die Ernte, die Sarrazin aussät, sie ist verseucht. Gegen die Plagen, die uns nerven, hilft nicht das Programm von Selbstsabotage und kulturellem Selbstmord, welches Sarrazin als typisch deutscher Pflichtdienst am Untergang vorexerziert.

Mensch Mattussek, da schreibt man schon Bücher über den Wert des Vaters und des Mannes und dann fuhr der Sprößling auf Jay-Z ab. Hilft da der gute alte Goethe? Mehr Licht!?

Wiederausgabe (17.7.): Disney Girl Miley Cyrus und der Weg von Lady Gaga

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Erstens
Sex-Symbol? – Was ist das für Amerikaner? Wen interessiert überhaupt Sex, wenn es doch eigentlich um Schönheit gehen sollte?
Die klassische These lautet: Viele Amerikaner (und nicht nur die) verwechseln notorisch Reinheit mit Schönheit. Paradebeispiel dafür ist Heidi Klum, total langweilig (und schulmeisterlich).
Bei gegebener Reinheit schauen sich sogar puritanische Amis dann Dessousshows aan, die mit Engelselementen garniert werden. Schon Marylin Monroe war blond und trug weiß. Es ging jedoch weniger um Sex geht es als vielmehr um ein langweilges Spiel mit Reinheit und Unschuld seinerzeit. In der Gegenwart führte Britney Spears dieses Stück vor. Von Erotik oder Sinnlichkeit ist das alles Meilenweit weg. Die Musik verbleibt auf dem Niveau einer Kindersendung.

Zweitens
Tiergestalt und Animalität – schon interessanter, aber keineswegs positiv. Was sollen diese riesigen schwarzen Flügel an den Armen bitte? Ein gefährliches Tier anstelle eines heilen Engels? Was für archetypischen Projektionen sollen hier angeregt werden, um mehr aus diesem einst braven Babyface zu machen? Ist ein Kind gefährlich? Was für Wesen sind Kinder?

Drittens
Atlantic spricht davon, dass „Wired is the new sexy“ sei. Gemeint ist wohl Konfusion. Und Zerstörung, wie man bei Lady Gaga sieht. Es spiegelt irgendwo einen Zustand Amerikas wieder: Konfusion und Gefangensein, Zerstörung und Selbstzerstörung. Wo ist die Sehnsucht nach Befreiung? Steht dafür z.B. mehr Ron Paul oder aber die wilde, transformierte, sogar tumultartige “Tea Party” Bewegung ein? Auch wird klar wie bei Gaga zuletzt etwas vom Heterogenem ins Spiel gebracht, d.h. von der „unreinen Seite des Sakralen“. Haben die im Seminar brav „French Theory“ und George Bataille gelesen?

Viertens
Emanzipation: „Disney stars are tired of being puppets“, wohl kaum, es bleibt Kulturindustrie und Recyling von Abfall, also immer nur gleiches in Wiederholung. Eine Frau ist heute schon „emanzipiert“, wenn sie etwas Weiblichkeit – vorzugsweise körperlich – zeigt bzw. anbietet, dem Voyeurismus feilbietet? Statt wohin ist man nur von was emanzipiert, so dass das Altern schon reicht. Wo ist da insgesamt eigentlich die Kunst und das Werk am Kunstwerk oder die Künstlerin? Es ist halt nur Musik für das Volkstum, also Pop. Statt frivol, wie Atlantic meint, ist das ganze im Grunde einfach nur eine obzsöne Angelegenheit, weil es in seinen Implikationen reichlich widerlich und widerwärtig vor Armut und Elend ist.

Dieser Text erschien am 17.7.2010 in ähnlicher Ausgestaltung in diesem Blog und zuvor im sozialen Netzwerk Facebook. Der Suhrkamp Autor Tobias Rapp fragt zu den “Guttenbergs” im SPIEGEL: “Komm zu mir, Baby, wir sind anders”. Sind wir anders? Wie ist die moderne bürgerliche Christdemokratie? Wo ist der Unterschied zwischen sozialistischer Kulturkritik in der Maske des Bildungsbürger (Sarrazin) und womöglich präbürgerlicher Kunstkritik des Adels als einstigem Machträger? Neben der Kategorie “Geschichtsbewusstsein” ist die Kategorie “Klassenbewusstsein” zu reintegrieren.

