"Das Politische anders denken"

Frühling der Bürgerlichkeit?

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Written by edomblog

28. August 2010 at 02:18

Was aus dem Twitterselbstläufer Hashtag Mediengrusel frei heraus spricht

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Im von allen auf Anhieb geteilten Humor erreicht in Echtzeit ein Maß höchster Selbstbesinnung und Selbstbefreiung vom Alltag.

Mediengrusel illustriert selbst den Praxisfernen wie mir die lebende kreative Ohnmacht gegen die Unlebendigkeit der Macht von Formalität, von formalen Kategorien, Formalkategorien und vor allem die wie ganzen Floskeln, Parolen und verarmten Sprechformeln, z.B. von Unternehmensberatern, Projektentwicklern oder Social Media Beratern. In vorgeblich sachlichen Diskurs treten unseriöse Zauberer mit beachtlichen Salär auf, die Worte als Zauberformeln verkünden, Anspruch darauf erheben, ihre Worte wären die einzige, gar einzigste Lösungsformel. Die letzte Variante enthält weltanschaulichen Bekenntniszwang, gern auch in Form eines vorgeblich rationalen ökonomischen Credos.

Sprachkenner, Sprachspieler und Sprachkönner werden im Berufsalltag in ein enges Korsett in kontrollierter Freilandhaltung eingezäunt, und unter das über ihnen schwebende Schwert, dieses neues Maßkategorien wie “Klickzahlen”, “Verweildauer” und “Reichweite in Social Media”. Die Ingenieure der Technik und die Demiurg des Managements stehen gegen die Könner und Sprachspieler, die tagtäglich ihren Job machen. 

Es wird deutlich, dass der Journalismus viele neue Formen und einige Formate entwickelt hat als Reaktion auf Digitalisierung, aber eine positive Lebendigkeit selten entsteht. Böswilligkeit von Kommentieren stört, ebenso wie niveauvolle Kritik, im Kampf wer wie mit wem auf Augenhöhe steht, zwischen Redakteur, Autor einerseits, Leserbriefschreiber oder in Kommentarspalten wütenden Unholden, die Spielverderber sind.

Das Maß als mathematische Auswertung einer Reichweite ist “Kolonialisierung” der Lebenswelt von Redaktion und Journalismus

Was will die “Neue Phänomenologie” von Hermann Schmitz?

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Zur phänomenologischen Revision:

“Die Phänomenologie gewinnt ihre Eigenart als Forschungsrichtung durch die Tendenz, die Abstraktionsbasis der Begriffsbildung näher an die unwillkürliche Lebenserfahrung heranzulegen, tiefer in diese einzudringen, sie in ihrer Fülle und Ursprünglichkeit besser zu begreifen. Sie ist mit dieser Tendenz gegenläufig und komplementär zur Tendenz der Naturwissenschaft als der Wissenschaft der schematischen Prognostizierbarkeit, in deren Interessen die unwillkürliche Lebenserfahrung bis auf wenige, für Experiment und Statistik optimale, Merkmalsorten, aus denen die zur Prüfung der theoretischen Prognosen verwendeten Daten entnommen werden, abgeschliffen wird.” (Kurze Einführung in die neue Phänomenologie, Karl Alber 2009, S. 14-15)

Schmitz (2009:14) schreibt, Phänomenologie sei “.. ein Lernprozess der Verfeinerung der Aufmerksamkeit und Verbeiterung des Horizonts für mögliche Annahmen.” Wie Rombach deutlich macht, bedarf das Konzept des Horizonts in der Phänomenologie der Ergänzung durch das der Dimension. Dies erweist sich besonders interkulturell als fruchtbar.