Rezension von “Edomblog” bei Amazon.de zu “Deutschland schafft sich ab” von Thilo Sarrazin (SPD, “Fachökonom”)

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Verlotterte Wortwahl
Sarrazin führt auf Seite 1 bereits kämpferisch die Beschreibung „Fäulnisprozesse“ ins Feld und verurteilt im Grunde eine angeblich unzureichende „Sehschärfe“ der Institutionen, also Staat, Verwaltung, Volk, Wissenschaft und Bürgertum als „getrübt“. Nach dieser Logik könnte dann nur Sarrazin der nationale Retter sein, der die Wende bringt.

Flotte Wortwahl, aber inhaltlich unsachgemäß
Sarrazin (Seite 393) bringt arrogante & perfide Sätze wie: „Was uns fehlt, füllen wir teilweise mit anatolischen Bauern… auf.“ Hat der (Stadtmensch) Sarrazin ein Problem mit Bauern?
Und die deutschen Bauern brauchen tatkräftige Arbeitskräfte. Es ist ein politisches Problem, dass die Struktur von Wirtschaft, Recht und Sozialabgaben eine rentable Entlohnung für alle hinderlich ist. Spezialisierung ist normal im Prozess der Arbeitsteilung. Es kommt darauf an, die Rahmenbedingungen günstig für alle zu optimieren.

Sagt Sarrazin die Wahrheit?
„Wir nehmen es als unvermeidlich hin, dass Deutschland kleiner und dümmer wird“ (Seite 17). Die Frage ist nur, inwieweit der Text Sarrazin lügt, nicht ob der Text von Sarrazin legt. Unzählige Menschen setzen sich jeden Tag für ein anständiges und besseres Deutschland ein. Niemand, außer Fatalisten, nimmt etwas hin, was auch nur annährend etwas mit diesem Satz zu tun hätte.

Absurditäten
Sarrazin betreibt Propaganda & Hetze, wenn er behauptet, die „bürgerliche Mitte“ (Seite 391) werde in Deutschland bekämpft!

Freche Lügenmärchen über die Geschichte der Menschheit
Schon in Fußnote 4 will Sarrazin (2010:411) so „goldenes Zeitalter“ aufzählen. Aber es sind überwiegend dekadente Feudalsgesellschaften mit Ausbeutung, Sklaverei und Leibeigenschaft (Ägypten, Rom, Hochmittelalter, absolutistisches Frankreich) oder aber das Zeitalter von Imperialismus und expolosiven sozialen Problemen (Britisches Empire 1815-1914 und Deutsches Kaiserreich 1871-1914). Preußen vor Bismark fehlt. Und das antike Athen und die gelobte „griechische Antike“. war eine zutieft rassistische und frauenfeindliche Veranstaltung. Das ist heute faktisch der Konsens in der Forschung, nicht nur an allen Eliteuniversitäten weltweit. Marx hatte Athen und Rom ohnehin zutreffend als „Sklavengesellschaften“ klassifiziert. Sarrazin benutzt hier die klassischen Maßstäbe von historischer Esoterik und spiritualistischen Geschichtsschreibern.

Das geteilte Deutschland und die BRD als „goldenes Zeitalter“?
Historisch ein Fehlurteil ist die isolierte Betrachtung von Westdeutschland und die bräsige Behauptung, es handele sich bei ihr um ein „goldenes Zeitalter“. Das vereinte Deutschland zählt. Das größte Glück war die Einigung Deutschland mit der Wiedervereinigung und das Ende des Kalten Krieges der Blöcke. Das zählt.

Volkswirt Sarrazin wissenschaftlich abgedreht
Sarrazin ist lächerlich! Auf Seite 396 räumt Sarrazin ein, für die nächsten 100 Jahre „Nettoreproduktionsrate“ wie letzten 40 Jahre zu unterstellen.

Unverantwortlich
Es ist unverantwortlich, dass Sarrazin Kinderreichtum fordert, gleichzeitig religiöse Mensche mit vielen Kindern als Verführte denunziert, die quasi Kindergeld abstaubten.

Sarrazin ist für mehr Ausländer
Sarrazin will MEHR Ausländer und MEHR Fremde nach Deutschland holen! Sarrazin will intelligente Ausländer und schönere Deutsche!

Täuschung durch Sarrazin über Folgen seiner politische Vorschläge?
Sarrazin schreibt: „Jeder Staat hat das Recht, darüber zu entscheiden, WER in das Staatsgebiet zuziehen darf…“ (Seite 391). Sarrazin will aber tatsächliche sachliche und NEUTRALE (d.h. „WAS“) Kriterien! Sarrazin will z.B. die Einwanderung von Türken und Ägyptern (Seite 393), wenn beim Geld Bilanz und der Nutzen (für wen?) stimmt.

Ist Sarrazin gegen das alte “Multi-Kulti” Idyll?
Sarrazin steht für Multi-Kulti Mist und Gutmenschentum bei Sätzen: „Freuen wir uns über jeden, der kommt und bleibt“ (Seite 393). Über das Buch von Sarrazin kann man sich nicht freuen. Es fordert heraus.

Verarschung der Leser?
Sarrazin verarscht die Leser mit Sätzen wie: „100 Jahre sind nicht lang“ (Seite 394).

Böser Schluss von Sarrazin und vergiftetes Zitat:
Das Schlusswort von Thilo Sarrazin: „Mit den Worten einer untergegangenen Sprache rufe ich der Politik zu: Hic Rhodus, hic salta“. Das ist eine freilich eine Anspielung auf Hegel und Karl Marx. Marx schreibt in diesem Zusammenhang:
„Proletarische Revolutionen […] schrecken stets von neuem zurück vor der unbestimmten Ungeheuerlichkeit ihrer eigenen Zwecke, bis die Situation geschaffen ist, die jede Umkehr unmöglich macht, und die Verhältnisse selbst rufen …“

Geschrieben von edomblog

21. September 2010 um 01:47

Kritik vermeintlich heiler Texte als Zeichen vs. heilige Bücher als echte Symbole: Wider Lust an religiöser Raserei

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“Heiligen” Text kritisieren ist das eine. Ein ganzes Buch ist aber ein Symbol. Und was andere Menschen für heilig erachten, da ist Zurückhalthung, Ehrfurcht (reverence), Distanz angesagt.
Und sonst ergibt sich religiöse Raserei bei Betroffenen (“Betroffenheitskult”).

Die bewusste Schändung eines Symbols tangiert die Religionsfreiheit. Etwas anderes ist die Kunstfreiheit. Aber Meinungsfreiheit und Pressefreiheit sind andere Güter. Sie können nach Artikel 18 GG verwirkt werden.

Kritik vermeintlich heiler TEXTE als ZEICHEN vs. heilige BÜCHER als echte SYMBOLE: Wider Lust an religiöser RASEREI

Sakrale Symbole schäden ist etwas anderes, als den Inhalt und den Text einer großen Religion zu kritisieren und anzugreifen.

Geistesblitz zum “Problemfall” Sarrazin

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Kleiner Geistesblitz: Meinung ist doxa. D.h. insofern gilt dann Meinungsfreiheit! Aber wenn Volkswirt Sarrazin sagt, es sei genuin quasi Wissenschaft, d.h. nicht doxa, sondern dogma? Was dann? Welchen Geltungsanspruch erhebt Bundesbankvorstand Sarrazin? Anspruch auf Orthodoxie? Gerade auch Teile des Judentum arbeiten mit dem Funktionsprinzip Orthopraxie und nicht mit dem Prinzip Orthodoxie, welches vom Athener Grieche und Philosoph Platon in das” “Abendland” tradiert wurde.

Grenzenlos freie Gesinnungsethik oder Folgenethik mit Freiheit und Verantwortung als Grundsatz

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Nur bei unschuldig spielenden Kindern sind subjektive Absichten und Intentionen als wichtigste Regel maßgeblich. Ansonsten steht durchaus eine Folgenethik und sowieso das “Prinzip Verantwortung” (Hans Jonas) gegen die freie Gesinnung, die sich unschuldig gibt und sich um die Verantwortung für ihr Begründungsprogramm ziert und drückt.