Fortschritt besteht für Schmitz (2009:14) darin, “… immer genauer zu merken,  was merklich ist.” Das erinnert vorsichtig an Heidegger, als er sagte, es gelte sehr wohl auch das Bedenkliche zu denken. Denken zielt nicht auf Erkenntnis als felsenharte, fest stehende Abschilderung einer Wirklichkeit als Wissenschaft oder exoterische universitäre Lehre, sondern auf Verunsicherung und wie Gadamer es an einer Stelle im Bezug auf den Sinn von Texten formuliert, auf Aufschmilz aus Verkrustungen doch Meinung und Dogma. Rombach gelingt es schließlich, die Phänomenologie aus ihrem Enge der Hermeneutik bei Heidegger und Gadamer heraus zu entwickeln. Dabei erweist sich seine Zugangsweise besonders für das Verständnis von Kunst, Lyrik und Bildern als furchtbarer als diejenige, die Heidegger und Gadamer ausführen. Sie verfehlen ihre Ziele. Ihr Verständnis der Hermeneutik bleibt Apollinik.

Das Spätwerk von Hermann Schmitz setzt an, die Verdrängung, was hier nicht (tiefen)psychologisch gemeint ist, in die die von ihm als unwillkürliche Lebenserfahrung genannte Wahrnehmung, geraten ist, aufzuheben, sie zu befreien. Rombach kann hier daran erinnern, weshalb Weisen des östlichen Weges, aus Asien, heute Konjunktur haben, in bewusstem Gegensatz zur sogenannten Naturwissenschaft mit ihrem Positivismus und Szientismus. Gerade mit Blick auf Heilkunde besteht hier Aktualität. In Verbindung mit der Neuzeit, die Wissenschaft zur scientia transformiert, ist die traditionelle Verfassung der Wissenschaft in der Universität als Scholastik, jenes Gehäuse der Lehren in engen Schulformen, begrenzt ihre Verfassung in der Weise des abendländischen Weges ihre Möglichkeiten und Leistungskraft. Hier ging der lebendige Dialog mit den Schülern bereits verloren. Das Ergebnis ist die allseits aus dem Latein bekannte FAQ (frequently asked questions).

So wurde es dem Westen reichlich fremd, Seelen durch Meistererziehung zu wandeln, durch Lehrgespräch, überhaupt die Seele in östlicher Weise in den Blick zu nehmen. Aber Schmitz klärt auf, Platon und Aristoteles führten zu einer Einsperrung des Unwillkürlichen in das (Privat)Haus der Seele. Weder Situation noch Atmosphäre würden so merklich. Daher genügt die Kritik der Postmoderne nicht, keinesfalls. Sie verliert sich oft in moralische Anklagen und Weltanschauungsarbeit. So gesehen greift die Rede vom “Haus des Seins” oder die auf Verständnis der Sprache zielende Hermeneutik viel zu kurz, ebenso wie ihre Kritik von Levinas und Derrida. Sie tut es nicht nur in philosophischer Hinsicht oder auf Eben der Metaphysik, sondern aus Gründen eines verengten und begrenzten Wirklichkeitszugangs und Wirklichkeitsverständnis heraus. Friedrich Kittler war es einsam, der sich in einem tragisch unabgeschlossenen und unvollendeten Spätwerk traute, in konstruktive Weise vor Platon und Aristoteles zurückzugehen, traute Musik, Gesang und Lyrik zu würdigen. Die moderne Musik stellte er in ihren vergrößerten Möglichkeit zur Sinnestäuschung da (Synthesizer).

Weiterhin wenden sich nicht zuletzt viele Frauen ursprünglicheren Formen des Wissen, die nah am Aberglauben liegen können zu, wie Esoterik westlicher oder asiatischer Provenienz und andere Formen der Einweihung. Wer heilt, hat Recht?!

In den Ursprüngen ist die Tradition des Westens mit Hellenismus und Judentum, mit den alten Griechen auch in Kleinasien, enger mit dem, was als Östlich gilt, verwandt, als es uns gemeinhin präsent, bekannt und lieb ist. Ist die Bibel ein östliches oder ein westliches Buch? Reicht es aus, hier wie Joseph Ratzinger verweisend nur die Kombination von Christentum und Philosophie zu nennen? Wo bleibt dann das, was die Anfänglichkeit ist? Gesänge, Lyrik, Archaik, Orphik, Empedokles und mehr? Wurde nicht dort in der Renaissance wieder die Suche aufgenommen? Auch in politischer Hinsicht ist es bereichernd, sich aus der lateinischen und römischen Tradition herauszudenken, die phänomenologisch einzuklammern, damit sie nicht mehr stört.