Könnte eine grenzenlos freie Gesinnungsethik oder Folgenethik ohne Freiheit und Verantwortung der maßgebliche und entscheidende Grundsatz unseres Gemeinwesens sein? Gehört sich das in der Bundesrepublik Deutschland? Darf man das tun? Darf man sagen “Das tut man nicht”? Jedenfalls zählz am Ende des Begründungsprogramm mit für jedes Urteil und die eigene Entscheidung eines jeden, wie das Buch uns seine Konsequenzen beurteilt werden.

Nicht nur die Sprache und Semantik selbst und Absicht, auch die Begründungen und das jeweilige Begründungsprogramm haben ganz entscheidende Bedeutung. Das dokumentiert der Fall Sarrazin. Sarrazin giert subtil, vom Volkswirt bei der Bundesbank zum Chefvolkswirt für das Volk der Deutschen und aller Bürger zu werden.

Hat sich Sarrazin nicht irgendwo selbst – wie es öfteres der Stereotyp vom Islamisten tun soll -, entschieden, den Pfad des Märtyrertums zu betreten?

Claus Jacobi zitiert in BILD Ludwig Feuerbach zu Jungfrauen & Büchern in der Affäre Sarrazin

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Archetypisch und archaisch. Wo ist die Barbarei?
Weise & dumm, Leben & Tod: Macht das für Jacobi das Wesen von Literatur und Büchern aus? Das archetypische mag psychisch das Substrat sein, aus dem einige Medienunternehmen Profit schlagen.

Erregung der Nation
“Erstmals seit Jahren erregt wieder ein Buch die Nation”, schreibt Jacobi. Dabei passiert das ständig. Im Gedächnis bleiben die Worte Nation und “erregt”. Gleichzeitig stellt Jacobi dreist Sarrazin in eine Reihe mit “Lebensbilder”. Hier fallen Namen wie derjenige der Stefan George Anhängerin Marion Dönhof, die “liberale” preußische Adelige, Christiane Hörbinger und Gunter Sachs, aber auch Henri Nannen, der Hitler-Gegner Axel von dem Bussche und der von Willy Brandt. Das grenzt an Verrat am Konsens der Nachkriegszeit. Wichtige Volksgruppen werden so ausgeschlossen. Da hilft es nichts, Juden zu zitieren. Juden allein zu zitieren hat nichts mit jüdischer Kultur oder gar der deutsch-jüdischen Tradition zu tun.

Nation, Vaterland, Krieg
Sie stehen für die Kriegsgeneration, für Vaterland und Nation. Reiht sich Thilo Sarrazin hier ein mit seiner Spielart des “preußischen Sozialismus” (Oswald Spengler)?

Dies ist nicht der Leistungswettbewerb der Freiburger Ordoliberalen, das ist nicht der bürgerliche Widerstand gegen den Faschismus und Hitler! Das ist außerhalb des Bogens der bürgerlichen Kulturzone, zumal Willy Brandt und Sarrazin für Sozialismus stehen.

Nun zitieren Jacobi und BILD Feuerbach: “Es geht den Büchern wie den Jungfrauen, gerade die besten bleiben oft am Längsten sitzen.” Am längsten Hebel? Am längsten lesen? Am längsten liegen?

Urteil und Einschätzung ist, dass auch an dieser Textstelle bei Feuerbach sich “Jungfrau” auf eine “Einweihung” bezieht. D.h. die Bücher von Eingeweihten sind eben unverständlich. Verstanden? Wer nicht hören will, diejenigen haben zu fühlen.
“Force” (Derrida)

Werk und Wirkung: Cui bono “Deutschland schafft sich ab”?

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Wofür ist genau die Wirkung der Meinung von Sarrazin der Prüfstein? Bzw., worin besteht der Skandal? Was ist schlimm daran, dass Sarrazin nicht die Wirkung hat. Wenn das Buch “Deutschland schafft sich ab” ein gutes Buch wäre, welches Wirkung sollte es dann haben? Fördert Sarrazin eine Tugend?

Der springende Punkt in der Causa Sarrazin

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Der springende Punkt, dass Sarrazin temporäre Erkenntnisse der Sozialwissenschaft mit Naturwissenschaft und Historie künstlich verbindet. Nicht Sarrazin erfährt Zustimmung, sondern das, was fragmentarisch aus dem Buch abgedruckt worden war. Dies reichert die Stimmung an.

Geschrieben von edomblog

4. September 2010 um 14:09

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