Der Tod war und ist ein Meister aus Deutschland oder die Geschichte von Heidegger

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Heideggers Irrweg einer pseudophilosophischen Politik
Der Fehler u.a. Heideggers (Schein)Lösung war, Lösung innerlich mit Gedankenkräften erschließen zu wollen und ohne Sicht auf die Sache, unsachlich zu entscheiden. Die Sache, um die es geht, um die es ginge, scheint gar nicht auf. Zur Lösung für alles wird, wird Loslösung zum Sprung, zum Sprung in den Abgrund. Übung kann entfallen. Erprobte Bewährung wird nicht mehr gebraucht. Normales Vertrauen, in Augscheinnahme, hinreichende Prüfung, verlässliches Können und begründetes Zutrauen muss gar durch eine Vorsehung die Führung betreffend ersetzt werden, über den Weltlauf, und zwar derart, so dass der Weltlauf zum bereitwilligen, dienstbaren Orakel gerät. Das garantiert Verfügbarkeit als ein Verfügbarmachen. Das bildet den Stufengang des Verschleierns.

Es wird vielmehr eine derartige Position als Sprungziel gesucht, in der die Sache im Grunde egal ist, geworden ist. Denn gerade so entsteht bedingungslose Gefolgschaft, Einigkeit im Volk als gefälschter Konsensus. In dieser Scheineinigkeit erstirbt verebbend alles Menschliche, alle natürlichen menschlichen Schwächen in der Überwindung als Selbstüberwindung. Doch ist so freilich nichts von der Sache überwunden. Was ist mit der Sache? Der Clou ist die Behauptung, mit diesem Trick wäre jedwede Sache unabhängig von ihrer Art und Herkunft, ihrer Gestalt, mit zumindest guter, annehmbarer Chance trotzdem sehr wohl überwindbar. Man müsse es nur glauben. Deshalb wird es glaubhaft gemacht. Ja dann, wenn man weder Tod noch Teufel fürchte. Nüchterne Trunkenheit wird gepriesen. Faszination liegt in der Selbstüberwindung, gepriesen war sie. So wird man das Selbst los, selbstlos. Und man geht im ganzen auf, im Volksganzen, geht als Volk hervor. Auch so wird man das Selbst los, selbstlos. Keine Spur mehr von der erkannten „Diktatur des Man“. Damit wird man zu allem bereit, ist für alles bereit, ist universell gewappnet, obwohl es kein Ziel mehr gibt, außer Erfolge, die sich schnell einstellen müssen; Regelmäßigkeit wird verlangt, ist das Verlangen. Und die Sache? Sie wird beschwiegen und verschwiegen, unsagbar.

Gleichzeitig gab Heidegger vor, Betriebsamkeit und Geschäftigkeit die Stirn zu bieten, ordnend zu agierend. Klärung unterbleibt. Man wähnte sich in großer Klarheit in der überlegenen Position. Hinterher blieb Klage über die Machenschaft, über die universelle Verdorbenheit, von der Heidegger selbst teil war. Die eigene Verwesung war nicht bemerkt worden. Kehrte endlich Leben wieder ein, so ist man wieder wer, da ist die Freunde groß, wie klein sie auch sei.

Ihre Irrlehren, die dem Faschismus ungemein zuträglich waren, teilten deutsche Geistesgrößen, gerade auch Dichter und Schriftsteller, damals gern miteinander. Anstelle von Dämmen gegen Unrat und braunen Dreck, hatten sie Kanäle zur schnelleren Verdreckung mit errichtet, aber keine Kläranlagen für ihre Scheiße. Sie peitschten die Wasser auf, so daß sich die Umlaufgeschwindigkeit des Drecks erhöhte und steigerte.

In ihrer Metaphysik der Entscheidung bestand eine universelle Gleichheit des Willens, die jedem offen stand, höher als jede Hürde und Schwelle wirklicher Eignung, jede gute und geeignete Herkunft; trotzig gegenüber dem Schicksal, welches Lebenslose verteilt, und günstige oder weniger günstige Umstände gestaltet. Wo die Sache gar nicht gewusst wird, echte Nichtkenntnis besteht, kann die Sache, kann keine Sache freilich ein Kriterium überhaupt mehr bilden. Sorgfältige Schulung bei Meistern und Könnern ihres Faches, lehrreiche – auch schwere, zusetzende – Erfahrung, bewiesenermaßen überwundene Hindernisse, passende Kenntnisse, in der Welt umgereist zu sein – zu Hause zu sein, Verfügung über Glücksgüter durch Geburt, dies alles soll keine Rolle mehr spielen, so verheißt es dieses irdische Paradies der Willensgemeinschaft. Noch nie war die philosophische Natur verkommener und primitiver. Im Kollektiv war man im Gefolge, als Volk, da bestand Gleichberechtigung, schien Berechtigung zu allem zu bestehen, zum Höchsten für alle; obwohl Berechtigung zu gar nichts bestand, sondern Rechtlosigkeit.

Die Scheu und falsche Liebe schützten vor Entdeckung. Es wurden Sprachregelungen gefunden, die Sache zu bemänteln, was die wahre Natur von Heideggers angeblich religiöse Phase gewesen war. Die Gewöhnlichkeit war zu verkleiden. Es boten sich wieder Chancen, neu Chancen, die gewahrt bleiben mussten. Das sagte einem der gesunde Menschenverstand. Der Triumph der Gesinnung in dieser verführerischen wie in Blindheit schlagenden Konzeption, jener religiösen, volkskirchlichen Gleichheit, dieser Teil der Volksgenossenschaft im Verbrechen, führte zum Sieg der niedrigen, dienstbaren Gesinnungen. Niedergang in Niederung, nicht Aufstieg geschah. Und so erscheint der Weg, der aufzusteigen ist, tatsächlich immer größer und anstrengender, aufwendiger, erscheint als sich verfestigende Kampfsituation, so dass sich dieses Kriterium selbst bestätigt. Die vermeintliche Sprungkraft wächst, je weiter die Spirale sich abwärts dreht. In der Gefahr wächst da Rettende, auch (Hölderlin).

Die stille esoterische der Absage der breit vernehmbar erfolgten Absage an die Vernunft und Freiheit, die heimliche Rücknahme ohne Widerruf – so als hätte Goethe die mangelnde Bereitschaft dazu nie beklagt -, war keine Wiedergeburt im Stile einer Renaissance. Schönheit des Geistes, Einheit der Vernunft, das war immer noch nicht gefragt. Häßlichkeit wurde weiter gepriesen als das Ursprüngliche schlechthin. Die Möglichkeit zu neuer Kunde war erloschen. Das war sogar nützlich, ein glücklicher Vorwand in der Not.

Maßlosigkeit wurde zum Maß, blindwütige Radikalität zum Maßstabe für Gütequalität. Vermessenheit wurde zur besten Abkunft. Das Ziel war nicht Kenntnis des Seins, sondern sich über das Lebens aufzuschwingen, „zu richten die Lebenden und die Toten“. So wurde Heidegger König eines toten Reiches, Künder vom Totenreich. Erst orientiert er sich nach dem Krieg 1927 an der Sterblichkeit, dann 1946 nach dem Krieg, an der Unsterblichkeit, der Unvergänglichkeit des Göttlichen, dessen Unüberwindbarkeit. Damit verband er weiterhin eine Ablehnung des Humanismus, verbat sich also somit eines Irrtums. Es herrschte seine Lüge vom Sein weiter als philosophisches Märchen.

Wahrheit als zentrale Kategorie in Form von bloßer Richtigkeit löste Heidegger auf und zwar zu Gunsten einer Bergung des Seins als Unverborgenheit. Folglich gab es richtig und falsch so nicht mehr oder nur noch als Unverborgenheit. Welchen Sinn ergibt dann noch die Aussage „es gibt“, und die Frage nach dem Sein, wieso überhaupt etwas als etwas ist? Jedenfalls ist es von nun an weder richtig, noch ist es falsch, ist es weder Wahrheit, noch ist es Unwahrheit. Ist das nicht wahrhaft unwahrhaftig?

Zurück zu Heideggers eifriger Irrfahrt. Die gesamte philosophische Tradition und die Religion schmelzen so zu einer bloßen Sprungvorlage zusammen. Sie ergeben nur noch die monströsen Hintergrundbeleuchtung für Bilder des Abgrundes. Der Logos als Ganzes verirrt sich. Die entstellte Vernunft wird so derartig fehlgepolt, dass sie untauglich zu jeder Navigation wird. Es ging darum, das, was traditionell am Höchsten im Menschen galt, was ihn auszeichnet, nämlich das Denken und die Vernunft, die Teilhabe daran, bewusst abzutöten, zum Schweigen zu bringen, einzuschüchtern und unvernehmbar zu machen. Ein Gewissen sollte nicht länger stören. Unwissenheit ist Tugend. Dies alles kann nicht der Technik zugeschrieben werden, die später als „Proxy“ herhalten musste, als Prügelknabe diente, als Stellvertreter, um die eigene Erbärmlichkeit glänzend auszukleiden. Der Griff nach Weltrang wurde ohne mit der Wimper zu zucken beibehalten.

Ohne Navigation ist man in der Wüstenei gefangen oder auf hoher See Wind und Wasser schutzlos ausgeliefert. Die Sterne und der bestirnte Himmel über einem hatte man als Höhlenbeleuchtung abgetan, die beliebig gestaltbar sei.

Heideggers dachte selbst technisch. Was muss, das muss eben. Das ist die Denke eines Bauern, die (Welt)Kunde eines Viehhirten, dem die angestammte (All)Macht der Kirche, des Kirchbaus, ihm sein Vorbild an Tollheit war, ihm Vorbild blieb. Der ewige Glanz der Stadt einer Romidee blendete. Heidegger erhob einen Führungsanspruch gleicher Art auf ein geistiges Reich. Eilfertige Jünger, brave Schüler und willige Geliebte stellten sich ein, die Ehefrau hielt still. Scheußligkeiten gegen die Mitwelt und Juden waren locker drin.

Angemerkt sei, im selben Stil dachte man in jenen Jahren aus dem George-Kreis heraus bei Platon die bewundernswerte Einheitlichkeit der techne bei Handwerkern und Bauern, von Leben und Lebensvollzug. Dies sollte auf das Leben des Geistes ausstrahlen. Einfachheit erlangte als Simplizität einen höchst verkehrten Rang. Der katholische Emporkömmling Heidegger musste im Konkurrenzkampf mit den Dichtern, darunter brillante deutsche Juden, Adel und bürgerliche Gelehrte, liefern. So spielte Heidegger seine verkorkste Ursprünglichkeit aus und wählt kein besseres, sondern ein entgegengesetztes Schicksal. Der Schmerz wurde gekonnt gesteigert, die Schmerzunempfindlichkeit wuchs, die allseitige Betäubung gelang.

Wenn die Erkenntnis auf einer vorgängigen Entscheidung basiert, einem zu leistenden Vertrauensvorschuß in Bezug auf den Abgrund– manchmal Wohlwollen unter Freunden in der Philosophie bei Platon genannt -, einer Konstruktion scheinbar religiöser Abkunft, die tatsächlich aber Teil der Verfassung des westlichen Logos ist, so vergeht die Unabhängigkeit des Geistes und der Erkenntnis. Und wo alles sprachlich verfasst ist, kann Sprache alles sprachlich verfasste manipulieren. Es ist eine wahrhaftige Ontologie der Manipulation und des Betrugs, diese Unwahrhaftigkeit. Mit Platon und Odysseus hat diese nichts mehr zu tun, denn weder besteht eine Zielordnung, noch ist die Heimkehr anvisiert. Die Sehnsucht ist längst tot. Der reißerische Schelm, stets süßlich daherredend in fetten Lettern, war nicht von den Göttern gesendet, sondern von dem Volke entrissen war die furchtbaren Gaben des Bösen.

In jedem Fall war das Ergebnis ein Betrugsvorgang, der das Täuschen Fremder mit Selbsttäuschung über sich selbst und seinen tatsächlichen Rang im Kosmos kombinierte. Selbstverfehlung geriet zu im Ansehen prächtigen Sein. Dazu kam der feste Lauf der Natur, der noch fester auf ihn wirkte als die Erkenntniskraft von Vernunft und Wissenschaften. Die scheinbare Unbeirrbarkeit des Laufs der Natur in seiner Fehlerlosigkeit oder Fehlhaftigkeit als sowieso nicht vermeidbare (Erb)Sünde gerann ihm zum Vorbild und Kopiervorlage. Dieser angebliche Wesensverhalt an Zweifelsfreiheit trog.

Die Maximierung der Kraft des Willens, der intellektuellen Entschiedenheit zu Etwas und auf die großmöglichste Kraftentfaltung zwecks einer Erschlossenheit der Welt, liefert nicht die höchstmögliche Sachkenntnis oder bringt es mit sich, dass sich Weisheit einstellt. Es führt zu Starre, artistischer Verrenkung und zu Starrheit, zu Häßlichkeit. So wurden Schönheit und Anmut zu dankbaren, gern verlangten und gewünschten Zerstörungszielen der Destruktivität.

Um der ironistischen Wendigkeit der Romantik, Platon, Sokrates und Nietzsches, zu entgehen, wurde nicht in etwas Besserem gesucht, sondern das Entgegengesetzte eigens extra noch hervorgebracht als Erschaffung, als eine mahnende Errungenschaft, deren Charakter kunstvoll geleugnet wurde. Gedankliche Beweglichkeit und Wohlberatenheit wurden durch Starre entledigt, die keine Fragen und fragen mehr zulässt, oder als bürgerliche Kategorie entlarvt und so durch Denunziation in Verruf, zu einem moralischen Verbrechen und Untat verschrien. Sie galten als kleinliche Einwände derer, der unverbesserlich Unverständigen, die nicht zu hören vermögen, nicht die rechten Ohren haben, und deren Augen verblendet, in Blindheit geschlagen sind. Heidegger schuf ein falsches Erwachen, das den Todesschlaf der Vernunft beschwor. Leben und Tod wurden in einer reichlich ordinären sophistischer Verdrehung geradezu vertauscht.

Kein Wunder, dass Heidegger den Platon – oder was ihm Platon insgesamt schien – im Modus der kündenden Universitätsvorlesung komplett verwarf, und so keine Alternative dazu hatte. Eine Philosophie, die aus Gesprächen bestand, lehnte derjenige ab, der später beklagte, das Gespräch, das hochsinnige, das Gespräch doch, sei doch abgerissen. Und so wurde Heidegger selbst so konserviert, wie er Platon leblos konserviert hatte. Sicherlich, Platon nutzte den Dialog nur als Form für etwas, echte Begegnung in der Gegenwart unter Menschen war das nicht. Die Seele galt als formbar und fixierbar, so tot oder so lebendig wie die Sprache, wie die Technik. Wo nur noch Denkwege sind, wo bleiben da die Stufen?

Und die Seele wurde in Eisen gelegt, ein Stahlnetz, auf dass sie gefälligst den Mund hält. Nur dies stünde ihr zu. Dies führte direkt in die Dystopie in Europa. Statt Ödnis und Wüstenei durch das Wasser des Lebens erblühen zu lassen, wurden Ödnis und Wüstenei konsequent realisiert. Die Hölle wurde auf Erden realisiert. Philosophie verkam zum säkularen Machtmittel. Sie war nützlich als Sophistik, als Rhetorik, Dialektik als Machttechnik, als erbauliche Weltanschauung, verkleidet in hergebrachte Nüchternheit, seelenlose Abgeklärtheit, willensstarke Unbeeindruckbarkeit, bedeutungsschweres Schweigen, liebreizende Einfachheit, und unüberbietbarer Grausigkeit, als Einweihung in die Kenntnisnahme der Häßlichkeit; in jeder denkbaren Form der Schwergewichtigkeit, doch sie erschien allein in Gottesgestalt der Unerbauchlichkeit. Tyrannei florierte. Der Stein der Narren sieht dem Stein der Weisen zum Verwechseln ähnlich.

Dies geschah alles im Namen von Wiedergeburt, Wiederaufstieg, wieder zu seinem Recht in der Welt kommen, Gerechtigkeit für Deutschland erlangen, seinen vorbestimmten Rang einnehmen unter den Völkern der Welt, und dies alles im Namen der Eigentlichkeit. Der Verfall und konsequente Abstieg in die Unterwelt wurde regelrecht auf Dauer gestellt. Die Inversion der Ordnung gelang. Deutschlands Rang wurde durch deutsche Großtat als Untat(en) für mehre Ewigkeiten verödet.

Wenn vor allem die letztlich beliebige Inhaltsleere des Kults der formalen Entschiedenheit kritisiert. Bei Heidegger triumphierte der Möglichkeitsinn über den Wirklichkeitsinn, der in seiner Variante der Phänomenologie ausgeschaltet wird, so dass der Realitätssinn verlischt und die psychologische Realitätsüberprüfung entfallen kann.

Sein Verfahren führt dazu, die größte Anstrengung am höchsten zu prämieren, eigene und kollektive Waghalsigkeit zu preisen, und dies geradezu unabhängig von ihrer Eignung. Leichtigkeit, Flinkheit und Eleganz, Ästhetik und Schönheit werden in einer solchen Ordnung kriminalisiert und zum Gegenstand von Verbrechen und Dekadenz. Die Natürlichkeit des Guten musste zum Bastard stilisiert werden.

Ohne Ahnung von politischer Praxis und Kenntnis des Vollzugs der Politik, ist ein lebendiger Gewinn von Fragestellungen gar nicht möglich. Alles edle und tugendhafte des Überpolitische wurde mißbraucht, entstellt.

Denken und Philosophie werden zu einer Befehlsinstanz umgebaut, die Kommandos verteilt und Parolen austeilt. Der Philosoph wird zum Verkünder einer timokratischen Ordnung. Der deutsche Militarismus als Gesinnungsmilitarismus wurde reaktiviert. Das Aufleuchten von Grausigkeit gilt als Geschmack von Welt. Grelles erhält höchste Weihen. Es entsteht eine Falschläufigkeit des Daseins, das verdreht ist, dem gerade kein echtes Ziel mehr gegeben wird. Die Verfahrenheit kann nicht mehr gestoppt werden, der Tod ist die Endstation. Der Tod ist ein Meister aus Deutschland. So begab es sich.

Heidegger war ein nützlicher Trottel, der sich als Philosoph zum unverständigen Idioten oberster Art machte. Seine Philosophie bildet ein tyrannisches Machtmittel. Konsequente Leugnung blieb sein einziger Ausweg. Seine „Kehre“ war keine öffentliche Reue und Bekehrung.

Heidegger war ein Schurke an der Philosophie geworden.

Seine enorme Anregungswirkung kann nicht bestritten werden. Dem gegenüber ist aufzurechnen, was Heidegger angeregt hat. Die Anregungswirkung besteht nicht nur mit Blick auf die Philosophie des 20. Jahrhunderts. Doch lässt sich sagen, Heidegger habe den richtigen, den gekonnten, den rechten Irrtum getroffen, als er irrte?

Derrida meint: „Ganz gleich, ob es um die nicht-anthropologische Interpretation des heraklitischen polemos oder um die Revolution unserer Erfahrung der Sprache geht, stetes legen seine Aussagen es darauf an, mehreren Erwartungen gleichzeitig zu entsprechen“ (stw1608). Heidegger will überwältigen, nicht überwinden. So bleibt die Sache unüberwindlich. Derrida kommt zum Schluß, polemos und logos wären bei Heidgger dasselbe. Das Un-gedachte bringt das Un-erhörte hervor. Das Nichtdenken ist das Böse (Hannah Arendt). Das Ungehörte ist das Un-erhörte, sagt der spätere Heidegger. Heidegger benennt die Mächte der Dichtung, des Denkens, des Staatsschaffens. Derrida sagt, es sei Philopolemologie.

Ist es nicht mehr Dämonlogie oder Eschatologie als Politiologie?

Derrida fragt, wieso der Freund wie ein Bruder sei? Was ist das, die Gilde der Freundschaft? Damit verbindet Derrida die Frage nach einer Politik “Jenseits des Brüderlichkeitsprinzips”. Derrida macht viele Worte, doch was er leistet ist nur eine Erläuterung und Erörterung der Implikationen der Varianten vom gennaois pseudos der Politeia.

„Das Überhören* ist ein Wahrheit ein Opfer, ja es ist das Opfer der Wahrheit selbst. Und an diesem Opfer ist das Ohr wesentlich beteiligt. In Wahrheit ist dieses Opfer der Wahrheit die Bewegung der Wahrheit selbst.“ (Derrida) [kursives Wort im Orginal in Deutsch].

Wie wäre eine Dichtung als Gedicht und Gesang vom Ereignis möglich?
Wir machen Musik. Alles ist Gesang. Es schläft ein Lied in allen Dingen.

Jawohl, meine Herr’n

Written by edomblog

29. Oktober 2014 at 20:53

Veröffentlicht in Religion, Politische Theorie, Tugenden, deutsche Tugenden, Philosophie, Philosophiegeschichte

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Spieltrieb

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“Gibt es eigentlich den Berliner Zoo noch?”

Written by edomblog

29. Oktober 2014 at 11:01

Die Blüte fällt, aber sie ergibt sich nicht

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Written by edomblog

28. Oktober 2014 at 13:19

Veröffentlicht in Berlin, Fotos

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Moltke der Ältere

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Written by edomblog

28. Oktober 2014 at 13:13

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Wahrheitsdurst oder die Rehabilitierung der Wahrhaftigkeit bei Paul Natorp

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Paul Natorp hat in seiner Vorlesung “Philosophische Systematik” folge Aussage getroffen:

“Ganz Leben will doch sein: Leben in und aus der Wahrheit. So ist philosophisches Besinnen selbst Leben, ein wesentlicher Grundzug echten Lebens. Denn solches will und kann nicht bestehen ohne Wahrheit. Unwahrheit, gar innere Unwahrhaftigkeit, ja schon jede nicht volle Wahrhaftigkeit, ist Abzug am Leben; denn was nicht in und aus der Wahrheit, der ganzen Wahrheit, lebt, lebt genau so weit eben der ganzen Wahrheit noch nicht, sondern ist in diesem wahrlich nicht nebensächlichen Betracht tot. Es wäre ganz tot, würde es auf Wahrheit, auf innere Wahrhaftigkeit, ganz Verzicht tun. Nur sofern auch im kümmerlichsten Leben irgendein kümmerlicher Funken von Wahrheit, von Wahrheitswillen doch noch glimmt, ist es immerhin leben.”

Die Jugend hat also doch gesiegt?! Für Natorp steht hier die Besinnung sehr im Vordergrund. Was kann die Gegenwart mit der Wendung “philosophische Besinnung” noch anfangen? Gibt es dazu einen Anglizismus? Jugend sucht weiter Orientierung, auch wenn die Gesellschaft sie ihr verwehrt, so finden sich eigensinnige Äquivalente. Was Natorp hier schon 1922 vortrug, spiegelt sich in der Radikalität des Fragens bei Heidggers wieder. Radikales Fragen vertrat auch Husserl. Gadamer sah sie bei Heidegger aus der Religion gespeist. Tatsächlich verwendete Augustinus das Wort Wahrheitsdurst. In diesen Plädoyer für vielfache Auslegung der heiligen Schriften fand sich spät auch der Hermeneutiker Gadamer wieder.

Doch es war Gadamer, der Natorp die Größe verwehrte und dafür sorgte, dass die Veröffentlichung seiner Vorlesung auf die lange Bank verschoben wurde. Es war doch gerade Natorp gewesen, der das große Thema von Gadamer, “Wahrheit und Methode” durch Überwindung des strengen Methodenbewusstseins des Neukantianismus ins Spiel brachte.

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